Nur eine gute Idee zu haben, reicht oft nicht aus, um ein erfolgreiches Business aufzubauen. Wollen Gründer mit ihrem Geschäft erfolgreich sein, müssen nicht nur die rechtlichen und finanziellen Aspekte geklärt werden, auch die persönliche Einstellung muss stimmen. Unternehmern den Start in die Selbstständigkeit zu erleichtern, hat sich Dr. Kerstin Gernig zum Beruf gemacht. Wir haben mit ihr über ihre Tätigkeit als StartUp-Coach, die Herausforderungen für Gründer und den passenden Zeitpunkt für eine Selbstständigkeit gesprochen.
Wie sind Sie zu dem Beruf „StartUp-Coach“ gekommen?
Ich habe mich nach Etappen als Hochschuldozentin und Geschäftsführerin in einem Wirtschaftsverband mit Ende 40 selbstständig gemacht und gleich eine Fehlerfindung hingelegt. Nachdem ich mein sicheres Gehalt aufgegeben, meinen Dienstwagen abgegeben und meine Visitenkarte zurückgegeben hatte, wollte ich schnell am Markt sichtbar werden und habe eine Agentur für Kommunikationsgestaltung gegründet. Es schien mir naheliegend, das weiterzumachen, was ich gut kann. Am Ende eines Jahres merkte ich aber, dass mir die Begeisterung fehlte. Da hatte ich schon eine Menge Geld in den Aufbau meines Unternehmens investiert: Website, Flyer, Visitenkarten, Briefpapier, Messestand ... Dann habe ich mich mit Stift und Papier hingesetzt und gefragt, was ich wirklich machen möchte. Rasch wurde mir klar, dass ich meine Berufs- und Lebenserfahrungen aus Wissenschaft & Wirtschaft, In- & Ausland, als Geschäftsführerin & Entrepreneurin weitergeben will.
Und da man als Coach und Berater gar nicht genug Erfahrungen haben kann, habe ich eine Ausbildung als Team- und Business-Coach gemacht und mich parallel auf die Suche nach ungewöhnlichen Unternehmern gemacht, die genau wie ich gewagt haben, in der Lebensmitte ihre Stelle zu kündigen, um sich selbstständig zu machen. So kam es, dass ich heute als StartUp-Coach mit Menschen in der Lebensmitte arbeite, die sich selbstständig machen oder als Selbstständige erfolgreicher werden wollen. Da es beim Gründen extrem wichtig ist, sich zu positionieren, ist die Arbeit mit ungewöhnlichen Unternehmern meine Nische. Ich habe eine digitale Affinität und bin als Übersetzerin zwischen den „digital natives“ und den „digital immigrants“ unterwegs. Denn wir leben in der besten aller möglichen Zeiten, um sich erfolgreich selbstständig zu machen, vorausgesetzt die Chancen der Digitalisierung für die Sichtbarkeit am Markt werden genutzt.
Worauf kommt es beim Gründen Ihrer Meinung nach am meisten an?
Entscheidend ist, eine Geschäftsidee zu entwickeln, die zur Gründerpersönlichkeit passt: den eigenen Werten, Neigungen, Fähigkeiten, Stärken und Potenzialen. Wenn die Geschäftsidee steht, muss eine Umsetzungsstrategie entwickelt werden. Erfolg ist kein Zufall, Erfolg folgt Erfolgsstrategien. Eine der wichtigsten Erfolgsstrategien der Unternehmer, die ich in meinem Buch „Werde, was du kannst! Wie man ein ungewöhnlicher Unternehmer wird“ porträtiert habe, ist das Durchhaltevermögen. Der Weg zum Erfolg ist kein Lift, sondern eine Treppe. Und wie bei einer Treppe kommt es darauf an, dass man die Stufen nacheinander geht. Das faszinierende an dieser Treppe ist, dass sie unendlich ist, da man als UnternehmerIn immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt wird und täglich Neues dazu lernt.
Was sind Ihrer Meinung nach die größten Hürden, mit denen sich Gründer heutzutage auseinandersetzen müssen?
Es gibt innere und äußere Hürden. Die größte innere Hürde ist das eigene Glaubensmuster. Ich erlebe im Coaching immer wieder, dass intelligente Menschen mit viel Berufserfahrung an Selbstzweifeln leiden. Der erste Mensch aber, der an die Gründungsidee glauben muss, ist der Gründer selbst. Wie will jemand einen Business Angel bei einem Pitch überzeugen, wenn er selbst voller Zweifel ist?! Das Gute ist, dass man die Ursachen der Selbstzweifel im Coaching aufdecken und überwinden kann. Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen lassen sich stärken.
Die größte externe Hürde ist, dass wir nur in ausgewählten Hotspots in einem gründerfreundlichen Klima leben. Was ein Gründer bei einer außergewöhnlichen Idee meist hört, ist: „Ja, aber…“. Es fehlt ein wertschätzendes, kooperatives Umfeld, in dem es ausschließlich um die Frage geht, „wie“ man eine Geschäftsidee erfolgreich umsetzt. Deshalb rate ich Gründern, sich keine Ratschläge von Angestellten zu holen, sondern sich ein Netzwerk von Gleichgesinnten aufzubauen, die da sind, wo sie selbst hinwollen. Deshalb leite ich Erfolgsteams, um UnternehmerInnen gemeinsam wachsen zu lassen.

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