Für einen Preis von 4,60 Euro je Aktie möchte das chinesische Unternehmen JD.com den Elektronikhändler Ceconomy übernehmen. Das berichtete jetzt das Handelsblatt anhand einer Unternehmensmeldung seitens Ceconomy. Die Übernahmepläne sind schon seit 2023 im Gespräch. Dass jetzt ein öffentliches Angebot gemacht wurde, könnte bedeuten, dass sich eine Einigung nähert.
Ceconomys Anteilsstruktur ist sehr komplex
Ein möglicher Grund für die langanhaltenden Verhandlungen könnte die recht komplexe Anteilsstruktur bei Ceconomy darstellen. Der Konzern, zu dem die Elektronikfachmärkte von MediaMarktSaturn gehören, hat viele unterschiedliche Eigner mit möglicherweise unterschiedlichen Ansichten zur chinesischen Übernahme.
Mit 30 Prozent gehören der Convergenta Gesellschaft die meisten Anteile. Ein weiterer Anteil von 36,3 Prozent befindet sich im sogenannten Streubesitz. Dabei halten üblicherweise viele Kleinaktionäre geringere Prozentsätze am Gesamtunternehmen. Die übrigen rund 33,7 Prozent verteilen sich auf Meridian, Beisheim, Freenet sowie Haniel. Laut Handelsblatt lehnte Haniel eine Stellungnahme zum Angebot konkret ab – die anderen Parteien waren zum aktuellen Zeitpunkt lediglich nicht erreichbar.
Durch das Angebot von 4,60 Euro je Aktie sind diese nun vor die Wahl gestellt. Es stellt einen Aufschlag von 23 Prozent auf den letzten Schlusskurs dar. Dieser lag noch am Mittwoch bei 3,75 Euro.
Was sind die Pläne von JD.com?
Angesichts des aktuellen Weltgeschehens mag es wenig verwundern, dass JD.com die Verhandlungen verschärft. Der chinesische Binnenmarkt stagniert und in den USA ist aufgrund der Zollstreitigkeiten aktuell wenig zu holen. Der Druck, mit Europa einen neuen Markt zu erschließen, steigt.
Wie das Handelsblatt ausführt, fanden 2024 auch Gespräche mit dem britischen Elektronikhändler Currys statt, welche jedoch ohne Erfolg abgeschlossen wurden. Da bei jenen Verhandlungen der Fokus auf den bestehenden Lagerstrukturen von Currys bestand, ist davon auszugehen, dass JD.com auch ein Auge auf die Lager von Ceconomy geworfen hat. Mithilfe dieser Standorte könnte das Unternehmen nebst dem Weiterbetrieb von MediaMarktSaturn auch seine eigenen Geschäfte innerhalb Europas massiv ausbauen.
Im Gegensatz zu Temu oder AliExpress betreibt JD.com ein integriertes E-Commerce-Modell, vergleichbar mit Amazon. Der Händler ist sowohl als Marktplatzbetreiber als auch im Direktvertrieb aktiv. Innerhalb Chinas gilt Jingdong, wie das Unternehmen ausgeschrieben heißt, als zweitgrößter Anbieter nach Alibaba.
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