Chinas steigende Macht müsste in den vergangenen Jahren eigentlich jedem interessierten Bürger klar geworden sein: Oft genug wurde in den Medien und auf diversen Magazin-Covern etwa die „Geburt einer neuen Weltmacht“ abgefeiert. Und spätestens als Deutschland den sinnstiftenden Titel des Export-Weltmeisters verlor, war jedem klar: China, da passiert was Großes, vielleicht sogar Bedrohliches.
Meine persönliche Erfahrung mit der neuen Supermacht beschränkte sich lange Jahre auf putzige Mitbringsel aus verschiedenen Chinatowns und eine Zwischenlandung in Beijing. Die hat mich dann aber aus dem medialen Hype des Höhenflugs des mächtigen chinesischen Drachens doch etwas zurückgeworfen. An der Flughafen-Info wollte ich etwas wissen, auf Englisch. Der überforderte Mitarbeiter blieb stumm. In der Stadt machten viele Chinesen aus Hilflosigkeit eine prompte Kehrtwende, wenn man sie auf Englisch ansprach. Und das ist die neue internationale Supermacht?
Natürlich war der Eindruck verzerrt: Die persönliche Erfahrung kann nie Grundlage einer Verallgemeinerung sein. Und wirtschaftliche Kennwerte und individuelle Lebenslagen sind etwas Unterschiedliches – gerade in einem Land mit knapp 1,4 Milliarden Menschen. Denn in Wirklichkeit fliegt der chinesische Drache immer höher – jüngst sogar auf die dunkle Seite des Mondes, wie die erfolgreiche chinesische Raumfahrt-Mission zeigt, die dort als erstes eine Landung geschafft hat.
Kommentar schreiben