Größte Herausforderung: Betrug unter fingiertem Namen
Die negativ Aufgefallenen, also die meisten der bekannten 6,6 Millionen überschuldeten Personen, kann man bei einer Bestellung herausfiltern, auch die Zahlungsunwilligen, die vielleicht doch zahlen könnten, wenn sie denn einmal irgendwo aufgefallen sind. „Die größte Herausforderung sind aber diejenigen, die bestellen und nirgendwo bekannt sind“, sagt Werner Ollech, Geschäftsführer von “Real“ Solution. Dass die Adresse postalisch korrekt ist, muss da nichts heißen. Die Betrügereien mit nur leicht veränderten Namen und Adressen, Bestellungen unter dem Namen des Nachbarn, falscher Unterschrift beim Paketboten oder gar mit dem vorübergehenden Überkleben von Klingelschildern sind bekannt. Aber wie kann man die aufdecken, wenn die Bestellung im Shop ankommt?
Hier behilft sich die Branche mit Scorings, also Wahrscheinlichkeitsaussagen. Wenn jemand in einer „schlechten“ Gegend wohnt, kann das Minuspunkte geben. Dieses Geo-Scoring wird in der Öffentlichkeit kritisch gesehen. Das muss den Händler aber nicht sehr kümmern, denn er setzt es nicht selbst ein, sondern die Auskunftei. Aber auch Scoring ist kein Allheilmittel, denn es deckt niemals vollständig alles ab. Das Risiko unterscheidet sich auch nach Warengruppen. Alles, was sich leicht wieder (übers Internet) verkaufen lässt, etwa Elektronik-Artikel, ist hochgradig betrugsanfällig. Die bestellte Ware geht in Verbindung mit anderen Daten auch in das Scoring ein.
Je nachdem, welcher Aufwand betrieben wird, kann man eine Bonitätsprüfung mithilfe von Auskunfteien vornehmen, die harte Daten und „weiche“ Wahrscheinlichkeitsaussagen liefern. Die Kosten liegen zwischen 0,20 und 2,00 Euro je Fall. Was man tun sollte, kommt also sehr individuell auf das Verlustrisiko an. Und es gibt nicht nur das Verlustrisiko. Da ist auch das Risiko des entgangenen Gewinns, wenn man irrtümlich zahlungsfähige Kunden ablehnt.
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