Seit einem halben Jahr können Online-Shops ihrer Kundschaft eine Bezahlung über Wero anbieten. Doch eine Recherche des Handelsblatts zeigt: Von den zehn größten deutschen Online-Händlern hat bislang keiner Wero integriert – und Fortschritte sind bislang kaum in Sicht.
Nur Media-Markt-Saturn kündigt Anbindung an – ohne Zeitplan
Als einziger der zehn größten Online-Händler stellt MediaMarkt-Saturn eine Wero-Integration in Aussicht. Einen konkreten Zeitplan nennt das Unternehmen allerdings nicht. Händler wie Otto, Ikea und Zalando prüfen die Einführung seit mehr als fünf Monaten – ohne bislang eine Entscheidung getroffen zu haben.
Besonders auffällig: Die European Payments Initiative (EPI) hatte im November 2025 mitgeteilt, dass die Drogeriekette Rossmann Wero in den Online-Shop integrieren wolle. Rossmann widersprach dieser Darstellung: Laut Unternehmen werde eine Integration lediglich geprüft – ebenfalls seit mehreren Monaten und ohne absehbares Ergebnis.
Rewe lehnt ab, Amazon schweigt
Die Supermarktkette Rewe hat eine Wero-Integration für den eigenen Online-Shop derzeit ausgeschlossen und begründet das mit dem geringen Bekanntheitsgrad des Dienstes. US-Konzerne wie Amazon und Apple wollten sich gegenüber dem Handelsblatt nicht äußern, der asiatische Anbieter Shein reagierte gar nicht auf eine Anfrage.
Das Handelsforschungsinstitut EHI ermittelte in einer Händlerbefragung, dass rund drei Viertel der Befragten eine abwartende Haltung gegenüber Wero einnehmen. Auch der Branchenverband HDE sieht zwar grundsätzliches Interesse, betont aber, dass sich Wero erst noch beweisen müsse.
Bis Ende 2025 wollte Wero eigentlich in rund 150 großen Online-Shops verfügbar sein. Ob dieses Ziel erreicht wurde, lässt sich öffentlich nicht nachvollziehen: Die offizielle Wero-Webseite listet keine konkreten Händler auf – Interessierte sollen die Akzeptanzstellen selbst recherchieren.
Europäischer Anspruch mit US-Infrastruktur
Wero wird von der EPI als europäische Zahlungslösung vermarktet. Allerdings berichtete Netzpolitik kürzlich, dass Teile der IT-Infrastruktur über Amazon Web Services betrieben werden. Experten weisen darauf hin, dass damit theoretisch US-Behörden Zugriffsrechte auf Transaktionsdaten hätten – ein Umstand, der dem europäischen Souveränitätsanspruch des Dienstes widerspricht. Die EPI betont aber, dass man die volle Kontrolle über Daten und Sicherheit bei Wero habe.
Artikelbild: http://www.depositphotos.com
Christoph Pech
Christoph schreibt über KI, digitale Innovationen und Payment-Lösungen – immer mit einem Blick auf smarte Technologien.
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