Firmenpleiten in Deutschland auf Rekordhoch gestiegen

Veröffentlicht: 09.07.2025
imgAktualisierung: 09.07.2025
Geschrieben von: Tina Plewinski
Lesezeit: ca. 2 Min.
09.07.2025
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Insolvenz eines Unternehmens: Geschäft mit Schild an einer Tür, auf dem „geschlossen“ steht
ginasanders / Depositphotos.com
Viele Unternehmen in Deutschland spüren erheblichen wirtschaftlichen Druck. Das zeigt sich auch am aktuellen Insolvenzgeschehen.


Die Zahl der Insolvenzen in Deutschland hat zuletzt einen vorläufigen Höchststand erreicht: Für die Monate April bis Juni summierte sich der Wert betroffener Personen- und Kapitalgesellschaften auf 4524. Dies hat das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) nun mitgeteilt.

Damit liegt die aktuelle Zahl der Firmenpleiten nicht nur sieben Prozent höher als der letzte Rekordwert aus dem ersten Quartal 2025, sondern übertrifft auch die Entwicklungen nach der großen Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2009. Laut den Wirtschaftsexpertinnen und -experten des IWH handelt es sich um einen Spitzenwert, der seit dem Sommer 2005 nicht mehr gemessen wurde.

Tausende Angestellte betroffen

Auch bei Betrachtung des letzten Einzelmonats wird das hohe Niveau der Insolvenzen deutlich: Allein im Juni rutschten 1.420 Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland in die Insolvenz – im Vergleich mit dem Juni des Vorjahres entspricht dies einem Anstieg von 23 Prozent. Noch größer ist der Unterschied, wenn man den Durchschnittswert des Monats Juni aus den Jahren 2016 bis 2019 heranzieht: Hier liegt das Plus gar bei 50 Prozent.

Neben des reinen Umfangs der Insolvenzen verrät die Datenerhebung des IWH auch mehr über die Zahl betroffener Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Bei rund 16.000 Arbeitsplätzen lag sie allein im Juni und nur bei den größten zehn Prozent der insolventen Unternehmen. Der Wert liegt 68 Prozent über der registrierten Zahl aus dem Juni 2024. Betroffen waren insbesondere Jobs in der Industrie, aber auch im Handel sowie im Hotel- und Gastgewerbe.

Experte sieht Insolvenzen als Marktbereinigung

Laut den Experten ist das aktuelle Insolvenzgeschehen unter anderem Ausdruck einer Entwicklung, die sich durch die globale Corona-Pandemie und daraus resultierender Maßnahmen ergeben hatte.

„Über viele Jahre hinweg haben extrem niedrige Zinsen Insolvenzen verhindert, und während der Pandemie sind durch staatliche Stützungsmaßnahmen auch Unternehmen am Markt geblieben, die bereits zuvor schwach aufgestellt waren“, kommentiert Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung.

Seit Mitte 2022 sei mit Blick auf die Insolvenzen ein Nachholeffekt zu verzeichnen: Neben einem Anstieg der Zinsen fielen beispielsweise auch staatliche Hilfen weg. Die zunehmenden Insolvenzen seien laut Müller demnach „schmerzhafte, aber notwendige Marktbereinigungen sowie Strukturanpassungen, die Raum für zukunftsfähige Unternehmen schaffen können“, heißt es in der IWH-Meldung weiter.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 09.07.2025
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Tina Plewinski

Tina Plewinski

Tina fokussiert sich auf Amazon, Marketingstrategien und digitale Plattformen – inklusive der Schattenseiten wie Online-Kriminalität.

KOMMENTARE
5 Kommentare
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cf
10.07.2025

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Meinung: Selten so einen Blödsinn gelesen: Die Marktbereinigung findet nicht aufgrund von Corona statt, sondern weil durch die stetig wachsende Anzahl an Rechtsvorgaben die kleinen Unternehmen einfach nicht mehr können. Wenn man es so schöne ausdrücken möchte, dann sollte man die Bezeichnung wählen "Marktkonsolidierung zugunsten von Großunternehmen."
H.Y
10.07.2025
Sehr geehrter CF, die Äußerung, andere Menschen als „Blödsinn” abzutun, ist nicht nur unhöflich, sondern auch überheblich. Dies trägt sicherlich nicht zu einer sachlichen Diskussion bei. Sie haben den Begriff „Marktkonsolidierung zugunsten von Großunternehmen” verwendet. Das ist eine von mehreren möglichen Behauptungen bzw. Meinungen, sicherlich nicht die einzige.
H.Y
10.07.2025

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Corona-überzogene Maßnahmen, ständig neue Vorschriften und Auflagen, eine hohe Bürokratielast, unsichere Straßenverhältnisse, Messerattacken, Inflation und Verteuerung in allen Bereichen. Was noch? Ach ja, eine sehr hohe Steuerlast und ein Mangel an Innovation aufgrund des hohen bürokratischen Aufwands. Und Krieg sowie ein Mangel an positiver, charismatischer Führung. You name it, we have it. Wenn im Fußballclub solche Zustände herrschen, verliert die Gemeinschaft jedes Spiel. We need a change! Solange sich nichts Dramatisches ändert, wird es nur noch schlechter. Mit Respekt an alle „Experten“: Es findet sicherlich eine Marktbereinigung statt, doch danach wird der Markt nicht sauberer, sondern leerer sein.
TS
10.07.2025

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Das als "notwendige Marktbereinigungen" zu bezeichnen ist eigentlich schon eine Frechheit. Ursache vieler Insolvenzen ist die Coronazeit und die völlig überzogenen Maßnahmen. Nicht vergessen sollte man die ausgesetzten Insolvenzen, die zu früheren Zeiten als Insolvenzverschleppung bezeichnet wurden. Schlussendlich dürften jetzt etliche an den Corona-Hilfen zu knaupeln haben, die zuerst nicht zurückgezahlt werden sollten und jetzt doch in einem Stück. Wer das nicht kann geht Insolvenz.. Sicher gibt es noch viel mehr Gründe wie die aktuellen (Wirtschafts-) Kriege und immer mehr rechtliche Aspekte.
K.I
10.07.2025

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Meinung: So einfach kann man sich die Dinge schön reden und einfach machen! Das sind wirklich super Experten!