Kulante Retourenrichtlinie für weniger Rücksendungen
Haben Sie konkrete Zahlen, wie sich die Coronakrise auf die Retouren im Online-Handel ausgewirkt hat?
Noch können wir keine Zahlen nennen. Viele Händler haben in der jetzigen Situation die Frist für Retouren verlängert. Teilweise haben Kunden ein Rückgaberecht von 100 Tagen. Diese Zeit muss man erst abwarten und kann dann im Nachhinein betrachten, ob es vermehrt Retouren im ersten und zweiten Quartal 2020 gab.
Können Sie Gründe für möglicherweise gestiegene Retouren nennen?
Schon unter normalen Bedingungen werden Online-Einkäufe dreimal häufiger zurückgegeben als solche, die im Laden getätigt werden. In Deutschland konnten seit der Corona-Pandemie höhere Online-Bestellmengen verzeichnet werden. Wenn sich dieser Anstieg der Online-Käufe fortsetzt, wird dies auch eine Menge von Retouren, Rückerstattungen und Chargebacks für Händler nach sich ziehen.
Wie können Online-Händler mit Rückerstattungen umgehen oder diese im besten Fall sogar vermeiden? Welche Aspekte bei Retouren bereiten Händlern erfahrungsgemäß die größten Probleme?
Wir empfehlen den Händlern eine kulante Retourenrichtlinie. Das mag auf zwar auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinen, aber eine Studie hat gezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Käufer einen Artikel zurückgeben, abnimmt, je größer das Zeitfenster ist, in dem sie ihn zurückgeben können. Nur fünf Prozent der Käufer würden einen Artikel nach dreißig Tagen zurückzugeben. Dies hängt damit zusammen, dass ein Datum weniger konkret erscheint, je weiter es entfernt ist.
Zudem tritt der Besitztumseffekt ein: Je länger Menschen etwas haben, desto länger wollen sie es besitzen. Zudem helfen sehr genaue Produktbeschreibungen, Retouren zu verhindern. Dies betrifft auch sehr gute Fotos des Produkts. Einige Händler nutzen Technologien wie Augmented Reality, so dass User beispielsweise virtuell Kleidungsstücke anprobieren oder ein Möbelstück in ihrer Wohnung angucken können. Je besser sich der Kunde ein Produkt vorstellen kann, desto eher wird er es behalten. Zuletzt sollten Händler gut verständliche, verbraucherfreundliche Rückgaberichtlinien auf ihrer Website haben. 67% aller Käufer lesen diese vor dem Kauf.
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