Einzelhändler in Deutschland haben im ersten Halbjahr mehr Umsatz erzielt, wobei der Online-Handel maßgeblich dazu beitrug. Trotz dieses Wachstums erwarten Experten keinen Boom.
Einzelhändler in Deutschland haben im ersten Halbjahr mehr Umsatz erzielt, wobei der Online-Handel maßgeblich dazu beitrug. Trotz dieses Wachstums erwarten Experten keinen Boom.
Das Online-Geschäft hat dem deutschen Einzelhandel im ersten Halbjahr zu einem deutlichen Wachstum verholfen. Der Umsatz stieg insgesamt um 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Inflationsbereinigt beträgt das reale Plus 2,9 Prozent. Dazu trug der Online-Handel bei.
Von Januar bis Juni konnte der Internet- und Versandhandel einen realen Umsatzzuwachs von 12,7 Prozent verzeichnen. Im Gegensatz dazu sanken die Einnahmen im Facheinzelhandel mit Lebensmitteln um 1,2 Prozent und im Geschäft mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren um 2,0 Prozent. Der HDE rechnet für das Gesamtjahr weiterhin mit einem Umsatzplus von zwei Prozent. „Real bedeutet das einen Zuwachs von 0,5 Prozent“, wird der Handelsverband Deutschland (HDE) dazu von N-TV zitiert.
Im Juni stieg der Umsatz real um ein Prozent im Vergleich zum Vormonat, was doppelt so stark war, wie von Ökonomen erwartet. Dennoch erwarten die meisten Experten keinen Boom. „Die Konsumaussichten bleiben verhalten“, sagte Alexander Krüger, Chefökonom von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. „Verbraucher sparen derzeit lieber, als sich von der niedrigen Teuerung locken zu lassen.“
Auch Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, sieht keine spürbare Belebung der Einzelhandelsumsätze im zweiten Halbjahr. „Über dem Arbeitsmarkt sind Wolken aufgezogen: Entlassungsmeldungen kommen aus dem Automobilbau, aber auch von Maschinenbauern“, sagte Gitzel. „Die Sparneigung nimmt in Anbetracht der bestehenden Unsicherheiten zu.“
Die Verbraucher zeigten sich zuletzt zurückhaltender. Das für August berechnete Konsumklima-Barometer sank um 1,2 Punkte auf minus 21,5 Punkte, wie die Institute GfK und NIM mitteilten. „Die Verbraucher halten es mehrheitlich nach wie vor für ratsam, das Geld eher zurückzuhalten und nicht für größere Anschaffungen zu verwenden“, sagte Rolf Bürkl, NIM-Experte.
Viele Händler bleiben daher skeptisch. Einer HDE-Umfrage unter rund 650 Unternehmen zufolge erwarten 53 Prozent sinkende Umsätze im laufenden Jahr, während nur gut ein Fünftel mit einem Plus rechnet, vor allem größere Handelsbetriebe.
Artikelbild: http://www.depositphotos.com
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