Die Geschichte des Internetausschusses begann vor 6 Legislaturperioden. Na gut, eigentlich vor 24 Jahren, als Tim Berners-Lee das HTML erfand und damit den Grundstein für das World Wide Web und auch den Online-Handel legte. Aber 24 Jahre klingen so lang und 6 Legislaturperioden lassen sich noch gut verkaufen. In jedem Fall begann die Geschichte des Ausschusses, der jetzt vom Bundestag erstmals ständig eingerichtet wurde, damals im Jahr 1990.

(Bildquelle Gruppe vor einem Laptop: Rido via Shutterstock)
Es ist im Grunde verständlich, wieso die Politik dieses Internet noch vor einer Legislaturperiode als Hype abtat. 1990 gab es schließlich auch weit Besseres zu tun als sich um die belanglose Erfindung dieses Jungspundes aus England zu kümmern. Schließlich ging die DDR in diesem Jahr endgültig in die Knie und knapp 80 Millionen Deutsche wollten wiedervereint werden. Da verliert man schon einmal den Blick für alles, was sonst in der Welt los ist.
Nach 24 Jahren, dem Ausbau auf ISDN, dem Ausbau auf DSL, dem Anfang von Glasfasertechnik, der Filesharing-Zeit, einem NSA-Skandal, dem Drosselkom-Vorfall, einer Abmahnwelle von Porno-Guckern, der Schließung von Megaupload, Bitcoins... entdeckt die Politik also auch endlich das Internet. Und setzt alles daran, dieses Neuland zu erschließen, von dem die Kanzlerin noch im Sommer gesprochen hat. Der Internetausschuss soll die Entdeckungstour organisieren und, wie die Welt mitteilt, die Politiker des Bundestages „fachlich bei der Ausgestaltung der digitalen Lebenswelt unterstützen“. Auch ihrer eigenen digitalen Lebenswelt: Accounts auf den einschlägigen sozialen Netzwerken wurden bereits angelegt, die Politiker des Bundestages werden in Seminaren eingehend geschult, wichtige soziale Kompetenzen wie beispielsweise den Like-Button oder auch das Teilen von Beiträgen zu nutzen.
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