Kritik: DHL-Kooperation mit Temu belastet kleine Online-Händler

Veröffentlicht: 11.04.2025
imgAktualisierung: 11.04.2025
Geschrieben von: Hanna Behn
Lesezeit: ca. 2 Min.
11.04.2025
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ca. 2 Min.
DHL-Pakete auf einem Paketförderband
ChinaImages / Depositphotos.com
Gemeinsam wollen DHL und Temu kleine Unternehmen bei der Internationalisierung unterstützen. Das überzeugt nicht alle.


Die DHL Group und der Billigmarktplatz Temu haben sich zusammengetan: Zum einen wird die Zusammenarbeit in der Logistik ausgeweitet, zum anderen sollen kleine und mittelständische Firmen Hilfestellungen für ihren globalen Handel erhalten, gaben die beiden Unternehmen vergangene Woche bekannt. Doch aus der Branche, die DHL und Temu mit ihrer Aktion erreichen wollen, hagelt es für diesen Schritt Kritik. Bei näherer Betrachtung entpuppe sich „das Ganze eher als PR-Märchen denn als Mittelstandsprogramm“, kritisiert die Händlergemeinschaft Bundesverband Onlinehandel (BVOH). 

„Falsche Prioritäten“ bei DHL

Temu setzt mit seinem Local-to-Local-Programm zunehmend darauf, Waren nicht ausschließlich direkt aus China, sondern auch von lokalen Händlern im hiesigen Markt anzubieten. Dabei gebe es jedoch der Kritik zufolge ein Ungleichgewicht zwischen Herstellern, die direkt aus China nach Europa verkaufen, während hiesige Handelsunternehmen die Waren zunächst einkaufen und einlagern, wodurch für sie Mehrkosten entstehen. Darüber hinaus werden die strikten Preisvorgaben der asiatischen Plattform bemängelt, gegen die eine Kartellbeschwerde eingereicht worden ist.

Während Waren zu besonders günstigen Preisen verkauft werden sollen, hat DHL kürzlich neue Zuschläge für die Peak-Saison bekannt gegeben. Die Mehrkosten von 50 Cent pro Paket haben zahlreiche Händler:innen zusätzlich verärgert. Und die Situation sei schließlich paradox: „Die Masse an Temu-Paketen trägt zur Auslastung der Logistikzentren bei und führt mit zur Einführung der Peak-Gebühr. Doch statt dafür zu zahlen, erhält Temu Sonderlösungen“, moniert der Verband. All dies trage eher zu einer zusätzlichen Belastung der kleinen und mittelständischen Handelsunternehmen bei. 

Temu baut globale Marktstellung aus

Der Fokus der gemeinsamen Geschäftsbeziehung lohnt sich für Temu aber wohl nicht nur auf dem hiesigen bzw. europäischen Markt. Die Plattform will die Ressourcen von DHL auch für den internationalen Versand nutzen und beispielsweise auch im Nahen Osten Geschäfte machen. Die Kooperation könnte also dazu beitragen, dass Temu seine globale Marktstellung weiter festigt: „Möglicherweise nutzt Temu DHL, um rasch eine nahezu globale Logistikpräsenz aufzubauen, die es Temu erleichtern wird, ein viel größeres und komplexeres Einzelhandelsunternehmen zu werden“, mutmaßt Thomas Cullen, Chefanalyst des britischen Forschungsinstituts Transport Intelligence. „Es könnte die Abkehr von Temus großer Abhängigkeit von der Luftfracht aus China bedeuten. Die Nutzung von DHL, das über enorme Kapazitäten verfügt, könnte ein Mittel sein, um auf die dafür notwendigen Ressourcen zuzugreifen“, so Cullen.

Veröffentlicht: 11.04.2025
img Letzte Aktualisierung: 11.04.2025
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Hanna Behn

Hanna Behn

Hanna widmet sich am liebsten den Themen E-Commerce-Trends, Leadership und Unternehmertum.

KOMMENTARE
1 Kommentare
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ralf
14.04.2025

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Es bekommt mich der Verdacht, dass DHL sein Programm mit Temu ein wenig auf Kosten der hießigen Händler finanzieren will. Oder anders ausgedrückt: Hier soll man für Innlandspakete mehr bezahlen, damit Pakete aus China billig bleiben können.