In dieser Woche ist es so weit: Die bisherige Zollfreigrenze für Kleinsendungen unter 150 Euro entfällt. Stattdessen wird für Sendungen aus Nicht-EU-Ländern künftig pauschal eine Abgabe von drei Euro erhoben. Betroffen sind alle, die Waren aus dem Ausland bestellen – besonders im Fokus stehen Plattformen wie Temu, Shein und AliExpress, die in den vergangenen Jahren mit niedrigen Preisen und Direktversand aus Asien den europäischen Markt verändert haben.
EU will Verwaltungsaufwand und Wettbewerbsverzerrungen reduzieren
Die Maßnahme der EU verfolgt zwei Ziele. Zum einen soll der Verwaltungsaufwand der Zollbehörden refinanziert werden: Nach Angaben der EU-Kommission wurden 2025 rund 5,8 Milliarden Kleinsendungen eingeführt – umgerechnet etwa 15,9 Millionen Sendungen pro Tag. Zum anderen reagiert die EU auf Kritik europäischer Online-Händler, die seit Längerem einen ungleichen Wettbewerb durch Drittstaaten-Anbieter monieren, welche Waren ohne entsprechende Abgaben direkt an Endkunden versenden.
Drei Euro pro Warenkategorie – nicht pro Paket
Die Pauschale wird nicht pro Paket, sondern für jede unterschiedliche Zolltarifunterposition innerhalb einer Sendung berechnet. Bei zwei unterschiedlichen Produktarten in einem Paket – etwa einer Hose und einem Handy-Ladekabel – fallen entsprechend sechs Euro an, bei mehreren identischen Artikeln nur drei Euro.
Besonders stark wirkt sich die Pauschale bei niedrigpreisigen Waren aus: Im unteren Preissegment kann sie Preissteigerungen von 30 bis 75 Prozent entsprechen, so T3n.
Mögliche Reaktionen der Plattformen
Wie genau Plattformen wie Temu und Shein auf die neue Regelung reagieren, ist noch offen. Diskutiert werden unter anderem die Bündelung von Bestellungen sowie der Ausbau von Warenlagern in der EU, von denen aus Sendungen ohne Einzelverzollung an Endkunden verschickt werden könnten – ein Modell, das etwa Amazon bereits nutzt und in das auch Temu investiert.
Für Online-Händler innerhalb der EU könnte sich aus der Neuregelung ein Wettbewerbsvorteil ergeben, da sich Preisunterschiede zu Nicht-EU-Anbietern verringern dürften.
Artikelbild: https://www.depositphotos.com
Christoph Pech
Christoph schreibt über KI, digitale Innovationen und Payment-Lösungen – immer mit einem Blick auf smarte Technologien.
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