1. Retouren quer durch Europa unterwegs
2. Lange Transportwege – wie ist das möglich?
3. Hohe Retourenquote und Wiederverkaufsraten in der Modebranche üblich
4. Rund 800 Zalando-Händler organisieren Retouren selbst
5. Händler-Retouren sind nur teilweise in CO₂-Kompensation einkalkuliert
6. Zalando dementiert Täuschung der Kundschaft
Die Diskussionen über die Retourenpraxis vor allem im Online-Modehandel sind nicht neu, nicht zuletzt deshalb wurden im vergangenen Jahr Obhutspflichten für Händler im Kreislaufwirtschaftsgesetz festgeschrieben. Zalando sieht sich diesbezüglich allerdings aktuell mit einem Vorwurf von Greenwashing und Verbrauchertäuschung konfrontiert. Das Unternehmen soll sich ein grüneres Image gegeben haben, als es in Prozessen und Aktivitäten tatsächlich gelebt werde. Dies geht aus einer umfassenden Untersuchung des Investigativ-Formats Vollbild vom SWR, der Zeit sowie der Recherche-Plattform Flip hervor.
Zalando gilt mit etwa 50 Millionen Kundinnen und Kunden als größter Online-Modehändler in Europa, 2021 gingen etwa 250 Millionen Bestellungen ein. Bestellte Artikel können kostenlos wieder zurückgesendet werden – das gehöre, wie auch bei vielen anderen E-Commerce-Anbietern, vom ersten Tag an zum Service. Dieses Angebot wird wahrgenommen: Die Hälfte der online georderten Kleidungsstücke wird retourniert.
Fraglich sei nun der Umgang mit derlei Rücksendungen: So heißt es auf einer Informationsseite der Shopping-Plattform: „97 Prozent dieser retournierten Modeartikel werden nach entsprechender Prüfung sowie sorgfältiger Aufarbeitung wieder über den Zalando Shop verkauft.“ Der Weiterverkauf erfolge auch in der Zalando Lounge und in Outlets, ebenso seien Spenden von Restposten an Organisationen üblich. Nur ein sehr geringer Teil (0,05 Prozent) müsse aus gesundheitlichen Gründen vernichtet werden. Seit über drei Jahren verfolgt das Unternehmen zudem die Vision, „eine nachhaltige Mode-Plattform mit einer netto-positiven Auswirkung auf Mensch und Erde“ zu werden. Wunsch und Wirklichkeit gehen scheinbar auseinander: Die online bestellte und anschließend retournierte Waren würde – anders als behauptet – nicht nachhaltig abgewickelt, teils lange Wege zurücklegen bzw. nicht in der angegebenen Menge wieder im Online-Shop weiterverkauft, so die Ergebnisse der Investigativjournalistinnen und -journalisten.
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...und daran hat Zalando mit seiner Einführungskamp agne "Schrei vor Glück oder schick's zurück!" einen erhwblichen Anteil.
Kein Wunder, dass das Unternehmen fast zehn Jahre lang keinen Cent Gewinn machen konnte, sondern erst jetzt mit zunehmender Marktmacht, die Verluste der Anfangsjahre kompensieren kann.
Und bereits bei geringster Störung des Wachstums - wie kürzlich in der Folge von Corona - scheint das fragile Geschäftsmodell insgesamt so stark auf Kante genäht zu sein, dass direkt Massenentlassun gen folgen müssen, um den Laden am Laufen zu halten.
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