Deutsche Unternehmen stecken in einer finanziellen Zwickmühle: Während Kundinnen und Kunden Rechnungen immer später begleichen, bedienen heimische Betriebe ihre eigenen Lieferantenverbindlichkeiten vergleichsweise zügig. Auch das Hamstern ist wieder in Mode. Eine aktuelle Untersuchung des Kreditversicherers Allianz Trade zeigt, dass sich diese Entwicklung im Jahr 2026 weiter verschärft.
Zwischen langen Zahlungszielen und prallen Regalen
In der Wirtschaft setzt sich ein klarer Trend durch: Sicherheit geht vor Schnelligkeit. Statt Waren knapp nachzubestellen, decken sich viele Betriebe aus Sorge vor unterbrochenen Lieferketten reichlich ein. Wie der Kreditversicherer Allianz Trade in seiner aktuellen Untersuchung mitteilt, schützt diese Absicherung zwar vor spontanen Lieferengpässen, verlangt dem Handel jedoch einen hohen Preis ab. Das im Lager gebundene Kapital fehlt an anderer Stelle, etwa bei notwendigen Investitionen in Marketing oder IT-Infrastruktur. Global dauert es im Schnitt 67 Tage, bis investiertes Geld wieder als Erlös auf dem Bankkonto landet.
In Deutschland sieht die Lage noch angespannter aus. Hier verstreichen durchschnittlich 79 Tage, bevor Ausgaben wieder eingespielt sind. Das sind gut zwei Wochen mehr als im westeuropäischen Durchschnitt. Besonders betroffen von dieser Entwicklung sind die Branchen Elektronik, Telekommunikation sowie Papier und Pharma.
Die Zangenbewegung: Schnell zahlen, spät kassieren
Zu den vollen Lagern kommt ein zweites Problem: Die Zahlungsmoral verschlechtert sich. Kundinnen und Kunden lassen sich hierzulande im Schnitt 55 Tage Zeit mit dem Ausgleich offener Rechnungen. Gleichzeitig überweisen deutsche Betriebe das Geld an ihre eigenen Lieferanten schon nach 35 Tagen und damit rund zwei Wochen schneller als der Rest Westeuropas.
Für das laufende Jahr 2026 rechnet Allianz Trade mit einer weiteren Verschärfung der Lage. Die Dauer des Kapitalumschlags könnte hierzulande auf bis zu 83 Tage klettern. Geopolitische Spannungen und das Streben nach verlässlichen Nachschubwegen halten den Drang zur Sicherheitslagerung weiterhin hoch.
Artikelbild: http://www.depositphotos.com
Yvonne Bachmann
Yvonne bringt juristische Klarheit in komplexe Fragen – zu Abmahnungen, EU-Recht, Wettbewerbsregeln und Urheberrechtsfragen.
Kommentar schreiben