Deutsche Händler fordern Verbot für Billigmarktplätze

Veröffentlicht: 30.07.2025
imgAktualisierung: 30.07.2025
Geschrieben von: Redaktion
Lesezeit: ca. 2 Min.
30.07.2025
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Apps von Temu, Shein, AliExpress auf Smartphone
dimarik / Depositphotos.com
Die chinesischen Billigmarktplätze sind den deutschen Verkäufern ein Dorn im Auge. Nun wird ein Verbot gefordert.


Die Konkurrenz aus China läuft mit ihren Niedrigpreisen den hiesigen Händlern immer mehr den Rang ab. Deswegen fordert mit 78 Prozent jetzt ein Großteil der deutschen Verkäufer ein Verbot der Billigmarktplätze. Das geht aus einer aktuellen Bitkom-Umfrage unter 505 Unternehmen hervor.

„Billig-Händler verschärfen den Wettbewerb und werden von vielen etablierten Handelsunternehmen als Bedrohung wahrgenommen“, betont Dr. Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Bitkom. Aus diesem Grund fordert er die deutschen und europäischen Behörden dazu auf, sicherzustellen, „dass dieser Wettbewerb unter fairen Bedingungen stattfindet, Schlupflöcher bei beispielsweise Zöllen geschlossen werden und der Verbraucher- und Umweltschutz gewahrt wird“.

Gefahr für Händler und Verkäufer

92 Prozent der Umfrageteilnehmer bemängeln, dass die Konkurrenz-Plattformen aus Fernost häufig gegen das hier geltende Recht verstoßen, 88 Prozent gehen davon aus, dass Produkte mit gefährlichen Inhaltsstoffen vertrieben werden. So stellen die Marktplätze nicht nur eine potenzielle Gefahr für die hiesigen Verkäufer dar, sondern auch für Verbraucher, die Waren auf den Plattformen erwerben. 

Hier wird vor allem die Europäische Union in der Pflicht gesehen. 85 Prozent sind der Meinung, die EU müsse den europäischen Binnenmarkt vor außereuropäischen Online-Marktplätzen schützen, 87 Prozent sprechen sich zusätzlich dafür aus, die Vorschriften für den Warenimport zu verschärfen. Dazu könnte unter anderem die Abschaffung der Zollfreigrenze von 150 Euro gehören.

Hälfte der Verkäufer erlebt Lieferschwierigkeiten

Der deutsche Handel ist aber auch zunehmend besorgt über die globalen Entwicklungen, insbesondere über die verschärfte geopolitische Lage. Fast die Hälfte der Händler (47 Prozent) leidet unter Lieferschwierigkeiten infolge internationaler Konflikte. Ein Drittel (33 Prozent) plant daher, das Produktsortiment zu verkleinern. Zudem möchten 41 Prozent der Handelsunternehmen ihre außereuropäischen Zulieferer durch europäische ersetzen, um Abhängigkeiten zu reduzieren.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Veröffentlicht: 30.07.2025
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3 Kommentare
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ralf
31.07.2025

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Ich sehe das etwas skeptisch. 1. Egal ob die EU hier etwas umsetzt, es wird wie immer zu Lasten der hiesigen Händlern gehen. Von der EU Hilfe zu erwarten ist wie eine Pfanne mit brennendem Öl mit Wasser zu löschen. 2. Ist es gerade der Verbraucherschutz, der das Dilemma möglich macht. Zum einem da die Vorgaben für die hiesigen Händlern zu enormen Kosten führt, welche die Konkurrenzfähigkeit mit Fernost praktisch unmöglich macht. Zudem ist es für den Verbraucher strafrei, verbotene und unsichere Produkte zu einzuführen, da die Haftung beim Versender in Fernost liegt, der widerum nicht haftbar gemacht werden kann. Ich habe als Verbraucher null Risiko und habe damit absolut keinen Grund keine Billigprodukte aus Fernost zu kaufen, ausser die Moral, die bekanntlich alles andere als verhindernd ist. 3. Würde ein Verbot ähnliche Wirkung wie Strafzölle haben und könnte sich zum Handelskrieg entwickeln, welche dann widerum zu nachteilen der Händler wird, die aus China importieren. 4. Die Idee europäische Hersteller zu bevorzugen ist ja auf den ersten Blick nicht schlecht, aber scheitert oft in der Praxis, da viele der hiesigen gerade traditionelle Hersteller nur auserwählten Händlern beliefern. Oft wird man dadurch gezwungen aus Fernost zu importieren. Was zu folge hat, das China Produkte hier den Markt überschwemmen. Was dann widerum zu Schlagzeilen in der Presse führt wie z.B. Traditionsunternehmen muss nach 150 Jahren schließen. Die Arroganz mancher großen Traditionellen Herrsteller verstärkt das Problem und für den ein oder anderen wird es auch das eigene Grab. Mein Mitleid hält sich in Grenzen. 5. Fehlt es an Innovation. Wenn ich sehe, was für Produktideen die Chinesen haben und warum es hier keiner geschafft hat, was ähnliches auf die Beine zu bringen, stellt man sich schon die Frage woran das liegen könnte.
Frank2
05.08.2025
Bzgl. Import, die Haftung in Europa liegt beim Importeur - das gleiche gilt auch bei Privatpersonen - hier wird eigentlich kein Unterschied gemacht. Das Problem liegt eher, dass die große Masse nicht mehr kontrolliert werden kann. Bzgl. Haftung, die Haftung beeinhaltet eigentlich auch die Steuerschuld, d.h. wenn der Importeuer die "fehlerhaften" Warenwerte des Versenders bestätigt und ihm die falsche Angabe z.B. durch Zahlungsbelege nachgewiesen werden kann wäre es Steuerhinterziehung.... Bgzl. Traditionshersteller die nach 150 Jahren wegen reichtum schließen, die würden auch früher oder später schließen wenn die nur an die ausgewählten Händler liefern bzw. den Kreis entsprechend erweitern. Da der Preis von Asiatischen Herstellern einfach unterboten wird...
DiFe
05.08.2025
Das kann ich nur unterstützen und ergänzen, dass es die europäischen Hersteller ja auch nicht fertigbringen, eine ansprechende Plattform wie z.B. Alibaba auf die Beine zu stellen. Wer Alibaba mit "Wer liefert was" vergleicht, versteht, was ich meine. Vielleicht gibt es ja irgendwo in der EU ein Unternehmen, das interessante Produkte herstellt - aber wie finde ich das, ohne dass ich auf verschiedene Messen gehe (und das Unternehmen auch)? Eine moderne europäische Sourcing-Plattform wäre der erste Schritt, der unternommen werden müsste um wettbewerbsfähig zu werden. Dass europäische Hersteller inzwischen auf Temu oder Alibaba verkaufen, sagt ja alles.