Experten erwarten Insolvenzwelle im Herbst

Veröffentlicht: 08.08.2025
imgAktualisierung: 08.08.2025
Geschrieben von: Tina Plewinski
Lesezeit: ca. 2 Min.
08.08.2025
img 08.08.2025
ca. 2 Min.
Insolvent: Ein geschlossener Laden mit „Closed“-Schild an der Tür
pressmaster / Depositphotos.com
Das Insolvenzgeschehen in Deutschland ist angespannt. Und auch die Aussichten für den weiteren Jahresverlauf sind deutlich eingetrübt.


Nach neuen Zahlen des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) wird es wohl einen insolvenzreichen Herbst in Deutschland geben: Eine aktuelle Analyse habe einen auffälligen Anstieg bei den Frühindikatoren gezeigt, durch die man gewöhnlich das künftige Insolvenzgeschehen zwei bis drei Monate im Voraus abschätzen könne. Die entsprechenden Indikatoren hätten dem Institut zufolge „den bislang höchsten Stand in der seit Januar 2020 laufenden IWH-Erhebung“ ausgewiesen. Konkret liegen sie etwa acht Prozent über dem Wert von Juli 2024, der den bisherigen Spitzenwert darstellt.

„Die Höhe der Frühindikatoren ist ungewöhnlich und lässt auch für den Herbst hohe Insolvenzzahlen erwarten“, kommentierte der Leiter der Insolvenzforschung beim IWH, Steffen Müller. Als Wermutstropfen sei jedoch anzuführen, dass die anstehenden Insolvenzen aller Voraussicht nach nur in moderater Weise auf dem hiesigen Arbeitsmarkt spürbar sein werden.

Insolvenzen im Juli (fast) mit Spitzenwert

Neben dem Ausblick lassen auch die tatsächlich registrierten Werte aufhorchen: So sind im Juli in der Bundesrepublik spürbar mehr Firmen in die Insolvenz gerutscht. Die Zahl der Firmenpleiten von Personen- und Kapitalgesellschaften lag hierzulande bei 1.588. Im Vergleich zum Vormonat (Juni 2025) ist das ein deutlicher Anstieg um 12 Prozent und zum Vorjahresmonat (Juli 2024) ein Plus von 13 Prozent.

Noch deutlicher wird die Brisanz der Entwicklung allerdings, wenn der Vergleich mit dem durchschnittlich registrierten Juli-Wert der Jahre 2016 bis 2019 gezogen wird, also einer Zeitspanne vor der Pandemie. Hier ist ein Anstieg um 64 Prozent zu verzeichnen.

Laut den Wirtschaftsexperten des IWH handelt es sich – mit lediglich einer Ausnahme – um den höchsten Wert seit 20 Jahren. Nur im April 2025 wurden mit 1.626 noch mehr deutsche Firmeninsolvenzen registriert.

Diese Bundesländer waren besonders hart betroffen

„Wir sehen im Juli eine auffällig hohe Zahl an Insolvenzen bei gleichzeitig nur moderater Arbeitsplatzgefährdung“, so Müller weiter. „Das liegt vor allem daran, dass es wenige Großinsolvenzen gab.“ Der Anstieg lasse sich in Teilen mit saisonal auftretenden Mustern, wie etwa vielen Arbeitstagen und entsprechenden Verfahrensterminen, aber auch mit einer regelmäßig auftretenden, erhöhten Tendenz zum Halbjahr erklären.

Das Insolvenzgeschehen hat regional gesehen verschieden starke Ausprägungen: Neue Höchstwerte seien etwa in Nordrhein-Westfalen, aber auch in Baden-Württemberg und Berlin verzeichnet worden. Bayern folge knapp dahinter. Ostdeutsche Bundesländer hätten sich dem Trend hingegen widersetzen können: Dort seien die Zahlen sogar rückläufig gewesen.

Mit Blick auf die betroffenen Arbeitsplätze verweist das IWH im Vorjahresvergleich auf ein stabiles Niveau: Die größten zehn Prozent der insolventen Unternehmen führten fast 10.000 betroffene Arbeitsplätze auf, was in etwa sowohl der Zahl aus Juli 2024 als auch dem Juli-Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 entspricht. Allein mit Blick auf den Vormonatswert Juni 2025 sei ein Rückgang um 39 Prozent zu lesen.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 08.08.2025
img Letzte Aktualisierung: 08.08.2025
Lesezeit: ca. 2 Min.
Artikel weiterempfehlen
Tina Plewinski

Tina Plewinski

Tina fokussiert sich auf Amazon, Marketingstrategien und digitale Plattformen – inklusive der Schattenseiten wie Online-Kriminalität.

KOMMENTARE
3 Kommentare
Kommentar schreiben

Frank
17.08.2025

Antworten

.. und leise stirbt der Mittelstand und die Kleinunternehmen... Nicht zur Insolvenz.. es wird einfach zugemacht, weil der Betrieb aufgegeben wird, es sich nicht mehr lohnt, der Betreiber zu alt. Die katastrophalen Folgen für Gesellschaft und Wirtschaft werden sich bald zeigen, wenn der Arbeitsmarkt nur noch in der Hand von ein paar Konzernen ist...
cf
11.08.2025

Antworten

Meinung: Wen wundert das noch? Die Unternehmen und deren Kunden (also alle) werden mit stetig steigenden Steuer- und Abgaben belastet. Die Politik schmeißt das Geld mit vollen Händen raus und hat jeglichen Realitätssinn für Geld verloren. Es wird immer mehr Arbeit der Menschen gefordert um die Steuereinnahmen weiter hochzutreiben (längere Arbeitszeiten, späterer Renteneintritt, auf Dauer sicher auch Rentenkürzungen). Wenn es wieder aufwärts gehen soll, dann lasst doch mal die Menschen den Haushaltsplan schreiben, die täglich mit ihrem Geld haushalten müssen, wie Rentner, alleinerziehende, usw.. Bei der aktuellen Lage müsste aus meiner Sicht in der Politik jeder dritte Euro eingespart werden - was sicher auch möglich ist, wenn man mal genau hinsieht. Die Politiker*innen sollten auch mal bedenken, dass sie nicht mit ihrem eigenen Geld handeln, sondern mit dem Geld aller anderen. Das bedingt nochmal größere Verantwortung als wenn es um die eigenen Spardose geht!
Andreas
11.08.2025
Welche Verantwortung ? Die Politik hat sich selbst einen Freibrief ausgestellt damit Niemand verantwortlich gemacht werden kann. Eine der wenigen Dinge die effektiv und nachhaltig funktionieren. Wie sonst kann es sein, dass ein Alexander Dobrindt jetzt Bundes-Innenminister ist oder ein Jens Spahn Fraktionsvorsitzender einer ´christlichen´ Partei, oder Julia Klöckner überparteiliche Bundestagspräsidentin, oder ... etc ..... usw. .... Das Peter-Prinzip lässt grüßen.....