Sollte Deutschland ein Feiertag genommen werden? Unternehmen haben klare Meinung

Veröffentlicht: 16.04.2025
imgAktualisierung: 16.04.2025
Geschrieben von: Redaktion
Lesezeit: ca. 2 Min.
16.04.2025
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Strand mit Tasche, Sonnenbrille und Flipflops
shalamov / Depositphotos.com
Deutsche Arbeitnehmer sollen mehr leisten und stattdessen auf einen Feiertag verzichten. Aber wäre das sinnvoll?


In Deutschland wird aktuell eine Debatte über die hiesigen Feiertage geführt: Sollte ein gesetzlicher freier Tag gestrichen werden, um die Wirtschaft anzukurbeln und somit dem Staat Milliarden zu bescheren? Laut Wirtschaftsexperten könnte die Streichung eines Feiertages die Produktivität und damit auch das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um bis zu 8,6 Milliarden Euro steigern. Allerdings zu welchem Preis?

Unternehmen im Zwiespalt: Produktivität vs. Mitarbeiterzufriedenheit

Für Unternehmen stellt sich die Frage, ob die Streichung eines Feiertags tatsächlich zu einer nachhaltigen Produktivitätssteigerung führt. Während einige Arbeitgeber auf die wirtschaftlichen Vorteile hoffen, befürchten andere negative Auswirkungen auf die Mitarbeiterzufriedenheit und die Arbeitgeberattraktivität. In Zeiten des Fachkräftemangels könnten zusätzliche Arbeitstage die Motivation und Bindung der Mitarbeiter beeinträchtigen.​

Laut der Tagesschau sind viele Unternehmen gegen die Abschaffung eines Feiertages. So fürchtet Thomas Reimann, Chef des Bauunternehmen ALEA AG, dass sich die Beschäftigten den gestrichenen Feiertag durch Krankheitstage zurückholen. Andere Firmen betonen die Notwendigkeit von Erholung für Mitarbeiter. Nur so lassen sich langfristig Mitarbeiter halten.

Ablehnung unter der Bevölkerung: Feiertage als kulturelles Gut

Die Deutschen sind sich allerdings einig: Laut einer Forsa-Umfrage sprechen sich 65 Prozent gegen die Streichung eines Feiertags aus. Nur 32 Prozent fänden das richtig. Ein Großteil sieht die Feiertage nicht nur als arbeitsfreie Zeit, sondern auch als ein kulturelles Gut. Allerdings zeigt die Befragung auch deutliche Unterschiede, je nach Alter und beruflicher Stellung. Während sich 70 Prozent der Erwerbstätigen gegen die Abschaffung eines Feiertages stellen, befürworten dies 52 Prozent der Rentner.

Fazit: Ein Balanceakt zwischen Wirtschaft und Gesellschaft

Die Diskussion um die Streichung eines Feiertags zeigt die komplexe Balance zwischen wirtschaftlichen Interessen und gesellschaftlichen Werten. Während Unternehmen auf Produktivitätssteigerungen hoffen, steht die Mehrheit der Bevölkerung dem Vorschlag skeptisch gegenüber. Erschwerend kommt hinzu, dass die Entscheidung über Feiertage bei den jeweiligen Bundesländern liegt und es hier bereits jetzt große Unterschiede in der Anzahl der gewährten freien Tage gibt. Hier eine einheitliche Regelung zu finden, auf welchen Feiertag man nun verzichten könnte, dürfte äußerst schwierig werden.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 16.04.2025
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Redaktion

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KOMMENTARE
4 Kommentare
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Reiner
23.04.2025

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Ich würde gleich mehrere bundeseinheitliche Feiertage überdenken: 1. Mai und Tag der deutschen Einheit könnten auch auf den folgenden Sonntag gelegt werden. Wären schon zwei. Pfingstmontag und der 26.12. könnten auch gestrichen werden, denn nur 37,8 Mio der Deutschen gehören einer der hiesigen beiden großen Kirchen an, also eine Minderheit gegenüber den Nichtgläubigen und Andersgläubigen. Da die Gewerkschaften immer mehr Freizeit fordern durch weitere Urlaubstage, könnte der Staat ohne Eingriff in die Tarifautonomie hier gegenwirken.
K.I
17.04.2025

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Meinung: Natürlich keinen Feiertag streichen. Die Deutschen wollen doch nur noch weichspülen und chillen. Wer das Geld wo wann verdienen soll ist uns dabei nicht klar! Und wenn etwas hängen bleibt kommt die Gewerkschaft, hetzt und ätzt wieder. Dann soll das bisschen gleich an alle Arbeitnehmer verteilt werden. So kann ein Unternehmen sich nicht weiter entwickeln. Wir Boomer waren dumm und haben der jetzigen TikTok Generation so viel Gutes erarbeitet! Die aber schöpfen nur noch ab und beschweren sich! Ein Recht auf beschweren ohne Leistung erbracht zu haben und immer nur fordern fordern fordern... So wird das mit Deutschland nichts mehr! :-(
Robert
16.04.2025

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Bis heute schaffen wir es nicht, in Deutschland einheitliche Feiertagsregelungen zu etablieren. Bayern etwa hat Feiertage, die in keinem anderen Bundesland gelten – hauptsächlich aufgrund der tief verwurzelten katholischen Tradition in vielen Regionen. Und leidet Bayern deshalb wirtschaftlich? Im Gegenteil: Die bayerische Wirtschaft zählt weiterhin zu den stärksten im Bundesvergleich. Noch widersprüchlicher wird es, wenn man bedenkt, dass manche dieser Feiertage nicht einmal im ganzen Bundesland gelten, sondern nur in besonders religiös geprägten Gemeinden – während sie in großen Städten wie beispielsweise Nürnberg oder München keine Anwendung finden. Gleichzeitig wurden Feiertage offiziell abgeschafft, gelten aber für Schüler weiterhin als unterrichtsfreie Tage, wie der Buß- und Bettag. Vor diesem Hintergrund wirkt die Diskussion über neue Feiertagsregelungen fast schon realitätsfern – solange es nicht einmal gelingt, innerhalb des bestehenden Systems für Klarheit und Einheitlichkeit zu sorgen. Ein gestrichener oder zusätzlicher Feiertag wird die Wirtschaft kaum spürbar beeinflussen. Was wirklich zählt, sind tiefgreifende Reformen: eine Vereinheitlichung gesetzlicher Regelungen, der Abbau unnötiger Bürokratie, die Entlastung von Unternehmen durch niedrigere Steuern sowie die Abschaffung überflüssiger Lizenzabgaben innerhalb der EU.
JK
17.04.2025
Feiertage streichen – als nächstes dann Schlaf und Freizeit? Wieder einmal wird eine völlig absurde Nebenkerze gezündet – die Diskussion über die Streichung eines Feiertags, angeblich zur Steigerung des Bruttoinlandsprodukts. 8,6 Milliarden Euro soll das angeblich bringen. Was nicht gesagt wird: Diese Zahl ist rein hypothetisch, stammt aus volkswirtschaftlichen Modellrechnungen und blendet völlig aus, welche realen sozialen, kulturellen und gesundheitlichen Kosten eine solche Maßnahme hätte. Viel entscheidender aber: Diese Diskussion ist ein typisches Ablenkungsmanöver. Denn der Staat hat kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem. Während die arbeitende Bevölkerung immer neue Belastungen schultern soll, öffnet Herr Merz zur gleichen Zeit das Tor für eine neue Schuldenwelle, die in ihrer Dimension alles bisher Gesehene übertrifft – ohne jegliche Diskussion über strukturelle Einsparungen. Da wird mit Milliarden um sich geworfen – ob für ideologisch motivierte Programme, ineffiziente Förderstrukturen oder eine aufgeblähte Bürokratie – und gleichzeitig sollen wir jetzt auch noch unsere Feiertage opfern? Was hier betrieben wird, ist nichts anderes als ein Angriff auf die Leistungs- und Erholungsfähigkeit einer Gesellschaft, die bereits an der Grenze ihrer Belastbarkeit steht. Unternehmer wie Arbeitnehmer arbeiten längst am Limit – aber das scheint nie genug. Solange in Berlin das Motto gilt: "Mehr Geld ist die Lösung für jedes Problem", wird man die eigentliche Ursache unserer wirtschaftlichen Misere – die verantwortungslose Ausgabepolitik – konsequent ignorieren. Wenn der Staat wirklich 8,6 Milliarden Euro einsparen will, dann gibt es unzählige Möglichkeiten – von der Reduzierung ideologischer Prestigeprojekte über eine Verschlankung der Verwaltungsapparate bis hin zur Streichung sinnfreier Subventionen. Aber klar, das wäre anstrengend – da ist es natürlich bequemer, sich an einem Feiertag zu vergreifen.