Free Access zum Bank Account
Schardt weiß, wovon er spricht, war er doch nicht unwesentlich an der Entwicklung der PSD2 beteiligt. Die Überlegung, ob es nicht eine gute Idee ist, den Zugang zum Bankkonto zu öffnen, war einer der Auslöser, warum es überhaupt zu einer zweiten Zahlungsdiensterichtlinie kam. Konkret heißt es dazu in der Mitteilung der EU-Kommission:
„Geregelt werden auch die Pflichten von Banken und Anbietern innovativer Zahlungslösungen und Kontoinformationsinstrumente. Verbraucher, die diese neuen Dienste nutzen wollen, können von ihren Banken nicht daran gehindert werden. Jede Bank, die einen Online-Zugang zu Konten anbietet, muss auch mit FinTech-Unternehmen oder anderen Banken zusammenarbeiten, die diese neuen Dienste anbieten. Dazu müssen die Banken sichere Kommunikationskanäle einrichten, über die Daten übermittelt und Zahlungen veranlasst werden können.
Die Verbraucher werden bei der Bezahlung von online erworbenen Waren und Dienstleistungen von einem breiteren Angebot an Zahlungslösungen und einem stärkeren Wettbewerb profitieren. Sie werden zudem in der Lage sein, ihre persönlichen Finanzen effizienter über Anwendungen zu verwalten, über die Informationen von ihren bei verschiedenen Banken unterhaltenen Konten zusammengefasst werden."
Drittanbieter dürfen nun also mit Zustimmung des Kunden auf dessen Kontodaten bei der Hausbank zugreifen, Free Access zum Bank Account nennt das der Fachmann. Das wird Payment-Anbieter und FinTechs stärken, denn die Hoheit über das Girokonto liegt damit nicht mehr exklusiv bei den klassischen Geldinstituten.
Problem für kleinere Händler?
Schardt geht davon aus, dass mit den kommenden Änderungen „mehr Logik und Technik" im Hintergrund vonnöten sein wird, um zu schauen, welchem Kunden man welche Zahlungsarten anbietet. „Mit der PSD2 werden weitere Zahlarten, zum Beispiel Alternative Payment Methods, stark wachsen, wie etwa iDeal in Holland, P24 in Polen oder giropay in Deutschland – die Karten-basierten Zahlarten werden nicht überproportional gewinnen." Höherer Aufwand, auch bei der Auswahl der Zahlungsmethoden und Dienstleister, könnte aber dafür sorgen, räumt Schardt ein, dass die PSD2 „gerade für kleinere Händler ein Problem werden" kann.
Zudem, und das wiegt wohl deutlich schwerer, sollen Kunden die Möglichkeit bekommen, bestimmte Händler, denen sie vertrauen und die sie oft nutzen, auf eine eigene Whitelist zu setzen, um den Zahlungsvorgang zu vereinfachen. Das wird großen Händlern eher in die Karten spielen, da der Kunde dort tendenziell öfter einkauft und den Weg zum Kauf-Button möglichst vereinfachen will. Umgekehrt wird er dagegen vielleicht zweimal überlegen, ob er beim kleineren Händler kauft, wo er die aufwändige Zwei-Faktor-Authentifizierung nochmals durchführen muss. Das Thema Kundenbindung wird für Online-Händler also notgedrungen auf der Prioritäten-Liste sehr weit nach oben wandern.
Auch der Branche sind die wahrscheinlichen Unwägbarkeiten nicht entgangen. Insgesamt 27 Verbände und Unternehmen, darunter auch der Händlerbund und der europäische Dachverband Ecommerce Europe, haben sich in einem Brief an Jean-Claude Juncker, den Präsidenten der EU-Kommission, gewandt. Darin heißt es etwa: „Reibungslose Online-Zahlungen sind besonders wichtig für einige Typen von Verbrauchern wie solchen, die zunehmend über Mobiltelefone shoppen, nicht sonderlich vertraut sind mit digitaler Technik oder Käufer mit Behinderungen. In diesen Situationen kann jeder zusätzliche Klick, der erforderlich ist, um einen Kauf zu bestätigen, den Konsumenten vom Abschluss der Transaktion abhalten." Die Sicherheit des Zahlungsvorgangs sei natürlich wichtig, aber man müsse „ohne unnötige Hürden im Internet" einkaufen können. Mit den aktuell geplanten Regelungen wird dies ab 2019 zumindest nicht einfacher.
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Ja - was natürlich dann auch unglaublich die Sicherheit erhöht ???
wie z.B. Paypal "One Touch" - weil der Käufer zu faul ist ,seine Daten nochmals einzugeben - wird dann gleich jede Zahlung von diesen Gerät erkannt - wem das dann gehört /oder geklaut worden ist - egal ?
demnächst steht man irgendwo an der Kasse und die Verkäuferin bedient sich dann alleine aus meinen Portemonnaie ?
P.S.
was passiert dann bei Euro Glücksspiel - ich habe ja schon noch ein Jahr ohne Limit gewonnen - auf meine kosten - wenn ich Gewinne - darf ich hier dann noch 2 Jahre schreiben ?
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