Die chinesische Mittelschicht kauft gerne und viele Produkte aus westlichen Ländern, vor allem auch „Made in Germany“. Doch Online-Händler, die am chinesischen Markt durchstarten wollen, müssen auf kulturelle Unterschiede und Eigenheiten des asiatischen E-Commerce achten. Elena Gatti von Azoya berät Unternehmen beim Markteintritt in China und erklärt in unserem Interview, worauf Händler achten müssen – und welche Unternehmen sich schon blamiert haben.
Onlinehaendlernews.de: Wie ist der typische chinesische Online-Shopper? Und wie müssen sich deutsche Online-Händler darauf einstellen?
Elena Gatti: Diese Frage ist sehr einfach zu beantworten: Den typischen chinesischen Online-Shopper gibt es nicht. Es gibt in China aktuell rund 800 Millionen Menschen, die online einkaufen und das mehrheitlich mobil. China hat zudem eine weiterhin stark wachsende Mittelschicht, die heute schon mehr als 300 Millionen Chinesen stark ist. Und auch diese Zahl wächst. Es ist genau diese Mittelschicht, die verstärkt online im Ausland einkauft. Die typischen Cross-Border-E-Commerce-Konsumenten sind in der Regel junge Chinesen aus wirtschaftlich weit entwickelten Städten, die Hälfte davon Frauen.
Ihre Gründe für den Kauf von internationalen Produkten via Cross-Border-E-Commerce sind dabei sehr vielfältig: 67 Prozent suchen nach Produktqualität, 45 Prozent geben Authentizität an. 35 Prozent sagen, dass die Preise im Ausland niedriger sind, 27 Prozent sagen, dass sie ihr gewünschtes Produkt nicht in China finden.
Es gilt für Händler aus Deutschland, die nach China verkaufen möchten, herauszufinden, wer ihre Zielgruppen ist und auf welchen (Online-)Kanälen sie sich aufhält. Und auch da gibt es fast genauso viele Möglichkeiten, wie es Konsumenten gibt. Ein Irrglaube ist aber, dass es reicht, auf einer oder mehreren chinesischen Plattformen einfach präsent zu sein und „Made in Germany“ zu zeigen, um hohe Umsätze zu erzielen. Der chinesische Markt ist sehr kompetitiv und die Konsumenten sind sehr verwöhnt. Noch unbekannte deutsche Händler und Brands müssen sich daher erst in China einen Namen machen – mit geeigneten Marketing-Aktivitäten.
Beim Marketing in einem anderen kulturellen Umfeld kann auch viel schiefgehen. Kennen Sie Praxis-Beispiele für Missverständnisse ausländischer Marken am chinesischen Markt?
Der Fall Dolce & Gabbana ging um die Welt. Und es ist der absolute Albtraum jeder Brand beziehungsweise jedes Händlers. Was kulturelle Missverständnisse seitens deutscher Händler angeht, stellen wir immer wieder fest, dass viele davon ausgehen, dass, wenn sie in Deutschland oder Europa bekannt sind bzw. einen Namen haben, sie automatisch auch in China bekannt sind. Das ist in der Regel leider nicht der Fall und man fängt dort im Grunde ganz von vorne an.


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