Seit seinem Amtsantritt im Januar 2025 verfolgt US-Präsident Donald Trump eine rigorose Wirtschaftsagenda, um die USA zu stärken. Nach zunächst angedrohten Zöllen von 30 Prozent auf EU-Importe konnte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen diese Woche eine Einigung erwirken. Statt 30 gibt es jetzt einen Basiszollsatz von 15 Prozent auf die meisten Warengruppen. Welche Produkte dadurch jetzt günstiger oder teurer werden, schauen wir uns im Detail an.
Einseitige Einigung
Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Gewinn: 15 statt 30 Prozent Zoll. Doch schaut man sich an, welche Abgaben vor Donald Trumps aktueller Amtsperiode bestanden, sieht das Bild gleich anders aus. So wurden beispielsweise auf Autos, die in der EU gebaut und in die USA importiert werden, zuvor lediglich 2,5 Prozent Zoll erhoben. Dieser Satz wurde nun praktisch versechsfacht. Eine noch höhere Steigerung erfuhren Industrieprodukte wie Maschinen und Technik, welche zuvor mit null bis zwei Prozent verzollt waren und jetzt ebenso unter den neuen Basiszollsatz fallen.
Europäische Unternehmen, welche in den USA handeln, müssen je nach Branche also durchaus tiefer in die Tasche greifen. So rechnet Lisandra Flach, Leiterin des Ifo Zentrums für Außenwirtschaft, mit einem Negativeffekt von bis zu 0,2 Prozent auf das hiesige Bruttoinlandsprodukt. Wie sie gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa/Nürnberger Nachrichten) ausführt, könnte der Handel in die USA um bis zu 16 Prozent zurückgehen.
Ganz anders verhält es sich dagegen mit bestimmten US-Importen in die EU. So wurden die Importzölle auf US-Autos schlicht gestrichen. Vor Trumps-Präsidentschaft bestand hier ein Zollsatz von zehn Prozent. Auch auf weitere Industrieprodukte wurden die Zölle vollkommen gestrichen. Die USA importieren künftig also günstiger in die EU – während EU-Unternehmen teilweise mehr zahlen. Ein „fauler Deal“, wie Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) anmerkt.
Was bedeutet die Zollvereinbarung für Verbraucher:innen
Die friedliche Einigung bringt für alle Beteiligten auf jeden Fall Planungssicherheit mit sich. Statt einer Preisspirale, wie im Zoll-Streit mit China, gibt es klare Regelungen für die verschiedenen Industriezweige. Für Verbraucher:innen sei zudem mit keiner massiven Preissteigerung auf US-Produkte, wie iPhones, zu rechnen.
Wie der BGA jedoch gegenüber der dpa betont, sollten die „Erwartungen an sinkende Preise durch die Zolleinigung (...) nicht überhöht werden“. Auch in den Branchen, in denen die Zölle tatsächlich sanken, sei es fragwürdig, ob diese Ersparnis auch bei den Kund:innen ankommen wird.
Artikelbild: http://www.depositphotos.com
Ricarda Eichler
Ricarda berichtet über digitale Themen und spricht in Interviews und Podcasts mit spannenden Stimmen aus der Branche.
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