Die Treibstoffkosten für die Logistik sind eine der sensibelsten Stellschrauben im E-Commerce. Wer vergeblich gehofft hatte, dass die neue staatliche Regulierung der Kraftstoffpreise für Entlastung sorgt, wird nun enttäuscht. Aktuelle Daten des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE) sollen belegen, dass die Reform die Gewinne der Mineralölindustrie ankurbelt, während die Preise an den Zapfsäulen steigen.
Wenn Regulierung die Margen befeuert
Eigentlich sollte die zum 1. April eingeführte „12-Uhr-Regel“ für mehr Transparenz und Stabilität an den Tankstellen sorgen. Doch die erste Bilanz von Wirtschaftsforschern fällt ernüchternd aus. Laut einer Untersuchung des ZEW Mannheim und des DICE kletterte die Gewinnmarge bei Superbenzin in den ersten zwei Wochen nach der Einführung um durchschnittlich 6 Cent pro Liter.
Nicht die Branchenriesen, sondern kleinere Ketten und unabhängige Anbieter steigerten ihre Margen am stärksten, fasst die Wirtschaftswoche zusammen. Größere Konzerne agierten vorsichtiger, um kartellrechtliche Prüfungen zu vermeiden.
Der „Zuschlag auf den Zuschlag“
Selbst wer als Händler keinen eigenen Fuhrpark unterhält, entkommt der Preisspirale nicht. Die Logistikbranche reagiert wie in der Vergangenheit schon mit variablen Treibstoffzuschlägen. DHL erhebt beispielsweise zu den ohnehin gestiegenen Kosten für Standardpakete bereits einen variablen Energiezuschlag von 1,25 Prozent (ab Juni 3,25 Prozent), der monatlich neu festgelegt wird. Die Express-Sparte erhebt aktuell sogar Zuschläge von fast 50 Prozent. Fuel Surcharges werden aber auch für Marktplatz-Händler zur direkten Belastung. Prominentes Beispiel ist Amazon: Der Konzern hat bereits bewiesen, dass er gestiegene Energiekosten an die Seller weitergibt.
Fest steht nur: Die Rekordmargen der Treibstoffanbieter landen über diese Zuschläge direkt auf den Rechnungen der Online-Händler.
Artikelbild: http://www.depositphotos.com
Yvonne Bachmann
Yvonne bringt juristische Klarheit in komplexe Fragen – zu Abmahnungen, EU-Recht, Wettbewerbsregeln und Urheberrechtsfragen.
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