Wirtschaft statt Umweltschutz: Das fordern deutsche Unternehmen von der Politik

Veröffentlicht: 25.03.2025
imgAktualisierung: 25.03.2025
Geschrieben von: Hanna Behn
Lesezeit: ca. 2 Min.
25.03.2025
img 25.03.2025
ca. 2 Min.
Kalkulationsberichte liegen im Vordergrund auf einem Bürotisch, im Hintergrund unterhalten sich Büroangestellte / Führungskräfte
pressmaster / Depositphotos.com
40 Prozent der hiesigen Firmen fühlten sich von der letzten Regierung unzureichend unterstützt. Was sie jetzt fordern, zeigt eine Umfrage.


Die wirtschaftliche Lage für deutsche Unternehmen bleibt angespannt: Die Wachstumsprognosen für dieses Jahr sind vergleichsweise mau, gleichzeitig sind hohe Steuern fällig und es bestehen zahlreiche bürokratische Auflagen. Das drückt auf die Stimmung und treibt die Suche nach Verantwortlichen an. Vier von zehn Unternehmen waren mit der bisherigen Regierung unzufrieden – nur 14 Prozent indes zufrieden, ergab eine Umfrage im Auftrag des Softwareanbieters GlobalDots, für die 250 Entscheidungsträger:innen von Firmen mit über 100 Beschäftigten im Februar befragt wurden.

Von der neuen Regierung, die derzeit noch in Koalitionsverhandlungen verharrt, erhofft man sich nun Besserung. 

Deutsche Wirtschaft soll wettbewerbsfähig bleiben

Allen voran wünschen sich Unternehmer:innen weniger Bürokratie (45 Prozent) sowie Steuerreformen (35 Prozent). Eine wesentliche Forderung ist zudem der klare Umgang mit der Energiekrise (39 Prozent), denn vier von zehn Unternehmen betrachten die steigenden Energiekosten weiterhin mit größter Sorge. Sie fürchten, dass sie dadurch ihre Wettbewerbsfähigkeit verlieren (16 Prozent) oder gar in Energieengpässe geraten (13 Prozent). Dabei sollte die neue Regierung aus Unternehmenssicht Prioritäten setzen: Der Aussage „Deutschland muss wirtschaftliches Wachstum dem Umweltschutz vorziehen“ stimmten mehr als die Hälfte der Teilnehmenden (56 Prozent) zu. Aber auch gut ein Fünftel (22 Prozent) lehnt eine solche Vorgehensweise ab. Weitere Schwierigkeiten bereite, dass immer weniger Arbeitnehmende für anstehende Aufgaben qualifiziert sind. 40 Prozent sind wegen des Fachkräftemangels angesichts der rasanten Entwicklung im KI-Sektor besorgt, schreibt GlobalDots zu weiteren Ergebnissen dieser Umfrage.

Wichtig sei, dass es verlässliche Rahmenbedingungen gebe, damit die deutsche Wirtschaft konkurrenzfähig bleibt. Jede zweite Firma (48 Prozent) ist aber trotz der Herausforderungen zuversichtlich, dass Deutschland seine Position als eine der führenden Wirtschaftsmächte in den nächsten zehn Jahren behaupten kann. 

Weniger Unternehmer:innen im Bundestag

Ob und inwieweit die Interessen von Unternehmen politisch durchgesetzt werden, bleibt abzuwarten. Im aktuellen Bundestag sind im Vergleich zu letzten Legislaturperiode jedenfalls weniger Unternehmer:innen vertreten: Von 630 Abgeordneten haben nur 37 einen unternehmerischen Hintergrund – ein neuer Tiefstand, ermittelte die Stiftung Familienunternehmen und Politik.

„Deutschland ist eine Wirtschaftsnation. Da ist es keine gute Entwicklung, wenn unternehmerischer Sachverstand in den Parlamenten seltener wird. Wir brauchen im Bundestag auch diejenigen, die marktwirtschaftliche Praxiserfahrung mitbringen. Ohne sie ist der Bundestag ärmer“, erklärt Stiftungsvorstand Rainer Kirchdörfer. So macht sich das Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag bemerkbar und lässt die Zahl der Unternehmer:innen in Parteien der politischen Mitte sinken. Bei der CDU sind es elf, bei der SPD fünf und den Grünen vier. Derzeit stellt die AfD-Fraktion mit 17 Abgeordneten, die Unternehmer:in oder selbstständig sind, den größten Teil. Viele Familienunternehmen hielten die Politik der AfD für untauglich, so Kirchdörfer. Die Parteien müssten sich seiner Ansicht nach bemühen, mehr Menschen, „die zuvor in ihren Berufen erfolgreich waren“, in die Parlamente zu bringen.

Veröffentlicht: 25.03.2025
img Letzte Aktualisierung: 25.03.2025
Lesezeit: ca. 2 Min.
Artikel weiterempfehlen
Hanna Behn

Hanna Behn

Hanna widmet sich am liebsten den Themen E-Commerce-Trends, Leadership und Unternehmertum.

KOMMENTARE
4 Kommentare
Kommentar schreiben

ralf
26.03.2025

Antworten

Bei uns im Wahlkreis war blau die Siegerfarbe. Da hätte sich der sogar der Osten eine Scheibe abschneiden können. Teilweise 52 % für die AFD in einem Ort. Nun hat es micht interessiert, warum das so war. Es waren nicht kleinen Bauerndörfer mit viel Landwirtschaft, sondern es waren die Größten Dörfer/Städte mit den meisten Unternehmen. Im Umkreis des Flughafens lag die AFD bei fast 50 % und teilweise drüber, sogar die Kreisstadt hatte weit über 40 %. In den kleineren Dörfer war die AFD nur zweit oder drittsärkste Kraft. So wie die Tendenz derzeit aussieht und die AFD auch im Bundestag die meisten Unternehmer stellt, könnte die AFD vielleicht eine Unternehmerpartei werden. Hätte auch was gutes. Weg von Rechtsextremismus und hin zu einer Partei der Mitte. Wird aber noch dauern denke ich. Aber wir brauchen politische Vertretung für Unternehmer, sonst spielt es irgendwann keine Rolle mehr. Extremimismus entsteht und gedeiht immer in einer wirtschaftlich schlechten Lage.
K.I
26.03.2025

Antworten

Meinung: Der Aussage „Deutschland muss wirtschaftliches Wachstum dem Umweltschutz vorziehen“ stimmten mehr als die Hälfte der Teilnehmenden (56 Prozent) zu. Uns war nicht bekannt das die Anzahl an dummen Unternehmern so groß ist! :-( Die Umwelt wartet nicht! Es gibt keinen Planeten Nr. 2 ! Haben das denn immer noch mehr als die Hälft der Menschen nicht begriffen?
ralf
27.03.2025
Naja, es gibt in unserer Galaxie vermutlich Millionen von Erden 2. Dank der Techmiliardäre, auf die wir so sehr schimpfen, können wir diese eines Tages auch erreichen. Aber welches Land mit so viel Industrie wie Deutschland produziert sauberer? Und dann gibt es halt die entscheidende Frage: Wie soll ohne Wirtschaftswachstum Umweltschutz überhaupt finanziert werden? Ohne Wirtschaftswachstum ist weder Umweltschutz noch Klimaschutz möglich. Im Gegenteil. Eine neue Studie zeigt, dass Verbraucher mit sinken der Wirtschaftkraft immer mehr auf Nachhaltig verzichten und lieber billig einkaufen. Inflation und Verlust von Jobs (alleine die Angst davor) führen dazu, dass Verbraucher sparsamer sind und wenn es ums finanzielle Überleben geht, dann bleiben gute Vorsätze als erstes auf der Strecke. Von daher weiß ich nicht, ob die 56 % der Unternehmer wirklich dumm sind. Denn wie will ich meinen Betrieb auf Umweltschutz trimmen, wenn mir die Einnahmen dafür fehlen? Ich denke, dass knapp weniger als die Hälfte der Menschen begreifen, wie Umweltschutz überhaupt möglich ist.
cf
26.03.2025

Antworten

Dieser Satz ist für mich der "Teufelskreis des Tages": "Von 630 Abgeordneten haben nur 37 einen unternehmerischen Hintergrund" - wer hätte das gedacht. Einerseits sieht man es an den ganzen sinnlosen Entscheidungen der Politik, andererseits kann ich es gut verstehen, denn wer will bei den gesetzlichen Vorgaben noch Selbständig sein - da geht man lieber in die Politik..... Bald sitzen da nur noch Ahnungslose und regieren vor sich hin, während die Großunternehmen sich totlachen und die Taschen vollmachen