Neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass der Steuerschaden durch Influencer:innen deutlich geringer ausfällt als die zunächst durch Steuerfahnder:innen aus NRW geschätzten 300 Millionen Euro. Recherchen des Manager Magazins (Paywall) ergaben laut dem Spiegel, dass diese Summe sich nicht auf die Steuerlast, sondern auf den zugrunde liegenden Umsatz beziehe. Die tatsächliche Steuerhöhe hänge vom Gewinn und dem persönlichen Steuersatz ab.
Das Finanzministerium Nordrhein-Westfalens erklärte dazu: „Die konkrete steuerliche Auswirkung steht naturgemäß erst nach Abschluss der Steuerverfahren fest.“ Ermittlungen laufen derzeit bundesweit, doch erste Hinweise zeigen, dass die Beträge pro Influencer:in oft klein sind.
Ein Insider erklärte dem Manager Magazin: „Der Aufwand, das auszuermitteln, lohnt sich kaum.“ Zudem erschwerten geringe Befugnisse der Finanzämter und die Internationalität der Branche die Ermittlungen.
Hintergrund: Steuerschulden gingen durch die Medien
Hintergrund ist eine Meldung aus dem Juli, die Schlagzeilen machte: Damals wurde bekannt, dass ein eigens gegründetes Influencer-Team der Steuerfahndung in NRW rund 200 Verfahren gegen Content Creator eingeleitet hat. Medien berichteten von einem mutmaßlichen Steuerschaden in Höhe von 300 Millionen Euro.
Grundlage dafür waren 6.000 ausgewertete Datensätze, bei denen es vor allem um große Influencer:innen mit hohen Einnahmen ging. Die Ermittler:innen sprachen von „hoher krimineller Energie“ und betonten, es handele sich nicht um bloße Unwissenheit, sondern um bewusstes Umgehen steuerlicher Pflichten.
Offenbar müssen diese Dimensionen nun aber deutlich relativiert werden. Wie es zu der Fehleinschätzung gekommen ist, ist aktuell noch ungewiss. Sicher ist aber, dass sich die Steuerfahnder:innen aus NRW durch diese Schlagzeilen keinen Gefallen getan haben.
Artikelbild: http://www.depositphotos.com
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