Der Trend, auf Kredit zu konsumieren, nimmt weiter Fahrt auf: Wie aktuelle Zahlen der Schufa zeigen, wurden im Jahr 2024 erstmals über zehn Millionen neue Ratenkredite innerhalb eines Jahres abgeschlossen. Besonders auffällig ist der starke Anstieg bei Kleinkrediten bis 1.000 Euro, die mittlerweile fast die Hälfte aller Neuabschlüsse ausmachen. Ihr Anteil stieg auf 49,8 Prozent. Die Anzahl solcher Kleinkredite wuchs im Vergleich zum Vorjahr um 14,6 Prozent auf knapp 4,99 Millionen Verträge.
Buy now, pay later als Schuldenrisiko?
Der Online-Handel treibt diesen Aufwärtstrend maßgeblich voran, insbesondere durch „Buy-now-pay-later“-Angebote (Kauf jetzt, zahl später). Diese Zahlungsoption, die vor allem bei kleineren Beträgen häufig genutzt wird, ermöglicht es Konsument:innen, Produkte sofort zu erhalten und die Kosten in Raten abzuzahlen. Doch die steigende Beliebtheit solcher Modelle sorgt vor allem bei Verbraucherschützer:innen immer wieder für Kritik: Führt dieser Trend zu einem verantwortungslosen Umgang mit Krediten? Werden Verbraucher:innen ausreichend über die Risiken aufgeklärt?
Verbraucherschützer:inne sehen die Entwicklung mit Sorge. Ole Schröder, Vorstandsmitglied der Schufa, betont: „Dieser starke Anstieg der laufenden Kleinkredite unterstreicht das potenzielle Überschuldungsrisiko durch zu viele Kleinkredite wie etwa von Buy-Now-Pay-Later-Angeboten. Verbraucher verlieren leichter den Überblick über die monatlichen Raten und damit die Gesamtschuldenlast.“ Besonders problematisch seien Fälle, in denen Kreditnehmer:innen ihre finanzielle Belastung unterschätzen oder die Raten für mehrere Kredite parallel laufen.
EU verschärft Regelungen
Angesichts dieser Entwicklungen hat die Europäische Union reagiert. Seit Ende Oktober 2023 ist eine neue Verbraucherkreditrichtlinie in Kraft, die Mitgliedstaaten dazu verpflichtet, strengere Prüfungen auch für Mini- und Kurzzeitkredite einzuführen. Ziel ist es, Verbraucher:innen besser vor Überschuldung zu schützen. Die neuen Regelungen sehen unter anderem vor, dass Kreditgeber die finanzielle Situation der Antragsteller:innen genauer prüfen müssen, bevor ein Kredit bewilligt wird. Die EU-Mitgliedstaaten haben nun bis November 2025 Zeit, diese Richtlinie in nationales Recht umzusetzen. Für Händler:innen könnte dies wiederum mehr Bürokratie bedeuten.
Artikelbild: http://www.depositphotos.com
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