Die Meldungen um Wirecard reißen noch immer nicht ab: Die Anti-Geldwäsche-Einheit Financial Intelligence Unit (FIU) habe in den vergangenen Jahren über 500 Verdachtsmeldungen erhalten, die von der Wirecard-Bank gegen Kunden des Zahlungsdienstleisters ausgesprochen wurden. Finanzinstitute sind verpflichtet, der FIU Hinweise zu melden.
Doch die FIU habe auch Hinweise erhalten, die sich gegen Wirecard selbst richten, berichtet das Handelsblatt. Konkret gehe es um „72 Meldungen in einem möglichen Zusammenhang mit aktuellen Vorwürfen gegen die Wirecard AG“, wie es aus Unterlagen des Finanzministeriums für den Finanzausschuss heiße. Handelsblatt-Informationen zufolge sollen sich „einige Verdachtshinweise auch gegen mindestens einen früheren Wirecard-Vorstand“ richten.
Die FIU und die Finanzaufsicht Bafin haben inzwischen eine eigene Taskforce gebildet, die dem Geldwäsche-Verdacht bei Wirecard nachgehen soll. Damit werde zwar Tatkraft signalisiert, doch im Finanzausschuss stelle sich die Frage, ob das nicht ein wenig spät ist. Die Arbeit der FIU vor dem 22. Juni 2020, als der Wirecard-Skandal ins Rollen kam, wird hinterfragt. Die Anti-Geldwäsche-Einheit ermittelt nicht selbst, sondern sammelt Verdachtsmeldungen und gibt diese an die zuständigen Behörden weiter.
Doch einige Meldungen soll die FIU zu spät weitergereicht haben. Über Ermittlungen vor dem Juni sei im Fall Wirecard nichts bekannt. „Wenn sich herausstellen sollte, dass neben der Bafin auch die FIU Hinweise bei Wirecard nicht richtig abgearbeitet haben sollte, wäre das ein zweiter Fall staatlichen Versagens“, so FDP-Finanzpolitiker Florian Toncar.
Kommentar schreiben