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Millionen Sticker wegen EmpCo-Regeln: Ritter Sport kämpft mit Verpackungen

Veröffentlicht: 02.09.2026
imgAktualisierung: 02.09.2026
Geschrieben von: Sandra May
Lesezeit: ca. 2 Min.
02.09.2026
img 02.09.2026
ca. 2 Min.
Drei bunte Ritter-Sport-Schokoladentafeln mit tropischen Sorten auf orangefarbenem Hintergrund.
Mehaniq / Depositphotos.com
Ein kleiner Hinweis auf der Schokoladenverpackung wird zum EmpCo-Fall: Ritter Sport muss reagieren.


Ab dem 27. September 2026 gelten neue Regeln für Werbung mit Nachhaltigkeit und Umwelteigenschaften. Die sogenannte EmpCo-Richtlinie soll Verbraucher besser vor Greenwashing schützen. Unternehmen müssen deshalb unter anderem ihre Umweltaussagen und Nachhaltigkeitssiegel überprüfen. Wie konkret die Auswirkungen sein können, zeigt jetzt ausgerechnet eine Schokoladenverpackung.

Ritter Sport muss nach einem Bericht der F.A.Z. einen Nachhaltigkeitshinweis auf Millionen bereits produzierten Verpackungen überkleben. Betroffen ist die Angabe „100 % zertifiziert nachhaltiger Kakaobezug“, die bislang zusammen mit einer stilisierten Kakaobohne auf der Vorderseite der Tafeln zu sehen ist.

Warum muss Ritter Sport seine Verpackung ändern?

Das Problem ist offenbar weniger die Aussage über den verwendeten Kakao selbst als ihre Gestaltung. Durch die Kombination aus Text, Kasten und Kakaobohne wirkt der Hinweis wie ein eigenes Nachhaltigkeitssiegel.

Genau für solche Siegel gelten künftig strengere Vorgaben. Die EmpCo-Regelungen verbieten Nachhaltigkeitssiegel, die weder von einer staatlichen Stelle festgesetzt wurden noch auf einem anerkannten Zertifizierungssystem beruhen. Die Richtlinie stellt dabei konkrete Anforderungen an solche Systeme, etwa an Transparenz und die unabhängige Kontrolle durch Dritte.

Ritter Sport verwendet nach eigenen Angaben zwar Kakao, der über Programme wie Rainforest Alliance und Fairtrade zertifiziert ist. Das Unternehmen möchte seinen eigenen Nachhaltigkeitshinweis in der bisherigen Gestaltung dennoch nicht weiterführen. Künftig sollen die Informationen zum nachhaltigen Kakao-Bezug stattdessen als Text auf der Rückseite der Verpackung erscheinen.

Alte Verpackungen bekommen einen Sticker

Ganz verschwunden sind die bisherigen Verpackungen allerdings noch nicht. Wegen des heißen Sommers wurde weniger Schokolade verkauft als erwartet. Ritter Sport hat deshalb noch größere Mengen bereits bedruckter Verpackungsfolie auf Lager.

Damit diese nicht entsorgt werden muss, greift das Unternehmen zu einer pragmatischen Lösung: Der bisherige Nachhaltigkeitshinweis wird mit einem Sticker überklebt. Darauf steht schlicht „100 g“. Laut F.A.Z. betrifft das eine mittlere zweistellige Millionenzahl an Schokoladentafeln.

EmpCo: Auch Händler sollten ihre Werbung prüfen

Der Fall zeigt, dass die neuen Vorgaben nicht nur offensichtlich übertriebene Werbeaussagen wie „grün“ oder „umweltfreundlich“ betreffen. Auch die Gestaltung von Logos, Gütezeichen und selbst entwickelten Nachhaltigkeitssiegeln kann künftig problematisch sein.

„Jeder einzelne Produkttext, jede Shop-Beschreibung, jeder Instagram-Post, jede Amazon-Bulletpoint-Liste muss durchforstet werden.“ – Händlerbund-CEO Tim Arlt in seiner Kolumne „Die stille Katastrophe für kleine Shops: EmpCo

Daneben nimmt die EmpCo-Richtlinie unter anderem allgemeine Umweltaussagen stärker ins Visier. Aussagen wie „umweltfreundlich“, „grün“ oder „klimafreundlich“ sind künftig grundsätzlich unzulässig, wenn Unternehmen die dafür erforderliche anerkannte hervorragende Umweltleistung nicht nachweisen können. Auch Aussagen über das gesamte Produkt sind problematisch, wenn der beworbene Umweltvorteil tatsächlich nur einen einzelnen Bestandteil oder Aspekt betrifft.

Für Händler bedeutet das: Wer mit Nachhaltigkeit wirbt oder entsprechende eigene Logos und Kennzeichnungen verwendet, sollte seine Werbung jetzt überprüfen. Die neuen Regeln gelten ab dem 27. September 2026.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 02.09.2026
img Letzte Aktualisierung: 02.09.2026
Lesezeit: ca. 2 Min.
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Sandra May

Sandra May

Sandra beleuchtet Streitfälle im E-Commerce: von rechtlichen Fallstricken über Urheberrecht bis hin zu Influencer:innen und Wettbewerbsklagen.

KOMMENTARE
1 Kommentare
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cf
03.09.2026

Antworten

Also können wir jetzt "grüne Handschuhe mit weichem Wollfutter, dass für ein gutes Hautklima im Handschuh sorgt" nicht mehr verkaufen... Aber ernsthaft: Das bei Ritter Sport darauf nicht geachtet wurde fällt schon unter "selber schuld". Es war ja lange genug angekündigt und man muss seine Kundenbeeinflussung ja nicht bis zur letzten Sekunde ausreizen...