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Temu-Zoll wirkt – aber profitieren deutsche Online-Händler wirklich davon?

Veröffentlicht: 01.09.2026
imgAktualisierung: 01.09.2026
Geschrieben von: Christoph Pech
Lesezeit: ca. 2 Min.
01.09.2026
img 01.09.2026
ca. 2 Min.
kaputtes Temu-Päckchen
aa-w / Depositphotos.com
Offizielle Zahlen zeigen bis zu 40 Prozent weniger China-Importe von Kleinsendungen. Deutsche Händler merken davon offenbar bislang wenig.


Seit Anfang Juli erhebt die EU einen Pauschalzoll von drei Euro pro Warenkategorie auf Kleinsendungen unter 150 Euro – eine Reaktion auf die Billigimport-Flut von Plattformen wie Temu, Shein und AliExpress. Offizielle Zahlen sprechen von einem deutlichen Rückgang. Bei den deutschen Händler:innen fällt das Bild allerdings gemischt aus.

Laut französischem Zoll ist die Zahl der importierten Billigpakete seit Einführung der Regelung um 30 bis 40 Prozent gesunken, bei Temu sogar um rund die Hälfte. Eine Studie im Auftrag des Handelsverbands Österreich beziffert zudem den volkswirtschaftlichen Schaden, den die Billigplattformen verursachen, auf mehrere hundert Millionen Euro jährlich. Ob einheimische Händler:innen davon aber wirklich profitieren, ist unklar.

Skepsis bei Händlern überwiegt

Viele Händler:innen zeigen sich zurückhaltend bis skeptisch. Im Sellerforum berichtet etwa der Nutzer obpul, der eine chinesische Firma vertritt, keinerlei Rückgang zu bemerken – lediglich die Preise seien gesunken. Andere Händler:innen sehen in ihren jeweiligen Nischen keine Veränderung, die Verkäufe liegen auch nach der Einführung des Pauschalzolls konstant unter dem Vorjahresniveau.

Mehrere Teilnehmer erklären sich den ausbleibenden Effekt mit veränderten Lieferwegen. Nutzer lallekalle und fonprofi beschreiben etwa, dass Anbieter mittlerweile Sammelcontainer mit sortenreinen Warengruppen in EU-Lager verschicken, um die Gebühr zu minimieren – statt vieler kleiner Einzelpakete kommt die Ware konsolidiert per Bahn oder Schiff an. Nutzer cashew bestätigt dieses Muster anhand einer eigenen Bestellung, die über die Niederlande geroutet wurde.

Sorge um kleine Importeure

Kritischer wird es bei der Frage, wen die Regelung am Ende trifft. Einige befürchten, dass vor allem kleine deutsche Online-Händler:innen mit überschaubaren China-Importen die Zeche zahlen, weil die Gebühr pro Warengruppe im Paket anfällt und sich bei gemischten Sendungen schnell summiert: „Es sollte gegen China gehen, schlussendlich zahlen die heimischen Unternehmen die Zeche.“ Nutzer lallekalle berichtet aus der Geschenkebranche, direkt von Temu & Co. betroffen zu sein und kaum Handlungsspielraum zu sehen.

Ein Händler widerspricht deutlich

Nicht alle Wortmeldungen sind negativ: Nutzer xMerchant, aktiv im besonders von Temu und AliExpress unter Druck stehenden Handyzubehör-Segment, berichtet von einem Umsatzplus von 200 Prozent gegenüber Juni 2025 und rund 100 Prozent gegenüber 2024 – während die Umsätze in Großbritannien und den USA im Vergleich weiter sinken. Für sellerone deutet das darauf hin, dass sich langfristig auch der klassische Standortvorteil schneller Lieferung aus Deutschland relativieren könnte, da die Distanz zu asiatischen Anbietern durch konsolidierte Lieferketten faktisch schrumpft.

Eine spürbare Wirkung des Rückgangs im Alltag hängt also stark von Branche, Preissegment und Anpassungsfähigkeit der Konkurrenz ab.

Artikelbild: https://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 01.09.2026
img Letzte Aktualisierung: 01.09.2026
Lesezeit: ca. 2 Min.
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Christoph Pech

Christoph Pech

Christoph schreibt über KI, digitale Innovationen und Payment-Lösungen – immer mit einem Blick auf smarte Technologien.

KOMMENTARE
5 Kommentare
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Jeanette Van Kemper
02.09.2026

Antworten

Immer wird alles doof betrachtet ich kenne gar keinen Menschen der klar denken kann. Das Problem ist doch ganz einfach ein ganz anderes nämlich nicht das Timo und Co. zu preiswert verkaufen können, sondern das deutsche Händler zu teuer verkaufen müssen. Daran sollte eine Regierung eine vernünftige Politik was machen. Denken hier in Deutschland kein Mensch. Es ist immer nur ein Einbahnstraßendenken. Genauso ist es mit den Reichen ja und was die dann so alles an Kapital um sich scharren das ist natürlich immer im Auge des Betrachters des armen Mannes. Aber was hat der letztendlich davon der Reiche? Irgendwelche Garagen voll mit Ferraris oder dass er seinen Kindern dann Abitur und auch ein Studium finanzieren kann ohne dass die nebenbei noch shoppen müssen und ihr Studium erst am Sankt-Nimmerleins-Tag beenden können? Klar das sind alles eindeutige Vorteile aber dann eine Riesen Firma hinter sich her ziehen zu müssen und täglich Angst haben zu müssen alles zu verlieren solange das noch nicht durch irgendwelche Trust und Ähnliches abgesichert ist! Na das ist doch auch kein Leben.
Michael
02.09.2026

Antworten

„Es sollte gegen China gehen, schlussendlich zahlen die heimischen Unternehmen die Zeche.“ Neeeeeein, echt jetzt? Wer hätte es gedacht? Also doch wie die neue PPWR wieder ein Angriff auf die eigene EU aus Brüssel, um diese weiter zu schwächen. Von Aliexpress bekomme ich täglich Mails mit "Zoll inklusive ab 3 Stück." Es geht voran und seien wir mal ehrlich: Wettbewerbsgleichheit oder Vorteil für EU-Shops wird es mit der EU nicht geben. Ich lese täglich den Newsletter vom Händlerbund und täglich Schlagzeilen: Das wird geändert, das wird mit Abmahnungen bestraft, da muss man ab Tag x "Schutzgebühr" als "freiwilliges Mitglied" zahlen, usw. Ich schätze mal grob, das die kleinen Shops zu 80% eh schon unter Mindestlohn arbeiten und mit jeder dummen Idee aus der EU dieser weiter sinkt. Aber Arbeit wird immer mehr und man steht mit einem Bein im Gefängnis. Wer tut sich das noch an?
Frank Pagenkemper
02.09.2026

Antworten

Das ist doch mal ein guter Anfang. Aber ein guter Anfang ist noch kein gutes Ende. Wie man sieht versuchen die Chinamänner die Regelung zu umgehen. Das liegt aber oft daran, dass die EU Kommission einfach nicht praktisch denken kann, sondern immer einen Wust an Regelungen formuliert, die dann löcherig und umgehbar sind. In der Einfachheit liegt meist der Schlüssel zum wirklich guten Ende. Und da darf man sich dann auch mal in der Welt umschauen, wo und wie die Eindämmung diese chinesischen Mülls noch besser gelungen ist. Einfach mal 100 % Zoll auf die Ware, die zumeist nach kurzer Zeit im Müll landet. Und damit straft sich der Käufer erneut, denn all dieser Müll, der wieder entsorgt werden muß landet mitunter auf der Abfallentsorgungsrechnung. Da lacht der Chinamann und tritt dem deutschen Michel in den Hintern, aber der merkt halt nichts und beschwert sich noch, wenn er diesen Müll nicht mehr bestellen kann. Ich finde diese minderwertigen Müllartikel sollten erst gar nicht in die EU eingeführt werden. Ich habe selber mal bei Temu gekauft. Es war alles Sondermüll! Und was die Conteinersendungen angeht sollte genau hier eine sehr engmaschiges Materiakprüfung der Artikel erfolgen. Wenn die Ware gebündelt kommt kann sie auch effektive auf die Qualitätsstandarts der EU geprüft werden und bei Beanstandungen hübsch den Weg zurück nach China machen.
stefan
02.09.2026

Antworten

klar zeigen dir wirkung. ich wollte 3 artikel je 2,5€ kaufen und sollte 10€ zoll zahlen.... vollkommen geisteskrank... der staat zockt ab wo es nur geht.... aber lange geht das nicht mehr gut, dann könnt ihr zoll auf luft erheben...
cf
02.09.2026

Antworten

Ganz so günstig werden die Konzerne ihre Klamotten dann aus den EU-Lagern aber nicht mehr verschicken können - zumindest müssen sie sich an die deutschen/europäischen Paketgebühren gewöhnen... Zumindest bis sie ihre eigenen Zustellflotten aufgebaut haben...