„Niemand kann von sich behaupten, dass er alles zu hundert Prozent sicher umgesetzt hat“
Nach außen hin geben sich viele Unternehmen verständlicherweise optimistisch und selbstbewusst. Nicht zuletzt, um ihre Seriosität gegenüber den Kunden und Wettbewerbern zu wahren. Dass es hinter den Fassaden dennoch mancherorts rumort, machte kürzlich einer der ganz großen Branchenplayer deutlich – einer, der selbst viel Kapital und spezialisiertes Fachpersonal im Rücken haben dürfte: Ceconomy.
Das Mutterunternehmen namhafter Händler wie Media Markt oder Saturn hat Mitte Mai im Zuge der Veröffentlichung der Unternehmenszahlen auch ein Statement bezüglich der DSGVO verlauten lassen… und dabei Zweifel geäußert, dass es Unternehmen überhaupt gelingen kann, sich lückenlos rechtssicher vorzubereiten:
„Wie alle anderen“ sei auch Pieter Haas, CEO von Ceconomy, sehr gespannt, was die Branche nach dem Stichtag erwartet. „Weil ich glaube, dass niemand von sich behaupten kann, dass er alles zu hundert Prozent sicher umgesetzt hat.“ Ceconomy selbst habe sich „in den letzten Monaten permanent mit den Datenschutzbehörden abgestimmt und erklärt, was wir machen und wo wir stehen und ich glaube, dass wir da insgesamt mit MediaMarktSaturn recht weit vorne mit dabei sind und auch ein sehr gutes Gefühl haben, dass wir da keine großen Fehler machen“, fasste der Unternehmenschef zusammen.
Kunden: Zwischen E-Mail-Flut und Ahnungslosigkeit
Während viele Unternehmen wahrscheinlich gerade an den letzten Feinheiten schleifen, um die Datenschutzgrundverordnung rechtssicher umzusetzen, werden die Verbraucher aktuell mit Mails quasi überflutet. Große und kleine Anbieter haben Sondernewsletter versendet, in denen sie erfahrungsgemäß zwei Aspekte abhandeln.
- Zum einen informieren sie die Kunden über Neuerungen im Bereich des Datenschutzes. In vielen Fällen sind diese Infos auch an eine Bitte gekoppelt – zum Beispiel, den Empfang des Newsletters für die Zukunft noch einmal zu bestätigen, noch einmal die Zahlungsdaten zu hinterlegen oder gewisse Verbindlichkeiten noch einmal zu bestätigen.
- Zum anderen scheinen viele Unternehmen in den Änderungen auch eine Möglichkeit zu sehen, sich bei den Kunden noch einmal als seriöser Anbieter ins Gedächtnis zu rufen, der den Datenschutz groß schreibt und dem man vertrauen kann.
Der Kaffeeröster Tchibo ließ in einem solchen Newsletter beispielsweise verlauten: „Die Verordnung dient dem Schutz Ihrer Grundrechte und Grundfreiheiten. Bei Tchibo verstehen wir es als Teil unserer unternehmerischen Verantwortung, die uns anvertrauten Informationen zu schützen.“ Auch der Handmade-Marktplatz Etsy folgt dieser Strategie. Dort hieß es jüngst: „Datenschutz nehmen wir sehr ernst. Und wir möchten, dass du genau verstehst, welche Entscheidungen du bei Etsy bezüglich deiner Daten treffen kannst und wie du deine Daten verwalten kannst.“ Grundsätzlich ist dies keine schlechte Strategie, um das Kundenvertrauen auch auf lange Sicht zu stärken.
Doch wissen Kunden überhaupt, wie ihre Daten genutzt werden und welche alten und neuen Rechte sie haben?
„Ein klares Nein“, beantwortet Alexander Krull von Webtrekk diese Frage. „Das wird bereits dadurch deutlich, dass man von neuen Rechten spricht. Dabei werden durch die DSGVO größtenteils nur bereits bestehende erweitert“, erläutert der Online-Experte. „Die oft ungeklärten Eigentumsrechte an Daten haben bis jetzt zu Einschränkungen geführt, die die Verordnung nun klärt. Das Datensubjekt wird sich verschieben, d. h. ich werde im stärkeren Maße Eigentümer der mich betreffenden Daten sein. Aber man muss vorsichtig sein, denn auch wenn ich theoretisch das Löschen oder Ändern von Daten einfordern kann, heißt das nicht, dass ich alles vom Webseitenbetreiber verlangen kann. Nicht zuletzt, da Nutzer ein oft zu einfaches Bild von der Verarbeitung ihrer Daten haben.“
Obwohl sich viele Kunden verständlicherweise nicht mit den juristischen Feinheiten der neuen Datenschutzgrundverordnung auskennen und manchmal noch nicht einmal etwas von der „DSGVO“ gehört haben, so bekommen doch einige mit, dass hier derzeit etwas passiert.
Spott, Häme und ein Hauch von Irrsinn
Schaut man sich dieser Tage beispielsweise in die sozialen Netzwerke um, wird deutlich, dass sich auch dort vieles um die neue DSGVO dreht. Von nützlichen Ratschlägen über Witze und sarkastische Beiträge bis hin zu Hilferufen findet man hier so ziemlich jede Gemütsregung.
Wie stark die DSGVO in den Alltag der Verbraucher eingreift und welche geradezu abstrusen Konsequenzen sie zu haben scheint, geht wohl aus folgenden Twitter-Beiträgen hervor:
So lustig und kurzweilig solche kritischen Beiträge auch sind: Sie verhindern nicht, dass zahlreiche Unternehmen Angst haben, aufgrund von Fehlern teure Abmahnungen zu erhalten, die schnell auch existenzgefährdend sein können. Und die Gefahr ist durchaus realistisch – schließlich hat die Vergangenheit deutlich gezeigt, dass es in der hiesigen Abmahnwelt immer wieder auch zu Missbrauch kommen kann.
EU-Kommissarin glaubt nicht an Abmahnungsmissbrauch
Von einem solchen Missbrauch will die EU-Justizkommissarin Vera Jourová übrigens nichts wissen. Ihre jüngsten Aussagen bildeten wohl einen vorläufigen Höhepunkt in den strittigen Vorbereitungen zur DSGVO. In einem Interview mit der Zeit brach die Politikerin das bisherige Daten-Prozedere auf ein einfaches Bild herunter: „Derzeit werden Nutzer in der digitalen Sphäre Dutzende Male pro Woche nach ihren Daten gefragt und wissen nicht, warum. Das ist so, als käme ein fremder Mann an Ihren Tisch im Restaurant und würde Sie fragen, wann Sie geboren seien, wie Ihre Schwester heiße, wo Sie wohnten und wie hoch Ihr Blutdruck liege.“ Dies wolle man in Zukunft verhindern.
Auf die Frage, ob die DSGVO eine Klagewelle auslösen wird, antwortete sie mit einem entschiedenen „Nein.“ Und: „Es gibt immer Verrückte, die Gesetze für ihren eigenen Vorteil nutzen wollen – Wettbewerber zum Beispiel oder ehemalige Mitarbeiter. Aber ich erwarte keinen massiven Missbrauch. Glücklicherweise sind die meisten Personen normal – sie haben andere Hobbys, als ihre Mitmenschen zu verklagen.“
Und das Fazit?
Keiner kann in die Zukunft schauen. Keiner kann sagen, wie groß das Abmahnproblem schließlich werden oder ob es überhaupt zu Abmahnungen kommen wird. Händlern, Dienstleistern und Unternehmen aller Art wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als ihr Möglichstes zu tun, um die Standards zu erfüllen. Auch wir greifen unseren Leser mit entsprechenden Ratgebern, Checklisten und Nachschlagewerken unter die Arme und helfen ihnen bei den Vorbereitungen.
Am Ende lässt sich sagen: Niemand ist allein. Denn alle sitzen im gleichen DSGVO-Boot.
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siehe oben
"Ceconomy selbst habe sich „in den letzten Monaten permanent mit den Datenschutzbehö rden abgestimmt und erklärt"
und
"Zwischen E-Mail-Flut und Ahnungslosigkeit"
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waren wir vor dieser Verordnung nicht alle gleich ?
selbst kleinstfirmen /selbständige werden sozusagen bei der Umsetzung auf Globalplayerstu fe gehoben - dann Frage ich mich ,warum hat sich bei mir noch keiner von der Datenschutzbehö rde gemeldet - oder mir einen Termin für einen Termin in aussicht gestellt ?
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Ja - Emails selbst erhalte ich auch ohne Ende - bitte bestätigen usw. - nur auch da von gleichstellung keine Spur - die großen die natürlich alle Ihre eigenen Seiten haben - können das gleich nochmal als Werbung einsetzen - also der eine ,der mal den Weg zu mir gefunden hat - gleich wieder abwerben - wer aber auf anderen Plattformen nur verkauft ,dem steht auch dieser Weg nicht offen - ich würde gern mal 5000-6000 Emails versenden - aber auch da lasse ich lieber die Finger von.
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und was Madame Kriminalkommiss arin angeht
"Aber ich erwarte keinen massiven Missbrauch. Glücklicherweis e sind die meisten Personen normal – sie haben andere Hobbys, als ihre Mitmenschen zu verklagen.“
die Abmahnindustrie ist kein Verein von Hobbyeisenbahne rn oder ähnliches - das sind die - die schon über Dir kreisen - selbst wenn Dein Körper noch zuckt - die werden diese Staatsgeschenke doch nicht einfach auf grund Ihrer Philantropie sausen lassen ???
es wird nur die Frage sein - wer ,was ,wann und wo austestet - oder welche Gesetze (noch mehr) angepasst werden.
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Das lasse ich jetzt einfach mal so stehen. Ich kann vor Lachen eh gerade kaum schreiben. Unfassbar.
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