Ältere Unternehmer:innen investieren zu wenig

Veröffentlicht: 24.07.2025
imgAktualisierung: 24.07.2025
Geschrieben von: Ricarda Eichler
Lesezeit: ca. 2 Min.
24.07.2025
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ca. 2 Min.
Älterer Chef am Schreibtisch schüttelt Frau die Hand.
ArturVerkhovetskiy / Depositphotos.com
Ältere Unternehmer:innen investieren seltener – das hemmt Innovation und Digitalisierung im Mittelstand.


Die Digitalisierung im Mittelstand stockt – und das nicht nur wegen Fachkräftemangel oder Bürokratie. Auch das zunehmende Alter der Unternehmensinhaber:innen ist ein zentrales Hemmnis für Investitionen in digitale Zukunftstechnologien, wie eine Studie des KfW jetzt zu Tage brachte, über die Datev berichtete. Aufgrund der unsicheren Wirtschaftslage und ungeklärter Nachfolge scheinen viele Unternehmen „auf Verschleiß“ zu fahren, kommentiert KfW Chefvolkswirt Dr. Dirk Schumacher die Ergebnisse.

Demografischer Wandel als Investitionsbremse

Laut KfW-Mittelstandspanel investierten 2004 noch 58 Prozent der Unternehmer:innen unter 40 Jahren jährlich in ihre Unternehmen, während es bei über 60-Jährigen lediglich 38 Prozent waren. Diese Lücke hat sich bis 2023 kaum verringert. Besonders betroffen sind das Baugewerbe und wissensintensive Dienstleistungen wie Steuerberatung oder Rechtsanwälte. Hier sank der Anteil der unter 40-jährigen Inhaber:innen von 35 Prozent (2003) auf elf Prozent (2024), während der Anteil der über 60-Jährigen von 14 auf 34 Prozent stieg.

Ungeklärte Nachfrage erschwert oft die langfristige Planung

Zu den konkreten Gründen für die sinkende Investitionslust gehört vor allem Unsicherheit. Wer bereits auf den Ruhestand zugeht, muss damit rechnen, die positiven Ergebnisse einer Investition nicht mehr selbst auskosten zu können. Zudem bedeuten Finanzierungsmethoden wie Kredite für gewöhnlich längerfristige finanzielle Verpflichtungen mit sich. Diese sind in Zeiten angespannter wirtschaftlicher Gesamtsituation ein zusätzliches Risiko.

Kommt dann noch eine ungeklärte Unternehmensnachfolge hinzu, scheinen Investitionen oft keine gute Idee. Muss das Unternehmen zum Ruhestandsantritt schließen, könnte sich die Investition im Nachgang als teure Fehlinvestition herausstellen.

Folgen für kleine und mittelständische Unternehmen

Als Resultat der Investitionszurückhaltung hinken viele kleine und mittelständische Unternehmen technisch hinterher. Aufträge können aufgrund veralteter Geräte weniger schnell abgearbeitet werden und der Verschleiß ist hoch. Auch in Sachen Digitalisierung wird wenig gemacht, weswegen die Unternehmen im Wettbewerb weiter abrutschen lässt.

Infolgedessen könnte der Mittelstand im schlimmsten Fall weiter schrumpfen und durch Großkonzerne abgehängt werden.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 24.07.2025
img Letzte Aktualisierung: 24.07.2025
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Ricarda Eichler

Ricarda Eichler

Ricarda berichtet über digitale Themen und spricht in Interviews und Podcasts mit spannenden Stimmen aus der Branche.

KOMMENTARE
3 Kommentare
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ItsFriday
25.07.2025

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Man nimmt also Zahlen von 2004 und vergleicht die unter 40-jährigen mit den über 60-jährigen. Okay, sagt dann aber diese Lücke habe sich nicht geändert. Dann ist es aber kein demografischer Wandel, sondern das gleiche demografische Verhältnis heute wie damals. Und von stockender Digitalisierung und Bürokratie wurde damals nach der DotCom Blase gewarnt wie heute wo wir nun KI haben. Ältere Händler haben lange ihr Geschäft aufgebaut und halten an bewährter Praxis fest, statt in neumodisches Gelumpe zu investieren, das ist schon seit Jahrtausenden so.
Sjaak
25.07.2025

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Wie mein Vorredner schon sagte, sind wir ständig gezwungen, Kosten für die Umsetzung zahlreicher (oft unnötiger) EU-Verordnungen zu tragen. Inzwischen bräuchte man eine eigene Vollzeitkraft, nur um sich mit dem Unsinn auseinanderzusetzen, der hier beschlossen wird. Ich sehe den Fehler bei der mangelnden Investitionsbereitschaft nicht bei den Unternehmern. Die Politik bietet uns keine Planungssicherheit mehr: Heute gilt dies, morgen das Gegenteil. Diese Unsicherheit führt dazu, dass Unternehmer erst einmal abwarten, bevor sie investieren – ein gutes Beispiel dafür ist das Thema Wärmepumpe.
cf
25.07.2025

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Also wir als kleiner Händler investieren ordentlich - in Steuerzahlungen, Anwaltskosten und IT-Kosten für die Umsetzung ständig neuer EU-Verordnungen. Danach ist das Geld leer und es bleibt nix mehr für sinnvolle Investitionen in das Unternehmen um langfristig handeln und planen zu können, oder einfach mal einen Bonus ausschütten zu können. Am Willen scheitert es zumindest bei uns nicht....