Ständige Vergleichbarkeit erzeugt psychischen Druck
Jedoch: Genau in dieser Vergleichbarkeit liegt auch ein nicht zu unterschätzendes Problem. Das veranschaulicht ganz gut eine ganz besondere Aktion auf Instagram: So stellten Marketing-Experten in das Profil @world_record_egg anonym ein Foto von einem Hühnerei, versehen mit einem Aufruf, dass es der meistgelikte Post werden soll. Das klappte: 53,3 Millionen mal wurde auf die Herzchen unter dem Beitrag geklickt – der erfolgreichste Social-Media-Post aller Zeiten. Und es ging nur darum, besser zu sein, denn neben dem unspektakulären Eierfopto stand auch der Aufruf, mehr Likes als das aktuelle Bild von Kylie Jenner (18 Millionen) zu erhalten. Das wussten wohl auch die Account-Betreiber: In regelmäßigen Abständen gab es auf dem Profil Fotos, in dem das Ei Risse bekam. Dann nutzen Sie die mediale Aufmerksamkeit rund um den Superbowl und stellten ein Video ein, in dem das Ei zerbricht – unter all dem Druck des sozialen Netzwerks. Im Nachgang erzählten sie, dass das Ei ein Symbol für die mentale Gesundheit darstellen soll.

Das illustriert sehr eindrucksvoll, wie kritisch das soziale Netzwerk in Bezug auf die Gesunderhaltung der eigenen Psyche zu sehen ist. Ständiges Vergleichen führt auch dazu, sich stets in Frage zu stellen. Und im nächsten Schritt zur ständigen Selbstoptimierung – noch besser, schöner, mehr! Außerdem verzerren die Like-Angaben auch die Relevanz der Inhalte. Was ist schon das besondere an einem Ei? Das sehen viele Menschen morgens am Frühstückstisch. Spannend daran war nur noch, die meisten Klicks zu bekommen. Der Wettkampf.
Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Denn zugegeben, wir freuen uns alle ein bisschen, wenn das, was wir zu sagen oder zu zeigen haben, die nötige Aufmerksamkeit bekommt. Und allein die Tatsache, dass dies anderen Leuten gefällt oder überhaupt zu einer Reaktion bzw. Interaktion auslösen könnte, führt dazu, Inhalte überhaupt auf diese Weise mit anderen zu teilen.
Wenn Instagram also gänzlich ohne Like-Angaben wohl nicht dasselbe wäre, so ist es aber zumindest zu begrüßen, wenn das Unternehmen die mentale Gesundheit seiner User im Blick behält. Denn wer sich ständig vergleicht, verliert die Fähigkeit zur Selbstliebe – und das wäre schade. Jeder von uns ist interessant, gut oder großartig – und zwar ohne, dass andere uns das ständig sagen.
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