Der Boom asiatischer Billigplattformen hat einen konkreten Preis: Laut einer neuen Analyse der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) im Auftrag des Handelsverbands Österreich entgehen dem dortigen Handel durch die Verlagerung von Konsumausgaben zu Temu, AliExpress und Shein jährlich rund 570 Millionen Euro Bruttoumsatz und 171 Millionen Euro Bruttowertschöpfung. In Summe drückt das laut Studie das Bruttoinlandsprodukt um etwa 212 Millionen Euro und kostet mehr als 1.600 Arbeitsplätze.
Mittelstand besonders betroffen
Den größten direkten Wertschöpfungsverlust trägt demnach der heimische Handel selbst mit 58 Millionen Euro. Über Lieferketten und wirtschaftliche Verflechtungen sind aber auch andere Branchen wie Produktion, Bauwirtschaft und Gastronomie betroffen. Auffällig: Die Belastung trifft nicht nur Großunternehmen. Auf Kleinstunternehmen entfallen der Analyse zufolge 54 Millionen Euro Wertschöpfungsverlust – ein deutlich höherer Anteil, als man angesichts der Unternehmensgröße vermuten würde.
Harald Gutschi, Geschäftsführer von OTTO Austria und Leiter des HV-Fachforums eCommerce & Marktplätze, sieht darin einen strukturellen Nachteil für europäische Händler:innen: „Europäische Händler spielen nach europäischen Regeln, bezahlen faire Löhne und Steuern, finanzieren Qualität, Lehrstellen und Produktsicherheit. Zugleich konkurrieren sie mit asiatischen Plattformen, bei denen geltendes EU-Recht vielfach nur auf dem Papier existiert. Das ist ein systematischer Standortnachteil für heimische Unternehmen.“
EU geht verstärkt gegen Plattformen vor
Allerdings ist die EU nicht untätig. Die EU-Kommission verhängte am 20. Juli eine Geldbuße von 550 Millionen Euro gegen AliExpress wegen eines Verstoßes gegen den Digital Services Act. Gegen Temu wurde Ende Mai eine Strafe von 200 Millionen Euro wegen des Vertriebs illegaler Produkte ausgesprochen. Shein wiederum wurde in Frankreich mit 22 Millionen Euro wegen Problemen bei Retouren und Bestellungen sowie zuvor mit 40 Millionen Euro wegen irreführender Rabattangaben belegt.
Erste Wirkung des EU-Pauschalzolls
Ein konkretes Ergebnis zeigt sich laut Verband bereits: Seit dem 1. Juli 2026 gilt in der EU ein Pauschalzoll von drei Euro auf Kleinsendungen aus Drittstaaten. Nach Angaben der Österreichischen Post ist das Paketvolumen aus Fernost seither im Schnitt um 26 Prozent zurückgegangen. Der Handelsverband wertet das als wichtigen Etappenerfolg, warnt aber vor verfrühter Entwarnung: Die Plattformen würden ihre Geschäftsmodelle bereits anpassen, etwa durch neue Lager innerhalb der EU, wodurch sich der Effekt des Zolls mittelfristig relativieren könnte. Ähnliche Befürchtungen äußerte kürzlich auch DHL.
Artikelbild: https://www.depositphotos.com
Christoph Pech
Christoph schreibt über KI, digitale Innovationen und Payment-Lösungen – immer mit einem Blick auf smarte Technologien.
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