4. Verlängertes Widerrufsrecht? – Von wegen!
Der vierte Grinch-Tipp schließt sich nahtlos an den dritten an, denn auch hier geht es um die überkandidelten Kundenwünsche zur Weihnachtszeit. Manche Unternehmen bieten den Kunden über die festliche Zeit nicht nur die gesetzlich vorgeschriebene Widerrufsfrist, sondern erweitern den Zeitraum für mögliche Retouren sogar bis Ende Januar. Doch die einzige „Erweiterung“, die Kunden von Ihnen erwarten sollten, ist Ihr wachsendes Unverständnis über die Unverschämtheit weihnachtlich verträumter Kundenwünsche.
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5. Ein Kanal ist mehr als genug
Einen eigenen Online-Shop, Marktplatz-Shops, Facebook- und Instagram-Kanäle und und und. Die Anforderungen an Online-Händler sind heutzutage lächerlich hoch – und zwar auch ohne übersteigerte Weihnachtserwartungen. Um für die Kunden immer und überall erreichbar zu sein, müssten Sie sich schon diverse Scheiben von sich abschneiden und eigene Klone züchten. Und da man aus alten SciFi-Filmen bereits weiß, welche skurrilen Dinge mit Klon-Armeen geschehen können, lassen Sie davon am besten tunlichst die Finger und beschränken sich auf einen Kanal.
6. Keine Rabatte, keine Anreize
Wie kommen Weihnachts-Shopper erst so richtig in Fahrt? Richtig: durch satte Rabatte und saisonale Angebote. Doch wenn die Kunden glauben, dass Sie sich mit solchen unrentablen Strategien ins Unglück stürzen, haben sie sich geirrt! Vielleicht sollten Sie die Preise sogar deutlich höher schrauben, um noch exklusiver zu wirken. Damit hätten Sie auf jeden Fall ein Alleinstellungsmerkmal. Einen Versuch wäre es wert.
Pro-Tipp für Kamikaze-Händler:
Wenn Ihnen rechtssicheres Handeln und potenzielle Abmahnungen egal sind, dann werben Sie doch mit ausgedachten Streichpreisen. „Gestern noch 19,99 Euro, heute nur 18,49 Euro“ klingt ja wahrlich nicht sonderlich aufregend. Überlegen Sie sich einfach horrende Mondpreise: „Gestern noch 99 Euro, heute nur 19 Euro“ ist doch viel dramatischer. Und das Ganze hat noch einen weiteren Vorteil: Auf diese Weise kommen Sie nämlich mit großer Wahrscheinlichkeit in den Geschmack, sich intensiver mit Juristen und Gerichten zu befassen. Da lernen Sie vielleicht noch Neues!
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7. Ja nicht inspirieren!
Manche Kunden haben einfach keine Ahnung, was sie ihren Liebsten zu Weihnachten schenken sollen. Manche Händler setzen daher auf Inspiration. Das bringt allerdings oft nur Ärger und weitere Anfragen oder Wünsche mit sich. Verzichten Sie daher auf alle Inhalte, die die Kunden zum Kaufen anregen oder inspirieren könnten. Geschenkefinder? Produktfilter? Nicht mit Ihnen!
Pro-Tipp: Versteck-Spiel:
Auch die Usability kann Ihnen dabei helfen, kauffreudige Kunden loszuwerden. Verstecken Sie einfach die Kaufen-Button – entweder durch unscheinbare Farben oder Abstinenz. So machen Sie das Shopping zu einer echten Herausforderung.
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Pro-Tipp für humorvolle Händler:
Sie haben einen hervorragenden Sinn für Humor und wollten den Produktfilter schon immer mal für Späße nutzen? Dann sollten Sie bei der Einordnung Ihrer Artikel unbedingt kreativ agieren. Was meinen Sie, wie Ihre Kunden staunen, wenn diese im Bereich Lebensmittel auf einmal Toilettenbürsten finden oder im Erwachsenen „Toy“-Bereich auf In-Ear-Kopfhörer treffen?! Verwirrte Kunden kaufen sicher weniger. Überraschen Sie sich und andere!
8. Bloß keine Werbung
Der achte Tipp baut auf den siebenten Tipp auf. Denn natürlich bieten Werbeanzeigen in den meisten Fällen auch Inspiration und Kaufanreize. Verzichten Sie daher auf jedwede Werbetrommeln. Wer Ihre Produkte zu schätzen weiß, kommt auch von allein!
Pro-Tipp: Wer Wind sät ...
Sie können die Sache natürlich auch von der anderen Seite angehen. Die Kunden wollen Werbung? Sollen Sie kriegen! Ständig aufploppende, übergroße PopUps, die verhindern, dass man reibungslos einkaufen kann; oder haufenweise Newsletter bis spät in die Nacht. So werden sich Ihre Kunden gewiss zweimal überlegen, Sie über Weihnachten mit Besuchen zu behelligen.
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9. Fehlender Service bringt weniger Kunden
Geschenke einpacken lassen oder Grußkarten hinzufügen: Das sind beliebte Zusatzoptionen, die Kunden rund um die Festlichkeiten gern hinzubuchen. Was einige Händler als Kundenbindungsstrategie für sich nutzen, könnte Ihnen blutige Schnittwunden und deutlich mehr Aufwand bescheren. Lassen Sie lieber die Finger davon.
Pro-Tipp: Das Bobbycar-Prinzip
Für gewitzte, weihnachtshassende Händler gibt es auch eine nachhaltigere Strategie: Bieten Sie einen Einpackservice an und wickeln Sie die Weihnachtspräsente doch einfach in Hasenpapier. Oder Sie packen die Geschenke derart ein, dass es aussieht, als hätte ein Zweijähriger sie verpackt, der anschließend mit seinem Bobbycar drübergefahren wäre. Das wird den Kunden eine Lehre sein, noch einmal von Ihnen Derartiges zu verlangen.
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10. Sie lassen die Regale leerlaufen
Noch besser als keine Inspiration, keine Angebote, keine Werbung, keine Extra-Services und keine Weihnachtsstimmung ist nur noch eins: KEINE PRODUKTE. Wer keine Produkte auf Lager hat, wird von Kunden auch nicht belästigt. Problem gelöst!
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vielen Dank für ihre Tipps. Auf manche wäre ich nicht gekommen.
Aber mal Spaß beiseite.
Sie reden immer nur von Umsätzen, entscheidend sind aber die Gewinne. Das blenden sie vollkommen aus.
Insofern verzichte ich gerne auf sagenhafte Umsätze, generiert durch Super-Rabatte, wenn der Rohertrag u.U. nicht mal dazu reicht, die Gebühren der Marktplätze bezahlen zu können.
Es ist richtig, ich habe keine Lust auf nur steigende Umsätze, noch tollere Kundenrabatte und das ganze abgerundet mit ewig langen Widerspruchsfristen.
Hat nicht gerade eben dm-Drogerie seine Philosophie bezüglich der Preise geändert.
Von Umsatz alleine hat noch kein Mensch leben können.
Ich habe, aus ihrer Sicht leider, nur Interesse an steigenden Gewinnen.
Ihr vorgeschlagenes Amazon-Prinzip funktioniert, wie man am Beispiel Amazon, Zalando und einigen anderen big Playern des Online-Handels sieht, nämlich nur, wenn man jahrelang treue Geldgeber hat, die über die hunderte von Millionen Verlust, die diese Firmen in den ersten Jahren produziert haben, großzügig hinweg sehen. Deren Wette besteht in aller Regel aus dem irgendwann folgendem Börsengang.
Allen anderen, die über ihre Hausbank finanzieren (müssen), wäre der Geldhahn schnellstens abgedreht worden.
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