Der Marktplatz Ebay hat seine Verkäufer:innen darüber informiert, dass die Preisvorschlag-Funktion von einem Reservierung-zuerst-Modell auf ein Zahlung-zuerst-Modell umgestellt wurde. Mit dieser grundlegenden Änderung der Funktion will Ebay nach eigenen Angaben erreichen, dass die Zahl der unbezahlten Artikel reduziert wird, der Verkauf besser an eine Zahlung-zuerst-Kauferfahrung angepasst wird und Verkäufer:innen mehr Sicherheit erhalten.
Was genau hat Ebay am Preisvorschlag geändert?
Ebay hat die Funktionalität quasi komplett umgekrempelt: Bisher wurden Artikel sofort für Käufer:innen reserviert, sobald sie den Preisvorschlag der Verkäufer:innen akzeptiert hatten. Falls es einen Gegenvorschlag von Kundenseite gab und dieser vom Seller akzeptiert wurde, führte das ebenfalls unmittelbar zur Reservierung. Daraus ergab sich quasi automatisch auch die Bestellung.
Mit dem jetzt eingeführten Zahlung-zuerst-Modell führt die Annahme des Preisvorschlags nicht mehr automatisch zur Reservierung und anschließenden Bestellung des Artikels. Verkäufer:innen haben die Möglichkeit, mit mehreren Kund:innen parallel zu verhandeln. Erst wenn eine Zahlung erfolgt, wird der Artikel reserviert beziehungsweise bestellt.
Welche Auswirkungen hat die Änderung?
Mit dem alten Reservierung-zuerst-Modell endete das Angebot sofort mit der Annahme des Preisvorschlags. Der Artikel verschwand also sofort aus der Suche und es wurde eine Bestellung erstellt. Sollte an diesem Punkt aber keine Zahlung von Kundenseite erfolgen, musste die Bestellung von Verkäuferseite storniert und der Artikel erneut eingestellt werden.
Bei dem Zahlung-zuerst-Modell haben die Verkäufer:innen die Möglichkeit, mit mehreren Interessenten zu verhandeln. Wird in diesen Verhandlungen ein Preisvorschlag akzeptiert, erfolgt die Weiterleitung zur Kasse, um die Zahlung und damit die Bestellung abzuschließen. Sollten mehrere Preisvorschläge akzeptiert worden sein, erhält die Person laut Ebay den Artikel, die die Zahlung zuerst abschließt.
Ist das neue Modell rechtens?
Ja, Ebay hat als Plattform die Möglichkeit, den Zeitpunkt festzulegen, ab wann ein Kaufvertrag zustande kommt. Im neuen Preisvorschlag-Modell liegt dieser Zeitpunkt auf dem Moment der Zahlung. Händler:innen müssen allerdings darauf achten, dass ihre AGB dieser neuen Funktion nicht widersprechen und auf dem neuesten Stand sind. Der Händlerbund prüft, ob Mitglieder ihre Rechtstexte für die neue Preisvorschlag-Funktion anpassen müssen. In diesem Fall werden die Mitglieder entsprechend informiert.
Erste Bedenken an dem neuen Preisvorschlag-Modell
Ebay will mit der Änderung am Preisvorschlag mehr Sicherheit für seine Verkäufer:innen schaffen, doch es gibt initial auch Bedenken hinsichtlich der neuen Funktion. „Wir sehen das als problematisch an bei Artikeln mit geringer Stückzahl, oder Einzelartikeln“, merkt eine Händlerin im Händlerbund Forum an. „Wir sehen schon die Diskussion, warum Käufer x den Artikel jetzt nicht bekommt, obwohl er doch den Preisvorschlag angenommen hat. Wir persönlich finden es auch sehr unfair, wenn der Käufer, aus welchen Gründen auch immer, einfach nicht früher zahlen konnte.“
Artikelbild: https://www.depositphotos.com
Michael Pohlgeers
Micha beobachtet politische Entwicklungen und Marktplatz-Dynamiken. Seine Themen: Teamführung, Plattformen und alles, was den Handel bewegt.
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