Apple Newton
Kaum zu glauben, aber auch Apple produzierte einige Flops während seiner langen Firmengeschichte. Obwohl sich Apple Newton als Ladenhüter erwies, weiß man heute, dass das Unternehmen mit seiner Idee der damaligen Zeit einfach einen Schritt voraus war. 1993 stellte das Unternehmen seinen PDA (Personal Digital Assistant) mit dem Namen Apple Newton vor. Das Gerät sollte Adressbuch, Organizer und Kommunikationsgerät sein, 250 Kontakte und 500 Termine verwalten und sich sogar mit anderen PDAs verbinden können. Besonders innovativ war damals der Eingabestift, mit dem sich das Gerät bedienen ließ. Diese Technik hatte natürlich auch ihren Preis: Für stolze 700 Dollar wurde der Apple Newton in den USA verkauft, in Deutschland konnte man den Organizer für damals 1.400 Mark erwerben.
Mit dem PDA wollte Apple das „digitale Zeitalter definieren“, wie es der damalige CEO John Sculley betonte. Allerdings machte dem Unternehmen die widerspenstige Technik einen Strich durch die Rechnung. Besonders die schlechte Schrifterkennung des Gerätes sorgte bei den Nutzern für Unmut. Was als Organizer dienen und das klassische Stück Papier ersetzen sollte, entwickelte sich schnell zum Flop für das Unternehmen. Mit 400 Gramm war das Gerät auch nicht besonders handlich, sodass es sich zum Ladenhüter entwickelte. Die Probleme mit der Schrifterkennung wurden sogar in einer Folge von den Simpsons durch den Kakao gezogen.
Obwohl sich Apple diesem Problem annahm und in den nachfolgenden Versionen mit deutlich besserer Technik aufwarten konnte, fand das Newton nie so richtig Zuspruch bei den Kunden. Fünf Jahre später kam dann das Ende für den Personal Digital Assistant. Der Konzern hat aus seinen Fehlern allerdings gelernt und, wie man heute weiß, mit seinem iPhone den Markt der smarten kleinen Organizer revolutioniert.
Karl Klammer
Wer in den 90er Jahren aufgewachsen ist und einen Computer besaß, wird sich an Karl Klammer – im Original Clippit – mit einem Mix aus Nostalgie und Ärger erinnern. Der kleine virtuelle Assistent von Microsoft Office geisterte durch sämtliche Dokumente von Word, Excel, PowerPoint und Outlook und ploppte immer wieder ungefragt auf. Was am Anfang vielleicht noch ganz nett erschien, entwickelte sich schnell zum nervenaufreibenden Katz-und-Maus-Spiel zwischen Aufploppen und Wegklicken. Microsoft integrierte Clippit, in den USA umgangssprachlich Clippy genannt, im Jahr 1997, um seinen Anwendern die Nutzung der Programme zu vereinfachen. Die gut gemeinte Geste mit der redseligen Klammer wurde anfangs zwar noch als süß empfunden, von wenigen manchmal sogar als hilfreich, doch Karl meinte es mit seiner Hilfsbereitschaft einfach zu gut. Gab man beispielsweise als eines der ersten Worte „Liebe“ ein, meldete sich Karl Klammer sofort mit seiner Floskel „Anscheinend möchten Sie einen Brief schreiben. Brauchen Sie Hilfe?“.
Eines der größten Probleme mit dem virtuellen Assistenten war, neben seiner Beharrlichkeit, dass man bei echten Schwierigkeiten kaum auf dessen Hilfe zurückgreifen konnte. Die Benutzung war einfach zu hölzern und die angebotenen Hilfeseiten zu ungenau und wenig lehrreich. 2007 zeigte sich Microsoft einsichtig und schickte das hüpfende Helferlein in den Ruhestand. Und auch wenn sich Karl Klammer finanziell nicht negativ für den US-Konzern auswirkte, sind ihm doch die Geduldsfäden so mancher Nutzer zum Opfer gefallen. In Frieden ruhen konnte Karl aber dennoch nicht. Nachdem sich die Klammer mit dem Helfersyndrom aus den Windows-Programmen verabschiedet hat, musste sie in zahlreichen Comics und Videos noch so einige Tode sterben. Sogar in einem erotischen E-Book mit Namen „Conquered by Clippy“ (zu Deutsch: „Erobert von Karl Klammer") spielte der arme Kerl die Hauptfigur. Wer die kleine Klammer allerdings vermisst, kann sich das Chrome-Add-on „Clippy Everywhere“ herunterladen. Wirkliche Funktionen hat es nicht, gibt dem Browser aber eine schöne Retro-Optik.
iTunes und das kostenlose U2-Album
Mit dieser Aktion haben sich gleich zwei große Namen ziemlich blamiert. Als Apple 2014 das neue iPhone 6 und 6 Plus vorstellte, tat man sich mit der irischen Band U2 zusammen. Bono und Co. traten nicht nur beim Event auf und gaben Lieder ihres neuen Albums „Songs of Innocence“ wieder, sondern alle iTunes-Nutzer erhielten das Album zusätzlich auch in ihrer Bibliothek – kostenlos und ob man wollte oder nicht. Was diese Aktion für die Relevanz von U2 und dessen Musik aussagt, sei einfach mal dahingestellt, aber Apple hatte mit dem vermeintlichen Coup noch viel größere Probleme. Eine Vielzahl der iTunes-Nutzer beschwerten sich nämlich über das unfreiwillige Geschenk und wollten nur eines wissen „Wie bekomme ich das Album wieder gelöscht?“. Da lag das Problem an der ganzen Sache, denn die Löschung war alles andere als einfach. Peinlich für U2, denn manche hielten die Songs sogar für einen Virus.
Den Missmut vieler der rund 500 Millionen iTunes-Nutzer zog sich Apple vor allem deswegen zu, weil das unerwünschte Album einen nicht geringen Teil des Speicherplatzes ihrer Bibliothek in Beschlag nahm. Nachdem sich im Internet unzählige Artikel zum Thema „So löschen Sie das kostenlose U2-Album“ tummelten, hatte Apple Erbarmen und baute einen Button ein, der die Lieder mit nur einem Klick in den digitalen Papierkorb beförderte. Dennoch kamen sowohl Apple als auch U2 nicht ganz ungeschoren aus der ganzen Sache heraus. So sah sich die irische Band einem Imageschaden und erheblich viel Hohn und Spott ausgesetzt. Letztendlich musste sogar Frontmann Bono die ganze Aktion als missglückt eingestehen und entschuldigte sich bei allen iTunes-Nutzern. In einem auf Facebook geposteten Video sprach der 57-Jährige von einem Mix aus „Größenwahn“, „Großzügigkeit“ und „Eigen-PR“, die zu der misslungenen Marketing-Aktion geführt haben. Apple kam die ganze Aktion aber noch deutlich teurer zu stehen, denn angeblich soll der Technik-Konzern rund 100 Millionen Dollar für den PR-Coup mit der Musikband auf den Tisch gelegt haben.
Microsoft Windows Vista
Mit dem Betriebssystem Vista hat sich Microsoft wahrlich keine Freunde gemacht. Nachdem der Konzern ganze fünf Jahre an dem neuen System gebastelt hatte, konnte man dennoch nicht an die Erfolge von Windows XP anknüpfen. Ganz im Gegenteil entwickelte sich das Betriebssystem zu einem der größten Flops in der Geschichte von Microsoft. Hauptproblem war, dass die 2007 veröffentlichte Version schlichtweg zu viele Fehler aufwies. Besonders die vielen Kompatibilitäts- und Leistungsprobleme ließen selbst die größten Fans des amerikanischen Herstellers rebellieren. Zum einen war Windows Vista mit älterer Software inkompatibel, was vielen Nutzern sauer aufstieß. Zusätzlich war das neue Betriebssystem schlichtweg zu überladen. Zwar wurde es mit vielen neuen Funktionen ausgestattet, was sich aber letztendlich negativ auf die Schnelligkeit des Systems auswirkte. Kunden stellten sich deswegen vielfach die Frage, warum man sich einen neuen PC kaufen sollte, der sogar langsamer als der alte sei.
Dass sich Windows Vista zum Flop entwickelte, lag aber nicht nur an Microsoft selbst, sondern ist auch dem aggressiven Auftritt des Mitbewerbers Apple zu verdanken. Zwischen 2006 und 2009 produzierte Apple die legendäre „Get a Mac“-Kampagne, die aus 66 kleinen Werbespots bestand. In den Werbefilmen, welche immer nach dem gleichen Schema abliefen - „Hey, I’m a Mac – and I’m a PC“ - stellten die beiden Akteure Justin Long und John Hodgman jeweils einen Mac und einen PC dar. Während der gesamten Kampagne wurden die Fehler eines PCs, und natürlich auch die von Windows Vista im Speziellen, auf witzige Art und Weise vorgeführt. Der Grundtenor war damals, dass Mac jung, hipp und viele verbesserte Funktionen hat und ein PC wiederum alt, fad und sehr fehleranfällig ist.
Zehn Jahre nach der Markteinführung war dann der Anfang vom Ende besiegelt: Im April 2017 wurde vom Konzern bekannt gegeben, den Support einzustellen und keine weiteren Sicherheits-Updates mehr durchzuführen.
Amazon Auctions
Jeff Bezos, Amazon-Gründer und ehemaliger CEO, hat seit jeher seine Firma nach der Devise „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“ durch die Sphären des E-Commerce geleitet. Als Amazon 1994 gegründet wurde, war die Idee noch, einen digitalen Buchladen zu schaffen. Inzwischen hat sich das Unternehmen zu einem der größten Online-Shops der Welt gemausert und verzeichnet pro Jahr Umsätze in dreistelliger Milliardenhöhe. Doch dass auch der Online-Riese nicht ohne Fehlschläge ausgekommen ist, dürfte hinreichend bekannt sein und wurde bereits am Anfang des Artikels deutlich. Neben dem bereits angesprochenen Amazon Fire Phone hat sich der US-Konzern noch an vielen weiteren Projekten versucht und ist teils kläglich gescheitert. Dazu zählen unter anderem die Mietshop-Lösung Amazon Webstore, das Reisebuchungsportal Amazon Destinations und die Payment-Lösung WebPay, um nur ein paar zu nennen.
Zu diesen Flops gehört aber auch Amazon Auctions. Mit dem 1999 gelaunchten Dienst versuchte man, den großen Konkurrenten Ebay auszuschalten und den Kunden eine Alternative zum sonst so starren Preismodell des Online-Shops zu geben. In nur drei Monaten ging der neue Dienst live und sollte den Kunden die Möglichkeit zu Preisverhandlungen geben. Obwohl das Feature nach eigenen Angaben besser und mit mehr Funktionen ausgestattet war als Ebay, wollte sich kein Erfolg einstellen. Die User konnten sich für das Prinzip der Preisverhandlungen nicht wirklich erwärmen, die Plattform fand keinen Zulauf. Kurze Zeit später legte man Amazon Auctions zu den Akten. Doch dieser Fehlschlag sollte sich später zu einem der größten Erfolge von Amazon entwickeln. Zusammen mit dem ebenfalls gefloppten Projekt Amazon zShops wurde der Amazon Marketplace entwickelt, der heute für einen Großteil aller Verkäufe auf der Plattform verantwortlich ist.
Ebay-Start in China
2004 wagte sich Ebay auf den chinesischen Markt und ging bei dem Versuch gnadenlos baden. Dieser Fall war in der E-Commerce-Welt so bedeutend, dass zwei Studenten der Stanford Graduate School of Business diesen sogar in einer Fallstudie genauer analysierten. Doch was lief verkehrt? Zehn Jahre nach der Gründung von Ebay konnte sich der Marktplatz in vielen Ländern rund um den Globus etablieren und Gewinne einfahren. Für das Jahr 2004 hatte sich der US-Konzern also China vorgenommen. Die Idee war gut, die Umsetzung schlecht. Einer der größten Fehler, den sich Ebay beim Gang auf den chinesischen Markt erlaubt hatte, war, sich zu wenig mit den Bedürfnissen der Kunden auseinanderzusetzen. Nicht nur schickte man einen deutschen und einen amerikanischen Manager ohne Sprachkenntnisse nach China, um die Geschicke vor Ort zu leiten, man beschäftigte sich auch kaum mit dem Nutzerverhalten der chinesischen User. So schaltete man hauptsächlich Online-Werbung, um Nutzer auf die eigene Website aufmerksam zu machen. Viele kleine und mittelständische Unternehmen nutzten zu dieser Zeit aber noch nicht oder nur sehr vereinzelt das Internet. Ebay half es auch nicht, dass man sich die Website Eachnet, Chinas größtes Online-Auktionshaus zu dieser Zeit, sicherte.
Von Ebays Missgeschicken konnte die chinesische Website Taobao profitieren. Die Alibaba Group, Gründer des Marktplatzes, kannte sich mit den Gegebenheiten in China aus und wusste, wie die dortigen Händler anzusprechen waren. So schaltete man hauptsächlich Werbung im Fernsehen, da man von der Problematik wusste, dass sich kleinere Händler Anfang der 2000er Jahre nur selten im Internet bewegten. Damit erreichte man einen Großteil der Kunden, die Ebay durch ihre Werbekampagne verwehrt blieben. Zusätzlich zog man mit dem eigenen Namen Taobao, was übersetzt so viel wie „nach dem Schatz suchen“ bedeutet, die Aufmerksamkeit auf sich. Nach nur kurzer Zeit konnte man sich die Marktführerschaft in China sichern.
Während sich Ebay 2006 aus China zurückzog, stieg die Popularität von Taobao unaufhörlich an und die Plattform soll mittlerweile mehr als 500 Millionen Nutzer vorweisen können.
Google Glasses
Eine Liste der größten Flops im E-Commerce ist natürlich nicht komplett, ohne nicht auch eine der bekanntesten Websites weltweit zu nennen: Google. Auch die Suchmaschine hat Misserfolge erlitten. Eine der bekanntesten Fehlschläge, weil auch vorher groß angekündigt und gehypt, waren die Google Glasses. Ein kleiner tragbarer Minicomputer, der in Form einer Brille daherkam und seinem Träger sämtliche Informationen an jedem beliebigen Ort sofort „vor Augen führen“ sollte. Obwohl die Idee nicht so schlecht war, ließ die Umsetzung zu wünschen übrig. Die Google Glasses hatten schon einen holprigen Beginn, als man den offiziellen Marktstart mehrmals verschieben musste. Im April 2014 ging man im Rahmen eines Betaprogrammes dann schließlich in den Online-Verkauf und für schlappe 1.500 US-Dollar konnten ausgewählte Journalisten und Technik-Experten das neue Produkt erwerben. In den offiziellen Handel hat es die Brille allerdings nie geschafft.
Noch vor Marktbeginn wurden kritische Stimmen laut, wie sich das Tragen eines solchen Produktes auf die Gesundheit auswirken würde. Die Begeisterung hielt sich dementsprechend in Grenzen, eine Brille, die permanent krebserregende Strahlung aussendet, so nah am Kopf und der Haut zu tragen. Einer der größten Kritikpunkte betraf außerdem den Datenschutz und die Privatsphäre. Da man mit Google Glasses zu jeder Zeit Bilder oder Videos machen konnte, hätte jeder potenzielle Träger einer solchen Brille sein gesamtes Umfeld unbemerkt filmen können. Eine Vorstellung, die gar nicht gut ankam. Diese Tatsache führte auch dazu, dass die Google Glasses in einigen Kinos und sogar Casinos verboten wurden, um das heimliche Mitschneiden zu unterbinden.
Ein weiterer Grund, warum Google mit seinem Produkt gnadenlos floppte, war dessen Aussehen. Die optische Komponente spielt bei einem Gerät, welches man bestenfalls den ganzen Tag in aller Öffentlichkeit tragen würde, eine wichtige Rolle. Viele Nutzer allerdings kritisierten, dass die Google Glasses unschön und vor allem unfertig aussahen, sodass das Vorurteil bestand, die verkauften Brillen seien noch Prototypen. Einer der entscheidendsten Gründe, warum Google mit seinem Produkt keinen Erfolg hatte, war die Tatsache, dass es einfach keinen Mehrwert bot. Sich die teuren Google Glasses zu kaufen, hatte für Konsumenten keinen entscheidenden Vorteil, warum also sollte man 1.500 US-Dollar dafür ausgeben?
Alle diese Fehlschläge resultierten schließlich darin, dass man im Januar 2015 den Verkauf von Google Glasses gänzlich einstellte.
So wird das Produkt nicht zum Flop
Wie die oben aufgeführten Beispiele zeigen, können Produkte aus ganz unterschiedlichen Gründen scheitern. Mal ist die Technik nicht ausgereift, das Gerät ist seiner Zeit voraus oder die Bedürfnisse der Zielgruppe wurden nicht mit in die Entwicklung einbezogen. Zwar gibt es nie eine Garantie, ob es ein Produkt wirklich schafft, erfolgreich zu werden oder nicht, allerdings erhöht man mit ein paar Kriterien dessen Wettbewerbsfähigkeit.
Beispielsweise sollte das Produkt für den potenziellen Kunden einen ersichtlichen Mehrwert bieten, indem es ein bestehendes Problem löst oder die Leidenschaft des Konsumenten anspricht. Macht mich eine Tätigkeit besonders glücklich, dann bin ich auch bereit, dafür etwas mehr Geld auszugeben. Auch sollten sich Händler nicht vor kleinen Nischenmärkten scheuen. Spricht ein Produkt nur einen kleinen Kundenkreis und nicht die breite Masse an, muss das nicht unbedingt etwas Schlechtes sein. So lassen sich in diesem Bereich ganz gezielt die Kunden ansprechen und in den meisten Fällen muss man nicht mit den Global Playern der Branche konkurrieren.
Wie die Beispiele aber auch zeigen, sollte man sich von einem kleinen Rückschlag nicht unterkriegen lassen und getreu dem Motto „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“ einfach weitermachen.
Artikelbild: http://www.depositphotos.com
Kommentar schreiben