Die anstehende Mindestlohnerhöhung auf 13,90 Euro pro Stunde ruft Reaktionen der betroffenen Unternehmen hervor. Wie das Ifo-Institut in seiner aktuellen Konjunkturumfrage ermittelt hat, wollen 21,5 Prozent der von der Mindestlohnerhöhung direkt betroffenen Unternehmen Stellen abbauen. Zudem wollen viele Betriebe auf Investitionen verzichten und Preise anheben. Die Unternehmen fürchten sinkende Gewinne und eine schlechtere Position im Wettbewerb, erklärt das Institut.
„Die Reaktionen der Unternehmen zeigen, dass die Anhebung des Mindestlohns in der aktuellen Phase der wirtschaftlichen Schwäche besonders schädlich ist“, erklärt Ifo-Forscher Sebastian Link. Auffällig sei, dass mehr Unternehmen mit Stellenabbau und Investitionskürzungen drohen als es noch bei der letzten – größeren – Mindestlohnerhöhung 2022 der Fall war.
Mehr als ein Drittel (31 Prozent) der vom Ifo-Institut befragten Unternehmen gab an, direkt von der anstehenden Mindestlohnerhöhung betroffen zu sein. Am stärksten wirke sich die Anpassung auf das Gastgewerbe (77 Prozent) und den Einzelhandel (71 Prozent) aus.
DGB: Firmen sollen „konstruktiv an Umsetzungsfragen arbeiten“
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisiert die Reaktion der Unternehmen. Wie Vorstandsmitglied Stefan Körzell der Zeit zufolge erklärte, wurde der Mindestlohn von 13,90 Euro „gemeinsam mit der Arbeitgeberseite in der Mindestlohnkommission beschlossen“. Die Unternehmen sollten nun „konstruktiv an Umsetzungsfragen arbeiten“, anstatt sozialpartnerschaftliche Verabredungen „permanent“ infrage zu stellen.
Auch das Ifo-Institut wird vom DGB kritisiert. So habe es bereits vor der Einführung des Mindestlohns den Verlust von einer Million Arbeitsplätze prognostiziert – ein Szenario, was nicht eingetreten ist. Stattdessen sei die Beschäftigung nach Einführung des Mindestlohns gestiegen. „Wir kennen die alte Leier seit zehn Jahren: Auch frühere Mindestlohnerhöhungen wurden von Arbeitgeberseite mit düsteren Prognosen begleitet, die in der Realität nicht eingetroffen sind“, so Körzell.
Mindestlohn wirkt gesamtwirtschaftlich stabilisierend
Das bestätigt auch die Hans Böckler Stiftung: „Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen hatte 2015 seit Jahresbeginn weiter zugenommen, die kräftigsten Zuwächse verzeichneten Branchen, die besonders stark vom Mindestlohn betroffen sind“, heißt es. Der Mindestlohn wurde am 1. Januar 2015 in Deutschland eingeführt – damals lag er noch bei 8,50 Euro die Stunde.
Als der Mindestlohn 2022 auf 12 Euro angehoben wurde, erlebten rund acht Millionen Beschäftigte „spürbare Einkommensverbesserungen“ und Studien gingen der Stiftung zufolge „von positiven langfristigen gesamtwirtschaftlichen Wirkungen“ aus. Nennenswerte Auswirkungen auf die Inflation habe der Mindestlohn dagegen nicht – ganz im Gegenteil: „Der höhere Mindestlohn stabilisiert die Einkommen am untersten Rand der Einkommensverteilung“ und wirke damit auch gesamtwirtschaftlich stabilisierend, erklärte Prof. Dr. Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI).
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