Support & Hilfe
Newsletter Bei uns werben

Immer mehr Unternehmen fürchten um ihre Existenz

Veröffentlicht: 12.05.2026
imgAktualisierung: 12.05.2026
Geschrieben von: Michael Pohlgeers
Lesezeit: ca. 3 Min.
12.05.2026
img 12.05.2026
ca. 3 Min.
Insolvenzantrag
ginasanders / Depositphotos.com
Die wirtschaftliche Lage ist angespannt. Mittlerweile fürchtet jedes neunte Handelsunternehmen um seine Existenz.


Die deutsche Wirtschaft bleibt durch den Iran-Krieg, die schwierige Lage im internationalen Handel und die schwächelnde Binnennachfrage unter Druck. Wie die ifo Konjunkturumfrage im April jetzt zeigt, sehen 8,1 Prozent der Unternehmen hierzulande mittlerweile ihre wirtschaftliche Existenz bedroht. Das betrifft vor allem den Handel: Insgesamt fürchten 11,6 Prozent aller Handelsunternehmen (Groß- und Einzelhandel), dass sie ihr Geschäft aufgeben müssen. Im Einzelhandel allein sehen sich 17,4 Prozent existenziell bedroht. Das sei ein neuer Höchststand.

„Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt“, so Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen. „Die Insolvenzen dürften vor dem Hintergrund der geopolitischen Unsicherheit in den kommenden Monaten auf einem hohen Niveau bleiben.“

Drei Probleme für Unternehmen in Deutschland

Drei Effekte bereiten den Unternehmen in Deutschland derzeit Probleme, so die Einschätzung des ifo Instituts: Eine schwache Nachfrage und damit fehlende Aufträge, steigende Betriebs- und Energiekosten, sowie eine zunehmend belastende Bürokratie. Der letzte Punkt ist allerdings etwas kritisch zu sehen, denn der Bürokratiekostenindex, der die bürokratische Belastung der Unternehmen abbildet, ist in den vergangenen Jahren gesunken. Zuletzt stieg er durch die Ausweitung der Nachhaltigkeitsberichterstattung allerdings wieder an und lag wieder auf dem Wert vom Februar 2024.

Ein weiterer belastender Faktor ist, dass die Kunden ihr Geld verstärkt zusammenhalten oder sogar insolvent werden – das führt zu Liquiditätsengpässen. Das sorgt dafür, dass sich die Probleme an der Lieferkette entlang ausbreiten. „Wenn Kunden wegbrechen oder Aufträge stornieren, trifft das die Zulieferer und Dienstleister mit voller Wucht“, erklärt Wohlrabe.

Jüngstes Beispiel: Mäc Geiz

Jüngstes Beispiel für die prekäre Lage der Unternehmen ist die Non-Food-Discounterkette Mäc Geiz. Das Unternehmen hat einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Halle (Saale) gestellt, wie die WirtschaftsWoche berichtet. Davon betroffen sei die für die Verwaltung zuständige MTH Retail Services (Germany) GmbH. Der Geschäftsbetrieb in den rund 180 Filialen soll zwar vorerst weiterlaufen, sämtliche Standorte nun aber auf ihre Profitabilität überprüft werden.

Im Zuge dessen wird es wohl auch zu Filialschließungen kommen. Es sei angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage erforderlich, sich grundsätzlich neu aufzustellen, erklärte das Unternehmen dem Bericht zufolge. „Insbesondere die Konsumzurückhaltung der Verbraucher angesichts steigender Lebenshaltungskosten und wirtschaftlicher Unsicherheiten hätten das Unternehmen belastet“, so die WirtschaftsWoche. Dazu kämen noch hohe Energie- und Lohnnebenkosten.

Erst im Februar hatte es einen Hoffnungsschimmer gegeben: Da hatte die Kodi Beteiligungs GmbH, zu der der Mäc-Geiz-Konkurrent Kodi gehört, die Discounterkette übernommen und wollte beide Marken weiter betreiben.

Inflation steigt auf fast drei Prozent

Der Iran-Krieg belastet die Verbraucher in Deutschland weiter. Wie der Spiegel berichtet, treiben die stark steigenden Energiepreise die Inflation nach oben: Im April lag diese mit 2,9 Prozent auf dem höchsten Stand seit Januar 2024. Im März lag die Teuerungsrate bereits bei 2,7 Prozent, nachdem sie im Februar noch knapp unter zwei Prozent gelegen hatte.

Vor allem die Energiepreise entwickelten sich rapide nach oben: Sie schossen im April um 10,1 Prozent in die Höhe. Kraftstoffe verteuerten sich dabei sogar um 26,2 Prozent, leichtes Heizöl um 55,1 Prozent. Beim Strom ging es dabei – vor allem aufgrund des hohen Anteils erneuerbarer Energien am Strommix – um 4,5 Prozent nach unten. Auch Erdgas (-3,0 Prozent) und Fernwärme (-1,1 Prozent) waren günstiger als im Vorjahreszeitraum.

Artikelbild: https://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 12.05.2026
img Letzte Aktualisierung: 12.05.2026
Lesezeit: ca. 3 Min.
Artikel weiterempfehlen
Michael Pohlgeers

Michael Pohlgeers

Micha beobachtet politische Entwicklungen und Marktplatz-Dynamiken. Seine Themen: Teamführung, Plattformen und alles, was den Handel bewegt.

KOMMENTARE
7 Kommentare
Kommentar schreiben

cf
15.05.2026

Antworten

Die Rechnung, dass der Bürokratieindex sinkt, ist ganz einfach. Es wurden so viele Verordnungen rausgehauen (Lieferkette, Entwaldung, CSRD, etc.), dass alle fast zusammengebrochen sind. Danach wurde gesagt: "Wir entlasten die Unternehmen um 60% bei der CSRD". TOLL, damit wurde der Index gesenkt, aber dass tatsächlich 40% mehr Bürokratie entstanden sind, sagt niemand.... Zudem mal zum Nachdenken: Der demografische Wandel führt zu immer wenigen Arbeitskräften und mehr Rentnern. Was machen Rentner gerne so nach 10-15 Jahren? Richtig: sie sterben. Wenn die Wirtschaft wachsen soll, für wen werden dann noch die ganzen Konsumgüter benötigt, die wir mit der geforderten Mehrarbeit produzieren? Ach warte: die Produkte sollen ja künftig nachhaltig sein und länger halten, d.h. wir brauchen ja eigentlich weniger neue Produkte. Ach warte: Wir brauchen weniger, sollen aber länger arbeiten... Äh was? ich muss weg....
André
13.05.2026

Antworten

Ich versende wegen dem hohen Aufwand von Kosten und Bürokratie bereits seit vielen Jahren nicht mehr weltweit und auch nicht mehr EU weit, das also hat uns die tolle EU gebracht, nur Ärger und Probleme, was waren es für wunderbare Zeiten, als man noch kostengünstig weltweit versenden konnte und einem die EU nicht die Geschäfte vermieste. Sollte nicht schleunigst diese Regierung abdanken und sowohl EU Regierung, als auch Bundesregierung reformiert werden, bedeutet es das Ende aller kleiner Händler in Deutschland.
ralf
13.05.2026

Antworten

"Drei Effekte bereiten den Unternehmen in Deutschland derzeit Probleme, so die Einschätzung des ifo Instituts: Eine schwache Nachfrage und damit fehlende Aufträge, steigende Betriebs- und Energiekosten, sowie eine zunehmend belastende Bürokratie." Deswegen will man doch einen Feiertag streichen, damit die Konsumenten noch weniger Zeit haben um Konsumgüter zu benötigen und da die schwache Nachfrage zu fehlenden Aufträgen führt, sitzen wir dann an dem gestrichenen Feiertag in den Betrieben und drehen Däumchen, da wir die Produktionsleistung erhöhen müssen um die fehlende Nachfrage zu befriedigen. Das ist deren Logik. Die Nachdrage allerdings könnte sich ändern, wenn man einen Feiertag mehr einführt. Je mehr Freizeit, desto mehr Konsum. Die richtige Lösung wären flexible Feiertage. In schlechten wirtschaftlichen Zeiten aktiviert man diese um den Konsum zu fördern und in guten Zeiten, da wo die Produktionsleistung der Nachfrage hinterher läuft, deaktiviert man diese. Vor hundert Jahren hatten wir viel weniger Freizeit. Schaut man sich da die Wirtschaftslage an, erklärt sich das von selbst und dies kann man die ganzen Jahrhunderte zurückverfolgen. Wir haben in der Neuzeit so viele Freizeit wie noch nie und daher auch die beste Wirtschaft wie noch nie (auch wenn diese im Moment schwächelt) Weil eben Freizeit den Konsum anheizt und damit die Wirtschaft. Es erfodert nur ein Gleichgewicht zwischen Konsum und Produktivität (Also Freizeit und Arbeit) und man hat das perfekte wirtschaftswachstum. Leider sehe ich das weder von den Politikern noch von den Wirtschaftsweisen. Volkswirtschaft ist ein sehr wichtiges Fach in der Schule.
Sjaak
13.05.2026

Antworten

"Inflation steigt auf fast drei Prozent" Sag mal, wollen die uns für dumm verkaufen? Ich wette, die 3 Prozent sind erst der Anfang – falls die Zahl überhaupt stimmt.
Sjaak
13.05.2026

Antworten

"Der letzte Punkt ist allerdings etwas kritisch zu sehen, denn der Bürokratiekostenindex, der die bürokratische Belastung der Unternehmen abbildet, ist in den vergangenen Jahren gesunken." Jetzt mal im Ernst.....Wer wurde da befragt? Wir sind seit 2010 Selbstständig und ich kann in diesen 16 Jahren keine Entlastung erkennen!
Michael Zosel, futuresound
13.05.2026

Antworten

Nicht aufgeführt ist die neue EU-Verordnung für Verpackungen ab 12.8.26 Dies wird für viele kleine Händler das aus bedeuten, denn man kann in das EU Ausland nicht mehr versenden, da die Kosten zu hoch sind. Große Händler werden sich freuen
C.H.
13.05.2026
Richtig, nachdem ich - und viele andere kleine Händler auch - seit längerer Zeit keine Waren mehr in die USA, Großbritannien, Ukraine, Belarus und Russland verschicken kann, kommt jetzt auch noch die EU dazu. Sei es drum. Schließe ich eben nach 30 Jahren mein Geschäft, kauf mir eine Insel und züchte Kokosnüsse/Ironie off.