Loyalität sollte belohnt werden
Vor allem viele kleinere stationäre Läden haben eine gewisse Bestandskundschaft. Wie können Händler diese während des Lockdown erhalten bzw. danach wieder für sich gewinnen?
Der Schlüssel zum Erfolg bei der Kundenbindung ist, seine Kunden möglichst gut zu kennen. Nur so können Händler überhaupt herausfinden, wer die Bestandskunden sind und welche Bedürfnisse sie haben. Prinzipiell sollten Händler alle verfügbaren Kanäle zur Pflege von Bestandskunden nutzen. Ziel ist einerseits die gezielte und persönliche Kundenansprache dort, wo es noch vor Ort möglich ist. Eine wertschätzende Ansprache durch professionelles Shop-Personal ist für die Kundschaft hier sofort erfahrbar. Engagiertes und serviceorientiertes Auftreten im lokalen Shop ist genauso wichtig, wie auch die konsequente Pflege der Kundendatenbank.
Wichtige Bestandskunden sollten durch persönliche Ansprache immer wieder Loyalitätsangebote erhalten, die ihnen die Wertschätzung für ihre Treue entgegenbringen. Denn sie sind stabiler Umsatzfaktor – nicht nur in Krisenzeiten – und deshalb ein großer Mehrwert für Unternehmen. Daher können stationäre Händler im Geschäft bei ihren Bestandskunden besonders punkten.
Wie können diese Loyalitätsangebote im Online-Handel aussehen?
Im Online-Handel sind monetär vergütete Empfehlungen von Produkten oder Services ein effektives Werkzeug – als Marketingmaßnahme für Bestandskunden, aber auch, um neue Kunden zu gewinnen. Loyale Bestandskunden sollen für ihr word-of-mouth, sprich für ihre Empfehlung einen direkten monetären Mehrwert oder Wertschätzung erhalten. Gleichzeitig sollen natürlich auch neue Kunden von ihrer Kaufentscheidung auf Basis einer Empfehlung durch Freunde profitieren. Natürlich sind im Online-Bereich auch Rabatte, Sonderangebote oder direkte Rückvergütung wie Cashback bei wiederholtem Kauf probate Mittel, um Kunden langfristig zu binden und ihre Loyalität zu sichern.
Community-Prinzip: Kunden als Teil einer ideellen Gemeinschaft
Welche Methoden sind bei der Kundenbindung aus Ihrer Sicht für Händler am erfolgversprechendsten?
Immer wichtiger wird es – und wir kennen diese Entwicklung schon von großen Retail-Brands – den Kunden als Teil einer Community, also einer ideellen Gemeinschaft zu sehen. Kunden fühlen sich als Teil dieser Gemeinschaft, wenn sie dem Narrativ der Marke folgen, sich also identifizieren mit den Werten, die sich aus dem Selbstverständnis der Marke ableiten lassen.
Wie diese Inszenierung perfekt gelingt, haben Marken wie Red Bull, Patagonia oder Starbucks schon sehr früh vorgemacht. Dabei spielen die großen Fragen unserer Zeit eine immer wichtigere Rolle. Auch kleinere Einzelhändler sollten sich mit Themen wie Umwelt- und Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Eigenverantwortung oder auch Diversity befassen und sie als Teil ihrer Story aktiv einbinden. Auf diese Weise verbinden Kunden mehr als nur das Konsumerlebnis mit diesem Geschäft - sie werden selbst Teil der Geschichte und folgen einem übergeordneten Anliegen oder Auftrag, der weit über Nachfrage und Angebot von Waren hinausgeht.
Kunden unter 30 Jahren erreicht man mit schlechten Websites kaum noch
Gibt es Unterschiede zwischen der Bindung jüngerer Kunden und älterer Kunden? Worauf ist zu achten?
Generell will jeder Kunde und zwar jeden Alters Aufmerksamkeit, Service und das beste Preis-/Leistungsverhältnis. Dennoch gibt es natürlich Erfahrungswerte im Umgang mit den verschiedenen Zielgruppen. Während ältere Kunden eher auf Treuebonus, Personalisierung und Service achten, sind bei jungen Kunden Rabattsysteme und exklusive Angebote hoch im Kurs. Beispielsweise ist hier die Gamification von Loyalitätswährungen, wie bei mehreren Händlern einlösbare oder unter Freunden auf Social Media digital tauschbare Treuepunkte oder Gutscheine, als Trend zu erwähnen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist natürlich auch, über welchen Kanal die jeweilige Altersgruppe erreicht wird: Konsumenten unter 30 Jahren lassen sich heutzutage mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr ohne eine top-funktionale und gut designte mobile Website oder App erreichen. Wesentliche Argumente für junge Konsumenten sind zudem ein offener und fairer Umgang mit Mitarbeitern und das Tragen von sozialer Verantwortung ihrer Lieblingsmarken, um ihnen dauerhaft die Treue zu halten. Händler, denen in Sachen Umweltschutz oder soziale Verantwortung ein schlechtes Image anhaftet, haben bei dieser sozial sehr bewussten Zielgruppe kaum eine Chance.
Wie bei vielen Trends lohnt auch hier der Blick auf den absoluten Spitzenreiter und Marktführer im Online-Handel: Amazon hat im vergangenen Jahrzehnt Maßstäbe gesetzt, wenn es darum ging, nicht nur die günstigsten Preise anzubieten. Zentral für den absoluten Marktführer ist die ständige Neuerfindung und Verbesserung des digitalen Kundenservice, bei dem die bequeme Lieferung, flexible Zahlungsweisen und die Möglichkeit zur reibungslosen Reklamation im Vordergrund stehen. Amazon hat damit auch den Maßstab für alle anderen Online Händler gesetzt, an dem sie gemessen werden. Der Kunde wird hier bedingungslos zum König gemacht.
Online können Kunden schon während des Kaufs belohnt werden
Im Online-Handel ist die Konkurrenz ist oft nur einen Klick entfernt. Welche Möglichkeiten haben Online-Shops noch, sich die Loyalität ihrer Kunden zu sichern?
Online-Kunden zu gewinnen und sie vor allem zu halten, ist aus Kostengründen besonders wichtig. Denn die Gewinnung von Neukunden und die Bindung von Stammkunden macht häufig einen Großteil des Marketingbudgets aus. Wiederholte Einkäufe bereits gewonnener Kunden sind aus Händlersicht deshalb wirtschaftlich besonders lohnend und erstrebenswert. Große Konzerne investieren deshalb monatlich hohe Summen in die Neukundengewinnung und zudem schon lange in die Kundenloyalität und sogenannte Incentivierungsprogramme. Erst die Digitalisierung hat dazu geführt, dass nicht nur die Ansprache sondern auch die Vergütung von Bestandskunden für Ihre Treue durch den Einsatz digitaler Werkzeuge einfacher und mit deutlich weniger Aufwand möglich ist und somit auch für den Einzelhändler vor Ort machbar wird.
Beim Online-Shopping sind Kunden auf der Händler-Website sehr genau identifizierbar. Sie hinterlassen zahlreiche Daten, wie die Postanschrift, Zahlungsinformationen und natürlich ihr Suchverhalten nach passenden Angeboten. Dadurch haben Online Händler die Möglichkeit, ihren Kunden etwa bereits im Moment des Kaufes eine Vergütung in Form von Cashback oder Bonuspunkten anzubieten und weiterführende personalisierte oder rabattierte Kaufangebote zu machen.
Für den Fall, dass Kunden die Website nach dem Kauf direkt wieder verlassen, können Online-Händler durch digitale Kundenkommunikation einen anhaltenden Dialog mit den Bestandskunden fördern. Das funktioniert mithilfe von E-Mails oder Newslettern oder auch durch Nachrichten auf mobilen Messenger-Diensten, wie WhatsApp. Ziel dieser Kommunikation ist es, die eigenen Bestandskunden zu pflegen und sie zu dauerhaften, besonders zufriedenen Wiederholungskäufern zu machen – die letztendlich zu aktiven Fürsprechern für das Geschäft werden.
Vielen Dank für das Gespräch!
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