Während der Absatz von fabrikneuen Smartphones und Laptops stagniert oder sogar sinkt, boomen Refurbished-Produkte mit zweistelligen Zuwachsraten.
Geiz ist geil
Der klassische Hardware-Markt steht unter Druck. Aktuelle Daten des Marktforschungsunternehmens NIQ zeigen eine klare Tendenz: Im Jahr 2025 sanken die Absatzzahlen von neuen Smartphones um fünf Prozent, während das Refurbished-Segment im gleichen Zeitraum um beeindruckende 38 Prozent zulegte.
Dieser Trend setzt sich im laufenden Jahr 2026 sogar noch fort. Wenig verwunderlich ist dabei die Dynamik im ersten Quartal 2026, in dem der Gesamtabsatz wiederaufbereiteter Ware um fast 40 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum nach oben schnellte. Kein Wunder, schaut man sich die Nachrichten oder die Preise an deutschen Tankstellen an. Wer gibt da noch unbeschwert vierstellige Summen für ein Smartphone aus?
Gebrauchtware schlägt Neupreis
Interessanterweise ist Refurbished längst kein Synonym mehr für billig. Vielmehr suchen Kundinnen und Kunden gezielt nach High-End-Produkten, die sie sich neu nicht leisten wollen oder können. Im Bereich der Tablets führt dies zu einer kuriosen Marktsituation: Der durchschnittliche Preis für ein wiederaufbereitetes Tablet lag 2025 bei 463 Euro, also deutlich über dem Durchschnittspreis von Neuware, der lediglich 402 Euro betrug. Der Grund ist folgender: Käufer greifen lieber zu einem gebrauchten Premium-Modell als zu einem neuen Einsteigergerät.
Obwohl der Online-Handel das Geschehen mit einem Marktanteil von 90 Prozent absolut dominiert, gibt es im stationären Bereich erste Überraschungen. Vor allem bei Notebooks hat sich der Absatz in physischen Ladenlokalen von 2024 auf 2025 mehr als verdoppelt. Die größte Herausforderung für den Handel bleibt jedoch die Warenbeschaffung. Da Konsumenten ihre Geräte immer länger behalten, sinkt das Angebot an jungen Gebrauchtgeräten, die sich effizient wiederaufbereiten lassen.
Rückenwind durch Recht auf Reparatur
Eine EU-Richtlinie, die im Sommer 2026 das Recht auf Reparatur nach Deutschland bringt, verpflichtet Hersteller zu einer besseren Ersatzteilversorgung und mehr Transparenz. Julia Kalkowski von NIQ betont, dass Geräte dadurch länger genutzt werden und gleichzeitig der Zugang zu nötigen Informationen für professionelle Refurbisher erleichtert wird.
Artikelbild: http://www.depositphotos.com
Yvonne Bachmann
Yvonne bringt juristische Klarheit in komplexe Fragen – zu Abmahnungen, EU-Recht, Wettbewerbsregeln und Urheberrechtsfragen.
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