Bewegung im Payment-Sektor – PayPal bekommt Konkurrenz von allen Seiten
Während im Juli darüber gerätselt wurde, ob Apple auf eBay geheime Shops betreibt, auf denen angeblich einwandfreie Retouren des Unternehmens verkauft würden, kamen auch Spekulationen über einen möglichen eigenen Bezahldienst des Konzerns auf. Auslöser war der Launch der Apple Passport-App, mit der Nutzer ihr Guthaben im App-Store und auf ihrem iTunes-Konto aufladen können. Dies könnte auf die Entwicklung eines eigenen Payment-Dienstes von Apple hinweisen und heizt die Gerüchte, die bereits seit längerem darüber existieren, weiter an.
Wirklich ernsthafte Konkurrenz bekommt PayPal aber momentan erst einmal nur von Visa. Das Kreditkartenunternehmen hat einen eigenen „Checkout“-Button entwickelt und will seinen Kunden den Online-Einkauf erleichter. Statt der 16-stelligen Kreditkartennummer reicht nun der eigene Name und ein Passwort für den Checkout in wenigen Klicks. Einen Haken gibt es allerdings: Nur wirtschaftlich gut aufgestellte Online-Händler dürfen den Button auch tatsächlich in ihren Shop einbinden.
PayPal selbst gönnt sich angesichts der Konkurrenz natürlich keine Ruhe, sondern versucht seinen Service zu erweitern. Dazu gehörte, dass über die PayPal-App nun auch der gegenseitige Geldtransfer selbst für Nicht-PayPal-Kunden möglich ist. Eine zweite Erweiterung gab es – allerdings nur in den USA – mit dem „Next-Day Settlement“. Damit sollen Überweisungen vom PayPal-Konto auf das normale Bankkonto innerhalb von 24 Stunden überwiesen werden. Außerdem wurde bekannt, dass der Bezahldienst vor allem Online-Händlern ab Herbst Kredite zur Verfügung stellen möchte. Diese sollen zurückgezahlt werden, indem sie mit den Verkäufen der Händler verrechnet werden.
Neues aus der Logistik-Branche
Die Logistik-Branche hat sich ebenfalls einiges einfallen lassen. Der Online-Shop für Lebensmittel der Deutschen Post, Allyouneed.com, ermöglicht es seinen Kunden, zuerst nur in Berlin, Lebensmittel auch an der Packstation online zu bestellen. Über eine App und einen entsprechenden QR-Code für das jeweilige Lebensmittel wird die Bestellung direkt an der Packstation geordert.
Eine Kooperation in der Logistik-Branche gab es im Juli zwischen der DPD und Asos. Mit dem Online-Händler für Mode bietet der Logistik-Dienstleister nun einen Tracking-Service, über den Lieferungen auch bis kurz vor der Zustellung noch auf Wunsch umgeleitet werden können. Das besondere: Der Kunde kann seine Bestellung über eine Karte mitverfolgen.
In den USA testet unterdessen das Unternehmen Return Saver eine Retouren-Flatrate und arbeitet dafür mit FedEx zusammen. Für 49 US-Dollar im Jahr können Verbraucher so viele Pakete zurückschicken wie sie wollen. Selbst Amazon.com soll den Dienst akzeptieren und könnte nun von einer Retouren-Welle überrollt werden.
Kartellamt gegen Google, Amazon streitet sich weiter mit Verlagen
Google hatte auch im Juli wieder alle Hände voll zu tun und musste weitere Löschanträge bearbeiten. Unterdessen bekommt das Unternehmen neue Probleme, dieses Mal vom Kartellamt. Das sucht momentan nach einer Lösung, um Monopolisten wie Google besser regulieren und einschränken zu können. Eine Möglichkeit wäre, Google als „Versorgungsunternehmen“ einzustufen, wodurch den Behörden mehr Befugnisse über den Online-Riesen gegeben werden könnten.
Doch nicht nur Google könnte Probleme mit den Kartell-Behörden bekommen, sondern auch Amazon. Im Streit mit diversen Verlagen hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Beschwerde beim Kartellamt gegen Amazon eingereicht. Dieses soll Kontrolle darüber ausüben, dass Amazon sich an die hierzulande geltende Buchpreisbindung hält. Das Landgericht Berlin verurteilte das US-Unternehmen nun bereits wegen unlauteren Wettbewerbs, da es Schulen unzulässige Preisnachlässe gegeben hatte und somit die Preisbindung verletzte.
Unterdessen nutzt HarperCollins den aktuellen Streit mit Amazon und eröffnet als erster internationaler Publikumsverlag eine eigene E-Commerce-Plattform zum Direktvertrieb seiner Bücher. Amazon hält allerdings weiter an seinen Forderungen fest und erklärte sich nicht nur als Opfer im Verlagsstreit und beteuerte, dass alles nur im Interesse der Kunden geschehe, sondern äußerte sich erstmals ausführlich zu den Forderungen. In einem offenen Brief erklärte Amazon, dass niedrigere Preise für E-Book gerechtfertigt seien, da die Produktionskosten weit unter denen der analogen Bücher lägen. Außerdem würden die geringeren Preise dafür sorgen, dass mehr E-Books gekauft werden.
Groupon wird exklusiver, Wiederauferstehung von Fab, Yatego mit Online-Marktplatz, SportScheck im Shitstorm
Aufgrund des steilen Falls von Groupon entschied sich das Unternehmen für einen Kurswechsel. Statt der gängigen Gutscheine, die teilweise sogar ungültig waren, einfach nicht akzeptiert wurden oder sogar zusätzliche Kosten mit sich brachten, sucht sich Das Gutscheinportal nun exklusivere Partner und Top-Events. Diese sollen unter anderem auch dauerhaft auf der Seite vertreten sein, sodass Groupon eine Art Online-Markplatz für Freizeitangebote werden kann.
Einen weiteren Image-Wandel unterzog sich Fab.com. Vor wenigen Wochen noch totgesagt, startet der Online-Möbel-Anbieter nun mit einer Designer-Marke durch und kauft den Möbel-Anbieter One Nordic Furniture. Zudem launcht Fab eine neue Eigenmarke namens „Hem“ für bezahlbare Möbel und Wohn-Accessoires. Entweder wird dies die Rettung oder der endgültige Untergang.
Neue Wege geht auch Yatego und bietet Einzelhändlern seit Juli ein neues Online-Portal. Mit „Yatego Local“ bekommen Händler die Chance, ihre Ware im Pinterest-Stil online zu präsentieren, der Direktvertrieb über den Online-Handel ist dort allerdings nicht möglich. Vielmehr sollen stationäre Geschäfte die Möglichkeit haben, sich und ihre Waren online zu präsentieren und Kunden somit in ihre Läden zu locken.
Mit Problemen zu kämpfen hat dagegen SportScheck. Nach einer angeblichen Verbesserung des Warensystems hat das Unternehmen nun stattdessen Lieferprobleme. Und nicht nur das: Hinzu kommt, dass Retouren nicht bearbeitet werden und SportScheck auf Anfragen eher dürftig und mit 08/15-Antworten reagiert. Wann es eine Lösung geben und SportScheck wieder liefern wird, ist nicht bekannt.
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