Schluss mit der Kompetenzrangelei – die Bundesdigitalagentur
Dass es in Fragen zur Digitalisierung in Deutschland oft zu Kompetenzrangeleien kommt, welche durch parteipolitische Differenzen noch verschärft werden, ist kein Geheimnis. Derzeit sind für digitale Themen drei verschiedene Ministerien zuständig: Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz (BMJV) und das Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur (BMVI). Das Bundeswirtschaftsministerium besitzt im Vergleich zu den anderen Ministerien die umfassenderen Kompetenzen. So sind Themen wie der IT-Gipfel, Störerhaftung und Industrie 4.0 Minister Sigmar Gabriel unterstellt.
Im Gegenzug ist das BMVI unter Alexander Dobrindt für Fragen zur Schaffung von fairen Rahmen- und Grundbedingungen der Digitalisierung wie zum Beispiel den Breitbandausbau und Netzneutralität zuständig. Letztlich ist dann noch das BMJV für Themen wie Urheberrecht, Datenschutz und Kartellrecht federführend. Dass die Digitalisierung nicht nur vor diesen drei Ministerien halt macht, zeigt die Debatte um Arbeit 4.0 für flexiblere Arbeitsverhältnisse die derzeit das Bundesministerium für Arbeit und Soziales beschäftigt.
In Zukunft soll mit diesen Kompetenzüberschneidungen Schluss sein. Eine „Bundesdigitalagentur“ soll als unabhängiges Kompetenzzentrum des Bundes für Verbraucher, Unternehmen und der Berater der Bundesregierung funktionieren. Diese „Digitalagentur“ soll den Digitalisierungsprozess analysieren und beobachten, als „Think Tank“ bei der Politikvorbereitung die Bundesregierung unterstützen, als Kompetenzzentrum des Bundes Verbraucher und Unternehmen beraten und als Verbraucherschlichtungstelle agieren. Eine Agentur nach dem „One-Stop-Shop“-Prinzip, in der Unternehmen themenübergreifend über alle Aspekte der Digitalisierung informiert und beraten werden, ist längt überfällig. Begrüßenswert wäre es auch, eine Stelle innerhalb der Bundesregierung zu schaffen, die federführend für all diese Themen verantwortlich ist. Zukünftig könnte sich diese Stelle eng mit dem Bundestag-Ausschuss „Digitale Agenda“ abstimmen.
Flankiert werden sollen diese Maßnahmen durch ein „Haus der Digitalisierung“ in Berlin, welches als Showroom und Treffpunkt für die KMU Branche entstehen soll.
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