Die asiatischen E-Commerce-Größen Temu und Shein, aber auch die Shopping-Funktion der Social-Media-Plattform TikTok, gewinnen bei der Online-Kundschaft immer mehr Sympathien. Deutsche Händler:innen finden, dass deshalb vor allem die großen Marktplätze wie Amazon um Kaufanteile bangen müssen. Noch mehr frustriert sie allerdings, dass die Asia-Plattformen für unfaire Bedingungen in der Branche sorgen. Das zeigt eine Studie des ECC Köln, für die 100 Einzelhändler, Großhändler und Hersteller aus verschiedenen Branchen befragt wurden.

Temu – kaum Bedrohung für den eigenen Online-Shop

Noch können die Plattformen aus Asien dem Platzhirsch Amazon nicht das Wasser reichen – der E-Commerce-Riese hält 60 Prozent am hiesigen Online-Handel. Verbraucher:innen nutzen den Marktplatz sowohl online (52 Prozent) als auch vor einem Kauf im Geschäft (35 Prozent) als ersten Anlaufpunkt, um neue Produkte zu erwerben – dennoch kauft bereits knapp ein Drittel von ihnen bei Temu. Doch trotz dieses wandelnden Konsumverhaltens sehen zwei von drei Handeltreibenden in Temu oder TikTok Shop bisher keine echte Bedrohung für ihr eigenes Unternehmen. Die Marktplätze mit Waren aus Asien bewerteten 12 Prozent der Befragten als Konkurrenz für den eigenen Online-Shop. Beim stationären Handel ist diese Sorge mit mehr als einem Fünftel (22 Prozent) merklich größer.

Echte Wettbewerber sind Temu und Shein aber aus Sicht von 46 Prozent der Händler:innen für Amazon. Bei anderen Marktplätzen, etwa Otto, Ebay oder Zalando, schätzen sie die Konkurrenz sehr viel geringer ein.

Kampf der Plattformgiganten, ECC KÖLN, 2024

Mehrheit lehnt Verkauf über Temu ab

Auch wenn sie die Gefahren für ihr Geschäft als geringer einstufen, so sorgen bei den deutschen Händler:innen jedoch die Wettbewerbsbedingungen, die sich durch die Plattformen verändern, für Unmut. Temu, Shein und Co. würden sich nach Ansicht von 78 Prozent der Befragten unfaire Vorteile verschaffen, weil sie sich nicht um Nachhaltigkeit, Datenschutz, Produktsicherheit- und Qualitätsstandards kümmern würden. 81 Prozent erwarten, dass der Markt regeln wird, wer sich letztlich durchsetzt. Acht von zehn Handelsunternehmen sind aber auch der Meinung, dass die Politik die Plattformen regulieren oder Verbote aussprechen sollte. Mehr als die Hälfte der befragten Händler:innen will weder bei Temu und Co. noch bei TikTok Shop verkaufen.

Nur 11 Prozent nutzen die Asia-Plattformen schon als Absatzkanal, auf TikTok Shop sind 12 Prozent aktiv. Dass Social Commerce via TikTok Potenzial hat und Kund:innen effektiv ansprechen kann, glauben aber bereits drei Viertel der Handeltreibenden. Diese Chancen sollten sie nutzen, meint Julia Frings vom ECC Köln: „Anstatt ausschließlich auf politische oder marktbedingte Regulationen zu warten, sollten Händler selbst aktiv werden. Die Mehrheit erkennt trotz des Frusts auch den Nutzen von den neuen Marktplätzen mit Waren aus Asien an: Diese greifen Trends schnell auf und bieten eine riesige Produktauswahl. Insofern gilt es, von den neuen Plattformen zu lernen, wo es zur eigenen Positionierung passt, sei es durch Gamification auf der eigenen Website oder durch eine Präsenz auf den Plattformen.“

Amazon nimmt den Kampf gegen die Konkurrenz indes bereits selbst auf und hat gerade erst Details zu seiner neuen Billig-Sparte verlauten lassen. Für Händler:innen, die in dieser auftauchen wollen, sollen dann strenge Preisvorschriften gelten.

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