„Der Bild Marktplatz wurde eingestellt und steht nicht mehr zur Verfügung“ – Mit dieser knappen Nachricht informiert der Marktplatz seine Kundschaft darüber, dass nach etwas über zwei Jahren Schluss ist. Daneben steht nur noch der Hinweis, dass für getätigte Käufe über die Plattform die gesetzlichen Rechte, insbesondere die Gewährleistungsansprüche, bestehen bleiben. Ansonsten erfolgte das Ende des Bild Marktplatzes offenbar relativ sang- und klanglos.
Große Versprechen zum Start
Dabei war der Bild Marktplatz mit großen Ambitionen angetreten: Zum Start fanden sich über 30.000 Produkte von mehr als 50 Händlern in zahlreichen Kategorien auf der Plattform. Dieses Angebot wollte der Bild Marktplatz zeitnah kräftig ausbauen und lockte potenzielle Händler:innen damit, dass sie ihre Produkte innerhalb des Bild-Kosmos bewerben könnten. So wurden künftigen Werbekund:innen unter anderem „aufmerksamkeitsstarke Teaserflächen auf der Bild.de Startseite“ in Aussicht gestellt.
Christoph Eck-Schmidt, Geschäftsführer von Bild und des Springer-Vermarkters Media Impact, bezeichnete den Bild Marktplatz zum Start als „eine zusätzliche attraktive Möglichkeit für konversionsstarke Produkt- und Abverkaufskampagnen“. Heute zeigt sich, dass dieses Modell im Markt offenbar keinen Bestand hatte und Bild sich mit seinem eigenen Marktplatz nicht behaupten konnte.
Der Bild Marktplatz hat seine Strategie nie gefunden
Dass die Plattform auch an sich selbst gescheitert ist, macht die Einschätzung der Marktplatz-Expertin Ingrid Lommer auf LinkedIn deutlich: In den ersten Wochen habe die Verbindung zwischen der Plattform und Bild.de „kaum existiert“, schreibt sie. Zudem sei die grundlegende Sortimentsstrategie, also welche Produkte der Bild Marktplatz an wen verkaufen wolle, nachgelagert worden. Das hätte zu einem späteren Zeitpunkt basierend auf ersten Leser- und Händler-Reaktionen ermittelt werden sollen. Dazu sei es aber offenbar nicht gekommen.
„Geschwindigkeit ohne ein Sourcing- oder Sortimentskonzept verlagert das Risiko nicht auf die Plattform, sie verlagert das Risiko auf die Händler, die in die Integration und das Inventar für die Plattform investieren, die noch nicht entschieden hat, was sie sein will“, so Lommer weiter. Das mache die Händler:innen zu unbezahlten Beta-Testern.
Was letztendlich zum Entschluss geführt hat, den Bild Marktplatz zu schließen, ist nicht bekannt. In den mehr als zwei Jahren nach dem Start ließ die Strategie aber weiter auf sich warten und die enorme Reichweite von Bild.de konnte offenbar ebenfalls nicht gewinnbringend eingesetzt werden, um die Bekanntheit und den Erfolg der Verkaufsplattform zu stärken.
Artikelbild: https://www.depositphotos.com
Michael Pohlgeers
Micha beobachtet politische Entwicklungen und Marktplatz-Dynamiken. Seine Themen: Teamführung, Plattformen und alles, was den Handel bewegt.
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