Die Bemühungen der EU, den Import von Billigware aus China einzuschränken, gipfelten in einer 3-Euro-Paketabgabe, die seit Anfang Juli fällig wird. Seitdem fällt die neue Gebühr für Bestellungen aus Nicht-EU-Staaten im Wert von unter 150 Euro pauschal je Warengruppe an. Die Absicht der EU: mehr Chancengleichheit im europäischen Handel und ein fairerer Wettbewerb zwischen europäischen Händlern und Billiganbietern aus Fernost.
Plattformen könnten Lieferketten anpassen
Doch die Wirkung der 3-Euro-Paketabgabe dürfte größtenteils verpuffen – so zumindest die Erwartungen der DHL Group. Wie t3n berichtet, erwartet der Logistiker für den Luftfrachtstandort Leipzig/Halle „allenfalls kurzfristige Auswirkungen“. Die Erwartung sei, dass größere Online-Händler ihre Waren künftig gesammelt in die EU einführen werden, dort verzollen und dann innerhalb von Europa weiterverteilen. Derartige neue Logistikmodelle seien bereits zu beobachten, so die DHL Group weiter.
Auch der Flughafen Leipzig/Halle teilt diese Erwartungen. Kurzfristig rechne man mit einem Rückgang des Frachvolumens „im unteren bis mittleren zweistelligen Prozentbereich“, heißt es bei t3n. Mittelfristig rechne der Flughafen wie auch die DHL Group damit, dass die Lieferketten an die neuen Regelungen angepasst werden und die Ware einfach gesammelt in die EU importiert wird, um sie anschließend an die Kunden weiterzuschicken.
„Gleicht lediglich einen finanziellen Wettbewerbsnachteil aus“
Der Handelsverband Deutschland sieht in der 3-Euro-Paketabgabe ebenfalls nicht das Allheilmittel gegen die Konkurrenz aus Fernost. „Die Zollgebühr gleicht lediglich einen finanziellen Wettbewerbsnachteil aus, sie kann eine wirksame Marktüberwachung nicht ersetzen“, so der stellvertretende HDE-Hauptgeschäftsführer Stephan Tromp. Produkte, die gegen europäische Sicherheitsstandards, Verbraucher- und Umweltvorgaben verstoßen, werden durch die neue Abgabe nicht aus dem Verkehr gezogen.
Asiatische Plattformen wachsen stark
Asiatische Plattformen wie Temu oder Shein konnten ihren Marktanteil in der EU in den vergangenen Jahren immer weiter ausbauen. Nach Angaben des Europäischen Parlaments wurden im Jahr 2024 rund 4,6 Milliarden Sendungen mit einem Wert unter 150 Euro in die EU importiert. 91 Prozent dieser Sendungen stammen aus China und wurden vor allem über Temu und Shein bestellt, heißt es.
Im zweiten Quartal dieses Jahres hatten asiatische Shopping-Plattformen einen Marktanteil von 5,3 Prozent am deutschen Online-Handel. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht das einer Steigerung von 20 Prozent, berichtet Heise Online. Damit wachsen die asiatischen Plattformen stärker als der Gesamtmarkt, heißt es weiter.
Artikelbild: https://www.depositphotos.com
Michael Pohlgeers
Micha beobachtet politische Entwicklungen und Marktplatz-Dynamiken. Seine Themen: Teamführung, Plattformen und alles, was den Handel bewegt.
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