Bürokratie-Frust: Online-Händler werden immer unzufriedener

Veröffentlicht: 26.03.2025
imgAktualisierung: 26.03.2025
Geschrieben von: Hanna Behn
Lesezeit: ca. 3 Min.
26.03.2025
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ca. 3 Min.
Großer Schriftzug Händlerbund Jahresstudie 2024, Einkaufskorb mit Paketen
Händlerbund
Komplexe Regeln wie die GPSR sowie die Kaufzurückhaltung belasten die Branche stark, zeigt die elfte Jahresstudie des Händlerbundes.


Die Kundschaft gibt sich wegen der Inflation weiterhin knauserig und gleichzeitig müssen Online-Händler:innen umfassende gesetzliche Regelungen umsetzen – allen voran die Produktsicherheitsverordnung GPSR, die zum 13. Dezember des letzten Jahres in Kraft trat und für viele eine umfassende Überarbeitung ihres Angebots mit sich brachte.

Nicht verwunderlich, dass sich die Stimmung in der Branche zusehends verschlechtert. Das spiegelt sich auch in den Ergebnissen der bereits zum elften Mal durchgeführten Studie des Händlerbundes für das Geschäftsjahr 2024 wider, die jetzt kostenfrei auf dem HB Marketplace abrufbar ist:

▸ Jetzt kostenlos die HB-Jahresstudie herunterladen   

Schlechtere Stimmung, stagnierende Umsätze

Derart unzufrieden wie jetzt waren die Online-Anbieter im Erhebungszeitraum (seit 2015) noch nie: In Summe sind zwar mehr Händler grundsätzlich zufriedener als noch im letzten Jahr, jedoch brach der Anteil jener, die „sehr zufrieden“ sind, auf 6 Prozent ein – ein neuer Tiefstwert. Demgegenüber nahm der Anteil der sehr Unzufriedenen stark zu – dies trifft inzwischen auf ein Fünftel (21 Prozent) zu (Vorjahr: 15 Prozent).

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Auch bei der Umsatzentwicklung gibt es nur minimale Lichtblicke. So gingen die Umsätze im Vergleich zu 2023 im letzten Jahr immerhin nicht ganz so stark zurück. Es registriert aber dennoch jeder Zweite Umsatzeinbrüche. Bei knapp einem Fünftel der Teilnehmenden (19 Prozent) stagnierten die Erlöse – im Vorjahr war dies nur bei etwa einem Achtel der Fall. Gleichzeitig sind die Umsätze bei weniger Händler:innen gestiegen.

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Das schlechteste Weihnachtsgeschäft seit langem

Die schwachen Umsätze lassen sich unter anderem auf das maue vierte Quartal zurückführen. Das diesjährige Weihnachtsgeschäft frustrierte die Mehrheit der Händler: 59 Prozent der Befragten waren diesmal unzufrieden – im Vorjahr lag dieser Anteil noch bei 45 Prozent. „Einen so miesen Dezember habe ich noch nie erlebt“, sagte ein Studienteilnehmer. Hinzu kommt, dass auch die Retourenquote im Jahr 2024 leicht angestiegen ist.

So mancher zweifelt, ob man nach diesem Umsatzschwund das Geschäft weiterführen könne. Doch immerhin blicken 46 Prozent der Händler:innen mehr oder weniger optimistisch in die Zukunft (Vorjahr: 43 Prozent). Dennoch erwartet knapp ein Drittel von ihnen ein schwieriges Jahr 2025.

Rechtliche Vorgaben werden zur starken Belastung

Als größte Baustelle nehmen die Händler:innen die wirtschaftliche Lage wahr: Inflation und Kaufzurückhaltung der Kundschaft sind für fast zwei Drittel der Befragten (64 Prozent) herausfordernd – wenngleich es etwas weniger als im Vorjahr sind (75 Prozent). Um Kund:innen dennoch zu erreichen, gilt Online-Marketing ein höheres Interesse.

Das meiste Kopfzerbrechen bereiten Händler:innen mehr als zuvor rechtliche Vorgaben: Jeder Vierte empfindet die Rechtssicherheit im Allgemeinen als herausfordernd – allen voran gilt das für die Umsetzung der GPSR (43 Prozent). Im vergangenen Jahr waren rechtliche Bedenken nur bei knapp einem Viertel der Befragten ein Thema. Neu hinzugekommen ist die Herausforderung Barrierefreiheit, die immerhin 19 Prozent der Händler:innen beschäftigt. Ab dem 28. Juni gelten die Vorgaben des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes, das auch Online-Anbieter einschließt.

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Offenbar gibt es aber weniger Probleme mit Lieferungen: Über Lieferengpässe machen sich für 2025 nur noch 17 Prozent der Händler:innen Sorgen – im Vorjahr waren es noch 29 Prozent.

Studie kostenfrei verfügbar

Der Händlerbund stellt die Ergebnisse seiner Jahresstudie kostenfrei zur Verfügung. Die komplette Erhebung bietet durch individuelle Rückmeldungen von Händler:innen sowie Jahresvergleiche wertvolle Einblicke und Erkenntnisse für die Branche und die Stimmung, insbesondere kleiner und mittelständischer Online-Handelsunternehmen. Die Jahresstudie des Händlerbundes kann direkt über den HB Marketplace kostenfrei heruntergeladen werden.

▸ Zum kostenlosen Download

Veröffentlicht: 26.03.2025
img Letzte Aktualisierung: 26.03.2025
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Hanna Behn

Hanna Behn

Hanna widmet sich am liebsten den Themen E-Commerce-Trends, Leadership und Unternehmertum.

KOMMENTARE
6 Kommentare
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Sven
27.03.2025

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Meine Kritik daran ist, dass Kanzleien und Anwälte schon jetzt an Umsetzungen neuer Richtlinien kräftig verdienen (wollen). Ich handel mit Gebrauchwaren mit mehreren tausend Artikeln . Man kann dann stichpunktartik 5 Artikel prüfen lassen, natürlich kostenpflichtig. Was ich als nicht ausreichend empfinde. Sicherlich ist die Rechtslage wie immer undurchsichtig und nicht klar definiert, Rechtsanfragen werden mit Auszügen des Gesetzestextes der EU beantwortet, klare Aussagen was unter die neue GPSR Verordnung fällt, macht keiner, alles schwammig. Dann reden wir von Umweltschutz und Recycling, machen jedoch Gesetze die viele sich wieder sagen lassen, dann kommt es halt in den Müll, was soll ich alles recherchieren und möglicherweise noch als Hersteller, mit allen rechtlichen Konsequenzen, eintragen. Wie immer werden andere Ihren Profit draus ziehen, der kleine Händler wird es nicht sein.
S.K:
27.03.2025

Antworten

auch Ich werde im nächsten Jahr aufgeben. Habe ein Kleingewerbe um meine Rente ein wenig aufzubessern. Aber das was an Bürokratie und Kosten von uns abverlangt wird .... ist erschreckend ... und wer leidet darunter ? Natürlich nur die kleinen Online Händler die versuchen sich über Wasser zuhalten .... Ich kann nur sagen .... ARMES DEUSCHLAND ....
André
26.03.2025

Antworten

Vollkommen richtig, kein kleiner Onlinehändler schafft diese ganze Bürokratie verbunden mit den hohen Kosten noch zu bewältigen. ich bin jetzt auch seit 30 Jahren dabei und gebe es auf, es geht einfach nicht mehr, da bleibt nichts mehr hängen und auch von der Zeit her ist es nicht mehr zu bewältigen, dazu können sich die Kunden auf unsere Kosten in Deutschland alles erlauben und die Verluste deshalb sind einfach unerträglich. Alle die noch halbwegs bei klarem Verstand sind, sollten rebellieren und aufgeben, vielleicht sieht die Politik dann endlich was sie uns aufgebrummt haben. Aber deren Agenda ist es ja die Wirtschaft in Deutschland mit Gewalt gegen die Wand zu fahren und gegen anstatt für das Volk zu arbeiten.
Tom
26.03.2025

Antworten

Es gibt in D kaum noch Themen die sich positiv entwickeln. Wir sind in einer historischen Zeit - wir erleben wie eine Gesellschaft down geht. Aktuell wird seitens der Politik alles unternommen, die letzten Euros aus den Bürgern zu holen.
K.I
27.03.2025
Meinung: so sehen wir das auch!
Martina Berg
26.03.2025

Antworten

Ich bin Ende des Jahres nach über 30 Jahren Online-Handel auch raus. Die neue Verpackungsverordnung und das Entwaldungsgesetz sind dafür verantwortlich. Ich schmeisse hin. Selbst wenn ich dann Bürgergeld beantragen muß, diesen Bürokratie-Irrsinn werde ich als Online-Händlerin nicht mehr mitmachen. Aus die Maus!!!!! Ein Steuerzahler weniger!