„Starte mutig – nicht perfekt“: Was Small-Business-Gründer:innen wissen sollten

Veröffentlicht: 14.07.2025
imgAktualisierung: 14.07.2025
Geschrieben von: Michael Pohlgeers
Lesezeit: ca. 3 Min.
14.07.2025
img 14.07.2025
ca. 3 Min.
Anne Heisig
AnneSvea
Wie fange ich mit meinem Small Business richtig an? AnneSvea verrät uns ihre Geheimtipps – und was sie früher anders gemacht hätte.


OnlinehändlerNews: Anne, was hättest du beim Start deines Handmade-Businesses gern früher gewusst?

Anne: Ich hätte mir gewünscht, dass mir jemand ehrlich sagt: Starte lieber nicht mit der Kleinunternehmerregelung. Damals dachte ich, es sei einfacher, „erst mal klein zu bleiben“ – aber rückblickend hat es mich eher ausgebremst. Ohne ausgewiesene Mehrwertsteuer war ich für viele Einzelhändler*innen unattraktiv, weil sie keine Vorsteuer ziehen konnten. Der Einstieg in den Wiederverkauf – z. B. in Concept-Stores – wurde dadurch deutlich schwieriger.

Außerdem konnte ich anfangs viele Investitionen nicht steuerlich geltend machen, obwohl ich viel Geld in Materialien, Technik und Messeteilnahmen gesteckt habe.
Heute sage ich: Wer von Anfang an ernsthaft verkaufen will – auch an Wiederverkäufer – sollte sich gut beraten lassen und mitdenkende Profis an der Seite haben. Und nicht aus reiner Angst vor Papierkram auf die falsche Rechtsform setzen.

„Social Media ist ein echtes Geschenk“

Wie finde ich heraus, was sich überhaupt gut verkauft?

Das ist eine Mischung aus Beobachtung, Bauchgefühl – und ganz viel Mut zum Austesten. Ich sage immer: Deine Kund:innen sind deine beste Navigation. Hör genau hin: Welche Fragen kommen immer wieder? Welche Produkte werden oft angeschaut, aber dann doch nicht gekauft – und warum? Und dann: Zeig dich! Social Media ist hier ein echtes Geschenk. Wenn du regelmäßig deine Produkte präsentierst und Einblicke gibst, bekommst du schnell ein Gefühl dafür, was Resonanz erzeugt – und was nicht.

💡 Wichtig zu wissen: Es gibt ein Phänomen, das ich selbst oft erlebt habe – und das viele Handmade-Kolleg:innen bestätigen: Manche Produkte verkaufen sich auf einem Festival oder Markt wie verrückt, aber online laufen sie kaum – und umgekehrt. Der Kontext, die Stimmung, das Material, das man anfassen kann, der persönliche Kontakt – all das spielt mit rein. Ganz wichtig: Teste aus, sei offen und nimm nichts persönlich. 

Hör aufs Herz: Nur weil sich etwas gut verkauft, heißt das nicht, dass du es lange herstellen willst. Es zählt auch, was dich erfüllt. Nur was du gern tust, wirst du mit Freude, Energie und Liebe in die Welt tragen – und genau das spüren deine Kund:innen.

„Wenn ich darauf warte, perfekt zu sein, starte ich nie“

Wie bist du zum Start mit dem Gefühl umgegangen, „noch nicht perfekt“ zu sein?

Das Gefühl, noch nicht perfekt zu sein, hatte ich natürlich auch – aber ich habe ziemlich schnell gemerkt: Wenn ich darauf warte, perfekt zu sein, starte ich nie.
Und ich wollte loslegen. Nicht irgendwann, sondern genau jetzt.

Deshalb habe ich beschlossen: Ich mache das jetzt einfach – mit allem, was ich kann. Und das, was ich noch nicht kann? Das lerne ich unterwegs. Denn ganz ehrlich: Perfektion ist oft nur eine andere Form von Angst. Aber Entwicklung entsteht durch Tun – nicht durchs Warten.

💛 Und genau darin liegt der Zauber von Handmade: Menschen lieben nicht das Perfekte. Sie lieben das Echte, das Persönliche, das Mutige. Sie kaufen nicht nur ein Produkt – sie kaufen ein Stück deiner Geschichte mit. Zeig, wo du gerade stehst. Lass deine Community dabei sein, wenn du wächst. Das ist nicht Schwäche – das ist die Verbindung zu dir und deinem Label.

Vielen Dank, Anne!


Über AnneSvea

Anne unterstützt seit über 15 Jahren Verkäufer:innen auf Plattformen wie Etsy und mit eigenem Shop bei der Optimierung ihrer Online-Auftritte. Daneben organisiert sie zudem das Boom Design Festival in Bad Homburg, wo sie verschiedene Anbieter:innen aus der Handmade-Branche zusammenbringt.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 14.07.2025
img Letzte Aktualisierung: 14.07.2025
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Michael Pohlgeers

Michael Pohlgeers

Micha beobachtet politische Entwicklungen und Marktplatz-Dynamiken. Seine Themen: Teamführung, Plattformen und alles, was den Handel bewegt.

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