Zollschock für E-Commerce: 79 Prozent Aufschlag auf China-Produkte

Veröffentlicht: 23.02.2026
imgAktualisierung: 23.02.2026
Geschrieben von: Christoph Pech
Lesezeit: ca. 2.99 Min.
23.02.2026
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EU-Flagge
symbiot / Depositphotos.com
Die EU erhebt 79 Prozent Anti-Dumping-Zoll auf Keramik und Porzellan aus China. Künftig könnten weitere Produktkategorien betroffen sein.


Die überraschende Einführung drastischer Strafzölle auf Porzellan und Keramik aus China sorgt in der Branche für Turbulenzen. Importware verteuert sich schlagartig, während Händler und Großhändler kurzfristig mit erheblichen finanziellen und logistischen Belastungen konfrontiert sind.

Seit dem 7. Februar erhebt die EU-Kommission Anti-Dumping-Zölle in Höhe von 79 Prozent auf eine breite Palette keramischer Erzeugnisse aus der Volksrepublik China. Die Maßnahme basiert auf der Verordnung 2026/274, die deutlich früher als branchenintern erwartet in Kraft trat, berichtet das Handelsblatt. Bislang lagen die Zölle bei knapp 18 Prozent.

Brisant ist, dass die Regelung nicht nur zukünftige Aufträge betrifft, sondern auch bereits bestellte, jedoch noch nicht eingeführte Lieferungen erfasst. Für die Handelsunternehmen, die nach Branchenschätzungen rund 60 Prozent ihres Keramiksortiments aus China beziehen, bedeutet das eine unmittelbare Kostenexplosion und einen abrupten Eingriff in laufende Einkaufszyklen.

Plötzlich steigendes Insolvenzrisiko

Viele Händler stehen vor der Aufgabe, binnen weniger Tage oder Wochen zusätzliche Millionenbeträge beim Zoll vorzufinanzieren. Diese ungeplanten Liquiditätsabflüsse erhöhen das Insolvenzrisiko insbesondere für mittelständische Unternehmen, die typischerweise mit engen Margen und begrenzten Kreditlinien arbeiten. Branchenvertreter warnen entsprechend vor einem Cocktail aus Preissprüngen im Regal, spürbaren Sortimentseinschnitten und steigender Geschäftsaufgabequote.

Der Einzelhändler Depot rechnet etwa mit einem deutlich reduzierten Angebot bei Tischwaren. Insbesondere saisonale Themenartikel wie Motivtassen, limitierte Kollektionen oder dekorative Servierstücke könnten merklich teurer und weniger verfügbar werden. Großhändler sehen zusätzlich die Gefahr, dass sich internationale Lieferketten destabilisieren: Sollten chinesische Fabriken aufgrund zurückgehender EU- und US-Nachfrage Kapazitäten herunterfahren oder schließen, drohen Engpässe, längere Vorlaufzeiten und weitere Preisdruckeffekte auch bei Restkontingenten.

Weitere Produktkategorien könnten folgen

Auslöser der Zölle ist eine Beschwerde europäischer Hersteller, koordiniert unter anderem vom Branchenverband Cerame-Unie. Die Produzenten werfen chinesischen Anbietern systematisches Dumping vor – also den Verkauf von Waren unterhalb der Produktionskosten oder zu Preisen, die den heimischen Markt verzerren.

Die EU reagiert darauf mit Schutzinstrumenten des Handelsrechts, die auf eine Wiederherstellung fairer Wettbewerbsbedingungen abzielen. Parallel laufen weitere Untersuchungen in anderen Produktsegmenten, darunter Autoreifen und E-Bikes. Diese gleichzeitige Ausweitung handelspolitischer Maßnahmen erhöht den Druck entlang zahlreicher Wertschöpfungsketten und verschärft die Unsicherheit über zukünftige Einkaufskonditionen.

Online-Handel muss umdisponieren

Für E-Commerce-Akteure und stationäre Händler gleichermaßen ergibt sich ein schwieriges Umfeld: Die Zölle treiben die Beschaffungskosten nach oben, während Alternativen innerhalb der EU oft nicht in ausreichender Menge, Qualität oder mit vergleichbarem Preis-Leistungs-Verhältnis verfügbar sind.

Ersatzsourcing aus anderen Drittstaaten kann zwar kurzfristig helfen, bringt jedoch eigene Risiken mit sich, etwa längere Lieferzeiten, begrenzte Produktionskapazitäten, höhere Mindestabnahmemengen und zusätzliche Zertifizierungsanforderungen. Zudem ist fraglich, ob neue Beschaffungsmärkte schnell genug skaliert werden können, um saisonale und trendgetriebene Nachfrage zu bedienen.

In der Kermarikbranche prüfen erste Händler bereits vermehrt Kooperationen mit europäischen Herstellern, obwohl diese häufig höhere Stückpreise und längere Produktionszyklen mit sich bringen.

Preisanstiege unausweichlich

Politisch dürfte die Maßnahme eine Debatte über die Balance zwischen Industrieschutz und Verbraucherinteressen anheizen. Während europäische Produzenten auf Entlastung durch faire Wettbewerbsbedingungen hoffen, müssen Handelsunternehmen und Endkunden kurzfristig mit steigenden Preisen und einer geringeren Auswahl rechnen. Ob die Zölle mittel- bis langfristig zu einer Stärkung europäischer Standorte führen oder lediglich die Kosten entlang der Kette erhöhen, bleibt offen.

Klar ist: Die Entscheidung trifft einen Markt, der stark international verflochten ist, und sie entfaltet unmittelbare Wirkung – von der Fabrikhalle in Jingdezhen bis zum Regal im europäischen Haushaltswarenhandel. Dass die EU auch bei anderen Handels- und Produktkategorien Zollüberlegungen anstrengt, ist nicht unwahrscheinlich. Dumpingpreise aus Fernost sind kein exklusives Problem der Keramikbranche.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 23.02.2026
img Letzte Aktualisierung: 23.02.2026
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Christoph Pech

Christoph Pech

Christoph schreibt über KI, digitale Innovationen und Payment-Lösungen – immer mit einem Blick auf smarte Technologien.

KOMMENTARE
14 Kommentare
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Georg
02.03.2026

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ich bin nicht sicher ob das alles so durchdacht ist. Keramik ist leider nicht Keramik. Es mag sein das die Keramik Industrie leidet und Dumping. Jedoch die Keramik-Produkte, die wir aus China im Sortiment haben, sind Low Cost Tassen mit Spezial Beschichtung und werden nirgendwo in der EU überhaupt produziert. Es gibt keine Hersteller oder Fabriken hierzulande (gab es nie für diese Produkte). Dass darauf jetzt über Nacht ein Zoll von 79% festgelegt wird, führt dazu dass die Preise für den Endkunden in der EU entsprechend steigen, und die Kunden diese Produkte einfach nicht mehr kaufen, und uns als Händler das Geschäft wegbricht. Super gemacht. Wir schimpfen all über die Zollpolitik des Trump und man weiß dass man sich hauptsächlich selbst damit schadet, und wir machen es jetzt genauso.
Marco
04.03.2026
Das ist ja der Punkt: Ja, "Low Cost Tassen", also Tassen die so billig sind, dass sie nur durch systematisches Staatliches Dumping erreicht werden, werden nicht in der EU hergestellt. Hier gibts nur Tassen, welche oberhalb der Produktionskosten verkauft werden und darauf muss sich auch der Kunde wieder einstellen.
Susanne
28.02.2026

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Meiner Meinung nach? Es musste endlich was passieren, denn die vom chinesischen Staat steuerlich begünstigten Produkte bekommen dann vielleicht endlich faire Preise.
Arman Khan
28.02.2026

Antworten

Mit anderen Worten, wird nicht zu dumping Preisen importiert, dürfte der Aufschlag auch nicht anfallen. Problem wie immer: Erstens der ZOLL haut auf jedes Produkt den Zoll drauf, egal ob er in einer Handelsrechnung mit 0,20 € oder mit 20 € ausgewiesen ist. Wer es dann hinnimmt, hat einen Landingpreis, den er wohl kaum auf dem Markt mit dem kalkulierten Verkaufspreis rechtfertigen können wird. Es muss also dann ein Beschwerdeverfahren gestartet werden, der Ausgang ist meistens ungewiss und mündet voraussichtlich in einer Klage, bei der man dann höchst wahrscheinlich unterliegen wird. Denn es ist egal, ob es "Anti-Dumping-Zoll" heißt, es bedeutet einfach nur "ZOLL" = bezahle!..
Michi66
24.02.2026

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Das ähnelt ja mafiösen Machenschaften- auf vorgeorderte Ware zu fixierten EP rückwirkend Zölle erheben. Der Händler hat praktisch keine Chance so kurzfristig diese Kosten über erhöhte Verkaufspreise weiterzugeben, die meisten hätten wahrscheinlich überhaupt keine Ware zu solchen Konditionen geordert. Planungssicherheit als kleiner Händler in der EU? Gibt es nicht mehr, regelmäßig wird eine neue Sau durchs EU- Dorf gejagt, die einem zum Verzweifeln bringen kann, am besten zumachen bevor man noch mit Nervenzusammenbruch in der Anstalt endet ...
Markus Fnke
24.02.2026

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Man helfe mir bitte ein wenig weiter falls ich falsch liege: Wenn ich im Nicht Eu Ausland einkaufe zahle ich Zoll und Einfuhrumsatzsteuer. Als kleines Unternehmen (aber nicht Kleinunternehmer) sage ich mir der Zoll ist weg, die Einfuhrumsatzsteuer rechnet sich gegen die MwSt, kurz die bekomme ich wieder. Für mich kleine Leuchte heißt der Artikel folgendes: Bei einer Million Einkaufspreis ist der Zoll nicht mehr 180.000€ sondern 790.000€ auf gut Deutsch 610.000€ sind dann mal weg. Nicht wirklich weg, den Schotter hat nur jemand anderes. In diesem Fall der Zoll / Staat. Macht einfach den Laden zu das gibt wird mehr.
Frank2
24.02.2026
Auch als Kleinunternehmer zahlt man MwSt. beim Einkauf - man kann als Kleinunternehmer aber keine MwSt verrechnen bzw. auf Rechnungen ausweisen ohne auf die Kleinunternehmerregelung hinzuweisen und muss somit keine Abführen bekommt ergo aber auch keine wieder....
Swen
24.02.2026

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Meine Meinung: Super ! Diese Zölle müssen ganz schnell auf ALLES außerhalb der EU kommen ! Klar werden die Dinge dann teurer aber vielleicht kommen wir dann endlich von der Wegwertmentalität wieder runter ... und vielleicht haben dann Hersteller in der EU wieder eine Chance mitzuhalten, wobei das erst bei Zöllen ab mehreren 100% vernünftig greifen würde (Mindestlohn Deutschland ~14 € / Bulgarien ~3,50€ / "Weitweg" im Centbereich !)
Frank2
24.02.2026
Der Durchschnittslohn in China beträgt umgerechnet irgendwas um die 1500€, die Cent Artikel die bei Temu angeboten werden kommen direkt von den Herstellern - d.h. der ganze Handel dazwischen und Zölle oder Prüfungen ob die Ware wirklich verkehrstauglich ist wird komplett außen vor Gelassen - letzteres muss der Verbraucher machen da er für den Import verantwortlich ist. Der Durchschnittslohn in Bulgarien liegt übrigens bei ca. 1350€. Wir brauchen keine pauschalen Zölle von mehreren 100%, wir müssen Schlüsselproduktionen wieder in die EU zurückholen und der Direktvertrieb von Ware aus China muss eben unterbunden werden.
Markus
24.02.2026

Antworten

Dirigistischer Protektionismus für eine international nicht wettbewerbsfähige Industrie nennt man einfach "Herstellen fairer Handelsbedingungen" - und schon ist es etwas gutes. Wenn ich übergewichtig bin, binde ich meinem Kontrahenten einfach die Füße zusammen - dann gewinne ich den 100-Meter-Lauf locker.
Frank Pagenkemper
24.02.2026

Antworten

Das wurde ja wohl auch Zeit und es muß dringend auf weitere Konsumgüter erhoben werden. Wobei es besser gewesen wäre die direkten Pakete an Endverbraucher nicht mit diesen lächerlichen 3 Euro zu verteuern. Vieles davon ist nur Schrott und landet schnell im Müll, was am Ende alle Verbraucher mitbezahlen müssen. Sollen die Chinesen doch Ihren Giftmüll behalten. Dagegen hilt nur ein riguroses Regelwerk wie es die USA erlassen haben hilfreich. Da sind die Schrottsendungen aus China um 95% zurückgegangen.
cf
24.02.2026

Antworten

Also zunächst eine Anmerkung: Ich lese hier ja eigentlich gerne mit, aber lasst doch bitte solche globalen Anreißer "Zollschock für E-Commerce", wenn es "nur um Keramik" geht... Ansonsten ist das doch wieder ein Klassiker der EU-Politik. China exportiert zu viel in die EU, also schnell Zölle hoch, und - ups, da wird ja plötzlich alles teurer und wir haben weniger Umsatzsteuer-Einnahmen, da wir zu wenig Fachkräfte haben, die Keramik produzieren, aber Pappteller haben wir aus umweltschutzgründen gerade verboten. Essen wir halt demnächst vom Fußboden - hat bei den Neandertalern in den Höhlen auch funktioniert und die Menschheit hat überlebt...
Frank2
24.02.2026
Da in der EU über 450 Millionen Menschen leben und laut Statistik nur 13 Millionen offiziell als Arbeitlos geführt werden zzgl. Dunkelziffer, findet sich bestimmt der ein oder andere Arbeitslose, der Haken an der Geschichte ist eher, dass zumindest in Deutschland die Meisten Porzelanhersteller für den Consumer Bereich bereits vor Jahren ihre Produktion ausgelagert haben.
Marco
04.03.2026
Die Kahla/Thüringen Porzellan GmbH die gerade Insolvenz angemeldet hat, hat nicht Mitarbeitermangel als Problem benannt, sondern die Auftragslage.