Gefahr für Umsatz und Image: Unfaire Bewertungen gegen Händler nehmen zu

Veröffentlicht: 29.10.2024
imgAktualisierung: 29.10.2024
Geschrieben von: Tina Plewinski
Lesezeit: ca. 3 Min.
29.10.2024
img 29.10.2024
ca. 3 Min.
Unfaire Bewertungen im Online-Handel: ein niedergeschlagener Händler mit Smartphone
Händlerbund
Unfaire Bewertungen sind im Online-Handel ein Problem. Eine neue Umfrage zeigt, wie Händler damit umgehen und welche Schäden entstehen.


Produktbewertungen haben im Online-Handel großes Potenzial: Sie helfen suchenden Kundinnen und Kunden bei der Orientierung sowie Wahl des Produkts und können bei gutem Durchschnittsniveau auch Umsätze ankurbeln. Allerdings ist nicht jede Bewertung auch fair verfasst – manchmal können sie sogar echten Schaden anrichten.

Wie es zu solchen unfairen Bewertungen kommt und mit welchen Folgen Händlerinnen und Händler in solchen Fällen zu kämpfen haben, wollte der Händlerbund in einer Umfrage herausfinden. Die Antworten liegen nun vor und können kostenlos heruntergeladen werden.

Von unwahren Behauptungen und falschen Produkt-Anwendungen

Es ist eine Zahl, die definitiv aufhorchen lässt: 99 Prozent von insgesamt 180 befragten Händlerinnen und Händlern haben nach eigenen Angaben bereits unfaire Bewertungen erhalten. Doch was sind eigentlich „unfaire Bewertungen“? In welchen Formen und Facetten treten sie im Geschäftsalltag in Erscheinung?

Am häufigsten treten sie nach Angaben der Handelnden (83 Prozent) als unwahre Aussagen auf. Beispiele hierfür gibt es viele: etwa, wenn Menschen Produkte bewerten, die sie nie erhalten haben, oder wenn sie Sachverhalte falsch wiedergeben. Unfair wird es häufig auch dann, wenn Kundinnen und Kunden Dinge bewerten, auf die Seller gar keinen Einfluss haben. 73 Prozent der Befragten gaben solche Fälle an, in denen etwa eine verspätete Zustellung durch den Paketdienst oder ein unfreundlicher Paketbote das Einkaufserlebnis trübten.

Verrückt wird es außerdem, wenn Kundinnen und Kunden die Produktbeschreibungen nicht lesen und eine ungerechtfertigte Bewertung abgeben, nachdem sie den Artikel falsch verwendet haben (64 Prozent). 55 Prozent der Teilnehmenden berichteten außerdem, dass eine unfaire Bewertung schon als Druckmittel gegen sie eingesetzt wurde. Jeder Vierte musste überdies schon Beleidigungen durch die Kundschaft verzeichnen.

Unfaire Bewertungen treten in verschiedenen Variationen auf

Die Zahl unfairer Bewertungen steigt

Grundsätzlich sind unfaire Bewertungen offenbar ein Aspekt, mit dem Händlerinnen und Händler zunehmend zu kämpfen haben: Deutlich mehr als die Hälfte der Seller (58 Prozent) gab an, dass die Zahl solcher ungerechtfertigten Rezensionen in jüngster Zeit gestiegen sei. Etwas mehr als jeder Dritte (38 Prozent) nahm sie als Problem in gleichbleibender Intensität wahr und nur vier Prozent sehen einen Rückgang des Phänomens.

Diesem Ergebnis sollte vor allem deshalb Bedeutung beigemessen werden, da die Schäden, die aus unfairen Bewertungen resultieren, auch finanzieller Natur sind und sich daher negativ auf die Wirtschaftlichkeit betroffener Unternehmen auswirken können. Einen Imageverlust als Folge sehen 81 Prozent der Händlerinnen und Händler. Der Verlust von Zeit (59 Prozent), aber auch von Sichtbarkeit (58 Prozent) schlagen ebenfalls in diese Kerbe.

In allen drei Fällen lässt sich der resultierende finanzielle Schaden wahrscheinlich zunächst nicht direkt und vollumfänglich bemessen. Anders sieht es in solchen Fällen aus, in denen die Seller den Kundinnen und Kunden Produkte ersetzen und/oder Kulanzregelungen zum Einsatz bringen – 40 Prozent der Befragten verweisen auf einen solchen direkten Umsatzverlust.

Unfaire Bewertungen entstehen aus verschiedenen Gründen

Reagieren oder Löschen?

Nicht wenige Betroffene dürften sich die Frage stellen, wie genau sie mit unfairen Bewertungen umgehen sollen. Zwei von drei Händlerinnen und Händlern (67 Prozent) entscheiden sich nach eigenen Angaben für das öffentliche Kommentieren entsprechender Bewertungen. Rund jeder Zweite (55 Prozent) setzt sich mit dem Kunden oder der Kundin direkt in Kontakt.

Zu einer einfachen Löschung unfairer Bewertungen greifen mit 13 Prozent eher wenige Seller als Mittel der Wahl. Auch die Sperrung von entsprechenden Käuferinnen und Käufern oder der Gang zum Anwalt wurden in Einzelfällen genannt.

Unfaire Bewertungen: Ein Problem, das Zeit und Geld frisst

Es zeigt sich: Unfaire Bewertungen sind alles andere als eine Seltenheit im Online-Handel. Obwohl betroffene Unternehmen in vielen Fällen gar nichts für ungerechte negative Rezensionen können, müssen sie mit den Folgen leben: Der Verlust von Zeit, Sichtbarkeit und sowohl direkte als auch indirekte Umsatzeinbußen können die Wirtschaftlichkeit beeinträchtigen.

Tatenlos sollten Akteure aus dem E-Commerce daher nicht bleiben. Reagieren sie öffentlich auf unfaire Rezensionen, zeigen die Seller nicht nur Engagement, sondern können beispielsweise fehlerhafte Aussagen auch richtigstellen – und dies wiederum kann sich positiv auf stöbernde Kundschaft auswirken und potenzielle Probleme auch für andere Käuferinnen und Käufer lösen. Zwar kostet ein solches Vorgehen Zeit und Aufwand, doch es kann sich lohnen.

Die vollständigen Ergebnisse der Umfrage hat der Händlerbund grafisch anschaulich zusammengefasst. Das PDF-Dokument kann kostenlos über den HB Marketplace heruntergeladen werden.

>> Jetzt kostenlos herunterladen! << 

Veröffentlicht: 29.10.2024
img Letzte Aktualisierung: 29.10.2024
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Tina Plewinski

Tina Plewinski

Tina fokussiert sich auf Amazon, Marketingstrategien und digitale Plattformen – inklusive der Schattenseiten wie Online-Kriminalität.

KOMMENTARE
5 Kommentare
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Robert
29.10.2024

Antworten

Bewertungssysteme haben oft ihre Tücken. So kommt es vor, dass wir auf Plattformen Bewertungen für Produkte erhalten, die wir gar nicht verkaufen. Ebenso kassieren wir gelegentlich nur einen Stern für verspätete Lieferungen von Paketdiensten, obwohl der Fehler meist an falschen Adressangaben wie Zahlendrehern in der Postleitzahl oder Hausnummern liegt – typische Klassiker. Auch kleine Details wie eine versehentliche falsche Anrede führen manchmal zu negativen Bewertungen. Zwar ist die Zahl solcher Bewertungen überschaubar und oft kaum der Rede wert, dennoch wirken sie auf potenzielle Kunden oft irreführend. Leider erhalten wir nur selten die Art von konstruktiver Kritik, die wirklich hilft, unser Geschäft zu verbessern. Schade ist auch, dass allein Verkäufer bewertet werden können. Wäre es nicht interessant, wenn Händler auch Kunden oder Plattformen offiziell bewerten könnten? Ich glaube fest an die Ehrlichkeit der meisten Händler, schließlich müssen wir ohnehin für vieles geradestehen.
Arno Nym
29.10.2024

Antworten

Wir finden das Problem weniger in den unfairen Bewertungen selbst, als den Mangel insgesamt abgegener Bewertungen. Was wir ironisch finden, da doch offenbar so viele Leute Wert auf gute Bewertungen legen. Wo sollen diese aber herkommen, wenn viele inzwischen zu faul dafür geworden sind? Nehmen wir eBay als Beispiel. Wurde vor 10 Jahren noch 33-50% der Käufe bewertet, so sind es bei uns nur noch knapp 5-10% die bewerten. Der Anteil unzufriedener Kunden (Grund sei dabei außen vor) hat sich aber kaum verändert und gefühlt bewertet davon jeder. Das versaut die Quote, wodurch das Problem "unfaire Bewertung" mehr hervor sticht. Gegeben hat es diese aber schon immer.
Varth Dader
29.10.2024

Antworten

Es ist einfach das Problem der Menschheit: Null Weitsicht, null Einsicht, eigene Meinung bzw. Ansicht ist die einzige, die zählt - bis zur vollkommenen Verbohrung, schlechte Kommunikation. So entstehen schlechte, unfaire Bewertungen und Kriege.
Andree
29.10.2024

Antworten

Kennen wir auch alles. Meistens ist das Problem, dass die Beschreibung nicht gelesen wird. Aber man muss auch sagen, dass die Gesamtheit der Kunden schon noch normal ist und hinschaut. Es ist ein kleiner Teil, der eigentlich ganztägig betreut werden müsste. Ein Problem bei Bewertungen ist, zumindest bei Google, dass eher Leute die nicht aufgepasst haben oder einen Fehler gemacht haben Ihren Ärger rauslassen, als Kunden die zufrieden sind. Zufriedene Kunden sind häufig einfach genau das und fertig, die bewerten oft gar nicht. Verärgerte Kunden, auch die mit der eigenen Dummheit sind da anders, die gehen aktiv vor und bewerten dann negativ.
V.F
29.10.2024

Antworten

Bei Bewertungen mit Tatsachenbehauptungen, die nicht stimmen und die der Kunde nicht nachweisen kann, verweisen wir auf das Urteil des BGH (Urteil vom 13. April 2011, Az.: VIII ZR 220/10) und geben eine Frist von 7 Tagen für die Vorlage der Nachweise. In der Regel kommt sofort eine Nachfrage nach einer Änderung der Bewertung, oder diese wird vom Kunden gelöscht, je nach Plattform.