Zusammenarbeit mit Amazon & Co. für Otto wichtig
Als dritten und letzten Grundpfeiler für das Ziel von 17 Milliarden Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2022/23 nannte der Otto-Group-Vorstandsvorsitzende Investitionen in vielversprechende StartUps, deren Technologien beziehungsweise Mitarbeiter über die Investorengruppen E. Ventures sowie Project A zum Teil auch komplett akquiriert werden sollen. Birken betonte hier, dass die Zuschüsse oftmals unters Radar fallen würden, man jedoch stolz auf die gezielten Investitionen sei.
Damit einher geht auch die „Öffnung des Ökosystems“, wie es von Otto betitelt wurde. Hier wurden während der Pressekonferenz auch zum ersten und einzigen Mal andere große Unternehmen wie Amazon aber auch Google konkret genannt. Diese seien Birken zufolge eben nicht immer nur schlicht und einfach Konkurrenten, sondern eben auch potenzielle Kooperationspartner. Als Beispiel nannte er Amazon-Pakete, die von Hermes-Boten ausgetragen werden. „Kollaborationen sind der Schlüssel zum Erfolg“, so Birken.
Investitionen werden zwangsläufig exponentiell steigen
„Wir werden definitiv in eine Investitionsphase gehen“, kündigte Birken fokussiert an. Im letzten Jahr investierte die Otto Group insgesamt 382 Millionen Euro in den Multichannel-Einzelhandel, den Finanzdienstleistungen sowie den Service und erhöhte damit den Wert um 50 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. Um die hochgesteckten Ziele allesamt und hier insbesondere die Umwandlung zur Plattform erfolgreich zu erreichen, wird die Summe in den nächsten Jahren wohl noch weitaus höher ausfallen.

© Otto.de
Für Händler, die mit den Marktplätzen von Amazon und Ebay nicht zufrieden sind und dementsprechend eine Alternative suchen, dürfte der Wandel von Otto sehr gelegen kommen. Wie das genaue Geschäftsmodell dann ausfällt, wird wohl erst in den kommenden Jahren nach und nach deutlich. Doch fest steht: Otto.de ist ein dermaßen großer Name, sodass die Reichweite definitiv ein überzeugendes Argument für Händler ist. Wenn dann auch noch die Konditionen stimmen, dürften sich relativ schnell viele Shop-Betreiber für Otto.de als (weitere) Verkaufsplattform interessieren.
Auch die Frage, ob die Kunden wiederum diesen Wandel mitmachen werden und dementsprechend Produkte von externen Händlern abseits von Otto akzeptieren, ist extrem relevant, wenn nicht sogar die wichtigste überhaupt. Schließlich hat sich das Traditionsunternehmen im Laufe der Jahre seinen Ruf beziehungsweise Erfolg als hierzulande zweitumsatzstärkster Online-Shop unter anderem auch durch die Tatsache aufgebaut, dass sämtliche Produkte von Otto selbst stammen und damit ein gewisses Qualitätssiegel aufweisen. Wenn dieses Merkmal wegbricht, könnten auch die Kunden wegfallen.
2022: Die Otto-Gruppe als weltweiter Benchmark
Im persönlichen Gespräch mit Alexander Birken im Anschluss an die Bilanz-Konferenz meinte dieser: „Ich würde mich freuen, wenn wir uns in fünf Jahren treffen, und Sie sagen: ‚Die Art und Weise, wie sich die Otto-Gruppe intern vernetzt hat und wie sie nach außen kollaboriert: Das ist ein weltweiter Benchmark!“ Abseits von den prognostizierten und erhofften Umsatzzahlen will sich die Otto Group eben auch weiterhin als E-Commerce-Schwergewicht etablieren, das mit Innovationen und Technologien bei den Kunden punktet. Ob dies letztendlich auch gelingen wird? Spätestens in fünf Jahren wissen wir mehr.
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