Während die Produktqualität und so manche Geschäftspraktik von Temu hierzulande viel Kritik ernten, lässt sich eines nicht leugnen: Der Marktplatz kommt bei Verbraucher:innen gut an. Davon sollen auch Händler:innen innerhalb der EU profitieren, denn für diese hat Temu – nach langer Ankündigung – seine Pforten geöffnet. Wie die Temu-Mitarbeiterin Zixia Yi auf LinkedIn verkündete, können Shops mit Sitz in EU-Ländern wie Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien sowie in Großbritannien seit Ende Juli selbstständig auf dem Marktplatz handeln. Die dabei zunächst angebotenen Konditionen sollten Wettbewerbern wie Amazon, Kaufland oder Otto definitiv Sorgen bereiten.
Verkaufsstart zum Nulltarif
Das Angebot, welches Temu den europäischen Händler:innen macht, soll auf jeden Fall dazu anregen, ernsthaft über einen Verkaufsstart nachzudenken. Denn zunächst zahlen diese keine Grundgebühr, Verkaufsprovision oder Gebühren für die Bewerbung der eigenen Angebote. Dass es sich hier um ein Start-Angebot handelt, welches so nicht von Dauer sein wird, steht außer Frage.
Jedoch finden sich aktuell keinerlei Informationen dazu, bis wann diese Konditionen gelten und welche Gebühren später anfallen werden. Onlinehändler News hat hierzu beim Unternehmen angefragt. Eine Rückmeldung wird bei Erhalt an dieser Stelle entsprechend nachgereicht.
Temu übernimmt die Preisgestaltung
Nach Registrierung müssen Händler:innen ihre Produktlistings anlegen und kümmern sich um die Lagerung und den Versand von verkaufter Ware. Für den Verkauf legen sie dabei einen Basispreis fest – zu welchem Preis das Produkt letztendlich wirklich verkauft wird, bestimmt jedoch Temu. Welche Faktoren konkret bei der Preisgestaltung einbezogen werden, ist nicht bekannt.
Weiterhin kümmert sich Temu um den mehrsprachigen Kundendienst sowie die Vermarktung der Angebote auf allen Kanälen. Das könnte gerade für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) eine große Hilfe darstellen. Schließlich hat Temu nach eigenen Angaben allein im EU-Raum 213 Millionen monatliche Besucher:innen. Diese Reichweite rückt durch die Vermarktungsdienste in greifbare Nähe.
Lokale Lieferstandorte machen Temu zur ernstzunehmenden Konkurrenz für Amazon
Schaut man sich auf dem Marktplatz von Temu um, fallen bereits jetzt zahlreiche Angebote auf, die den „Lokal“-Badge tragen. Beim Klick in ein Listing wird ausgeführt, dass diese Produkte innerhalb weniger Werktage geliefert würden. Bis vor kurzem kam das Gros der Produkte von Temu noch direkt aus China. Das war nicht nur Umweltschützer:innen ein Dorn im Auge, sondern störte mit Blick auf die Lieferzeiten auch den ein oder die andere Verbraucher:in. Schließlich sind wir es durch Anbieter wie Amazon gewohnt, unsere Einkäufe in kürzester Zeit nach Hause zu bekommen.
Die lokalen Lagerstandorte – sei es nun durch chinesische Shops, welche einen hiesigen Lagerstandort betreiben, oder aber durch europäische Shops – bauen Temus Wettbewerbsvorteil gegenüber Amazon deutlich aus.
Wie E-Commerce-Experte Andreas Frank in seinem Online-Magazin SELR berichtet, bieten bereits jetzt einige Marken ihre Produkte parallel auf Amazon und Temu an. Durch den günstigeren Verkauf auf Temu können sie dabei letztlich auch günstigere Verkaufspreise bieten. Für Verbraucher:innen verschwinden so zunehmend die Grenzen zwischen Amazon und Temu.
Artikelbild: http://www.depositphotos.com
Ricarda Eichler
Ricarda berichtet über digitale Themen und spricht in Interviews und Podcasts mit spannenden Stimmen aus der Branche.
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