Bei Wirecard haben sich Ende letzter Woche die Ereignisse überschlagen: Nachdem das Unternehmen die ausstehende Bilanzvorlage erneut verschoben hatte und bekannt wurde, dass Bankguthaben auf Treuhandkonten in Höhe von 1,9 Milliarden Euro fehlt, trat der Vorstandsvorsitzende Markus Braun mit sofortiger Wirkung zurück. Wirecard vermutet, Opfer eines großen Betrugs geworden zu sein (wir berichteten).
Wie der Wirecard-Vorstand mittlerweile eingeräumt hat, gehe man davon aus, dass die Konten mit den 1,9 Milliarden Euro „mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht bestehen“, heißt es laut FAZ in einer Mitteilung, die in der Nacht auf Montag veröffentlicht wurde. Bisher war Wirecard davon ausgegangen, dass diese Treuhandkonten existieren und hatte sie in der Bilanz als Aktivposten ausgewiesen.
Dieses Eingeständnis hat enorme Auswirkungen auf die Geschäftszahlen des Unternehmens. Wirecard ziehe die Einschätzung des vorläufigen Ergebnisses des Geschäftsjahres 2019, des vorläufigen Ergebnisses des ersten Quartals 2020, der Ebitda-Prognose für 2020 und der Vision 2025 zu Transaktionsvolumen, Umsatz und Ebitda zurück. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich die neue Erkenntnis auch auf die Jahresabschlüsse vorangegangener Geschäftsjahre auswirken.
Der Trubel um den Finanzdienstleister drückt auch die Kreditwürdigkeit: Wie die WirtschatfsWoche berichtet, hat die Ratingagentur Moody’s Wirecard gleich um sechs Stufen herabgesetzt. Das Unternehmen hat laut Moody’s nun ein „hohes Kreditrisiko“ auf der untersten Stufe der Kategorie. Sollte Wirecard nochmals herabgestuft werden, würde das bereits ein „sehr hohes Risiko“ bedeuten – und die Ratingagentur habe bereits angedeutet, Wirecard weiterhin zu prüfen.
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