Support & Hilfe
Newsletter Bei uns werben

Was unbezahlte Rechnungen wirklich kosten

Veröffentlicht: 28.08.2026
imgAktualisierung: 28.08.2026
Geschrieben von: Gastautor
Lesezeit: ca. 3 Min.
28.08.2026
img 28.08.2026
ca. 3 Min.
Rechnungslegung
monkeybusiness / Depositphotos.com
Zahlungsverzug bindet nicht nur Geld, sondern Arbeitszeit. Eine einfache Rechnung zeigt, warum endloses Nachfassen die Marge auffrisst.


Die Rechnung ist gestellt, die Ware geliefert, doch das Geld fehlt. Für viele Online-Händler beginnt jetzt eine unsichtbare Kostenkette. Jemand prüft den Zahlungseingang, schreibt eine Erinnerung, sucht den Lieferschein, telefoniert hinterher und dokumentiert jede Rückmeldung. Jede einzelne Aufgabe wirkt klein. Zusammen wird daraus ein wiederkehrender Aufwand, der sich selten in der Kalkulation findet.

Zehn Stunden pro Woche sind schnell erreicht

Der EU Payment Observatory Report 2025 beziffert den durchschnittlichen Zeitaufwand europäischer Unternehmen für das Nachverfolgen verspäteter Zahlungen auf 9,85 Stunden pro Woche. Das entspricht mehr als einem Arbeitstag. Wer diese Arbeit selbst übernimmt, fehlt in Verkauf, Einkauf oder Kundenservice. Wer sie delegiert, trägt die Kosten über die Arbeitszeit des Teams.

Zusätzliche Bearbeitungszeit trifft im Online-Handel auf ohnehin belastete Teams. In der Händlerbund-Jahresstudie 2026 nannten 32 Prozent der 335 befragten Händler Payment-Themen als aktuelle Herausforderung; 67 Prozent bezeichneten den Kundenservice als Belastung. Die Studie misst nicht Zahlungsverzug. Sie zeigt aber, wie wenig operative Reserve viele Händler für zusätzliche Nachfassarbeit haben.

Die Kosten bestehen aus mehr als Zinsen

Die tatsächlichen Kosten haben drei Teile. Erstens fehlt Liquidität, während Einkauf, Löhne und Plattformgebühren weiterlaufen. Zweitens entstehen interne Bearbeitungskosten. Drittens wächst mit der Zeit das Risiko, dass die Zahlung gar nicht mehr eingeht.

Ein einfaches Beispiel zeigt die Größenordnung: Eine verantwortliche Person verbringt zehn Stunden pro Woche mit offenen Rechnungen. Bei internen Vollkosten von 40 Euro pro Stunde entstehen 400 Euro wöchentlich oder rund 1.600 Euro in vier Wochen. Das ist eine Modellrechnung für den gesamten Forderungsbestand, keine Gebühr pro Einzelfall. Hinzu kommen Finanzierungskosten und mögliche Forderungsausfälle.

Eine Stoppregel schützt die Marge

Nicht jede offene Rechnung gehört sofort nach außen. Manchmal fehlt nur eine Bestellnummer. Manchmal wurde die Ware reklamiert. Solche Fälle müssen zuerst intern geklärt werden.

Eine interne Stoppregel schafft Klarheit. Ist die Forderung unbestritten, sind die Unterlagen vollständig und ist eine klar kommunizierte letzte Frist verstrichen, braucht es eine bewusste Entscheidung: intern eskalieren, extern übergeben oder aus wirtschaftlichen Gründen abschreiben. Eine weitere improvisierte Mahnung ist keine eigene Strategie.

Für diese Entscheidung reichen vier Angaben: offener Betrag, Alter der Forderung, bereits investierte Arbeitszeit und der Status des Falls, also ob die Forderung bestritten wird und die Unterlagen vollständig sind. Für kleine Händler ohne eigenes Forderungsteam kann Inkasso für KMU die Alternative zur nächsten manuellen Mahnschleife sein. Kosten und Einziehungschance sollten weiterhin gegen den offenen Betrag abgewogen werden.

Bei Auslandskunden steigt der Aufwand

Grenzüberschreitende Forderungen binden besonders viel Zeit. Der EU-Bericht zeigt, dass 56 Prozent der exportierenden Unternehmen Schwierigkeiten durch verspätete Zahlungen melden, gegenüber 49 Prozent der nicht exportierenden Unternehmen. Sprache, Rechtslage und lokale Gepflogenheiten machen das Nachfassen zusätzlich aufwendig.

Gerade hier spart eine vollständige Fallakte Zeit. Rechnung, Bestellung, Liefernachweis, Kommunikation, Zahlungsversprechen und Einwände gehören an einen Ort. So lässt sich der Fall schneller prüfen, ohne seine Geschichte aus mehreren Postfächern zusammenzusuchen.

Der größte Verlust bleibt oft unsichtbar

Der EU-Bericht schätzt, dass ein verlässlicheres Zahlungsverhalten europaweit mehr als 100 Milliarden Euro zusätzliche Liquidität freisetzen könnte. Für den einzelnen Händler ist die wichtigste Kennzahl jedoch näher am Alltag: Wie viele konzentrierte Arbeitsstunden verschwinden jede Woche im Nachfassen?

Eine klare Stoppregel, vollständige Unterlagen und eine einfache Kostenrechnung machen diesen Aufwand sichtbar. Dann wird aus der offenen Rechnung eine betriebswirtschaftliche Entscheidung statt einer endlosen Aufgabe.


Über den Autor

Lars Holdgaard ist Gründer von Debitura und verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung in Inkasso, Forderungsmanagement, Technologie und Start-ups. Zuvor leitete er Produkt- und Technologiearbeit bei Start-ups und Scale-ups und entwickelte Software für Finanzverwaltung und Forderungsmanagement.

Artikelbild: https://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 28.08.2026
img Letzte Aktualisierung: 28.08.2026
Lesezeit: ca. 3 Min.
Artikel weiterempfehlen

Gastautor

Verschiedene Expert:innen und Brancheninsider teilen regelmäßig ihr Wissen und ihre Insights bei OnlinehändlerNews.

KOMMENTARE
0 Kommentare
Kommentar schreiben